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Was verdienen Erzieher und Erziehungswissenschaftler?

von Julia Holzapfel

Erziehungswissenschaftlern stehen nach dem Abschluss zahlreiche Bereiche offen - von der Sozialpädagogik bis zur Erwachsenenbildung. Ebenso finden viele Absolventen in der Kinderbetreuung eine Anstellung. Die Qualifikation wird beim Gehalt dabei jedoch nicht immer berücksichtigt, und auch die Art des Arbeitgebers sowie die Berufserfahrung wirken sich auf den Verdienst aus.

Was verdienen Erzieher und Erziehungswissenschaftler? © YTK - Photocase.de Ein Hochschulabschluss wirkt sich nur geringfügig auf das Gehalt von Erziehern aus
Wer im pädagogischen Bereich mit Kleinkindern arbeiten wollte, für den gab es lange Zeit nur die Möglichkeit der Fachschulausbildung zum Erzieher. Mit der politischen Forderung nach steigender Professionalisierung in der Kleinkindpädagogik finden nun aber auch zunehmend Uni-Absolventen der Erziehungswissenschaft und verwandter Studiengänge den Weg in Kita und Kindergarten. Ihre Einkommens- und Karrierechancen sind dort allerdings nach wie vor begrenzt.

Bei welchen Trägern verdient ein Erzieher am besten?

Das Gehalt von Erziehern in Kindertageseinrichtungen hängt in erster Linie vom Träger ab. Etwa ein Drittel der Erzieher ist bei einem öffentlichen Träger angestellt und wird somit nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) entlohnt. Bei den übrigen zwei Dritteln ist die Höhe des Verdienstes davon abhängig, ob ihr Arbeitgeber Mitglied eines kommunalen Arbeitgeberverbandes ist, für den auch direkt die Tarifbindung gilt. Ein Großteil der kirchlichen Einrichtungen, der Wohlfahrtsverbände wie Caritas oder Diakonie und der sonstigen freien Träger hat jedoch Entgeltregelungen gefunden, die an die Strukturen des Tarifvertrags angelehnt sind.

Dennoch weist das Einkommen im Erziehungsbereich häufig eine große Bandbreite auf, die bereits beim Einstiegsgehalt deutlich wird: Im Jahr 2013 verdiente ein Erzieher, der beim Träger CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschland) angestellt war, beim Start in den Beruf 22.695,94 Euro brutto pro Jahr. Bei der Diakonie Bayern hingegen erhielt man für den gleichen Posten 31.907,20 Euro. Zum Vergleich: Die Werte aus dem Tarifvertrag lagen zu dem Zeitpunkt bei 30.230,63 Euro (West) bzw. 29.606,60 Euro (Ost). Es zahlt sich für Erzieher also aus, sich schon vor der Bewerbung das Entlohnungssystem des Trägers anzusehen.

Wie stark bestimmt die Position das Gehalt von Erziehern?

Ein erweiterter Aufgabenbereich, Leitungsfunktionen und auch die Größe der Einrichtung beeinflussen das Gehalt von Erziehern. Der Tarifvertrag sieht folgende Eingruppierung vor:

Tarifgehälter für Erzieherberufe
Aufgabenart Tarifgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe 6
Quelle: Entgelttabelle der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tabelle: academics.de
Kinderpfleger S 3 2.205,83 € 2.476,93 € 2.634,10 € 2.778,42 € 2.844,45 € 2.923,32 €
Kinderpfleger mit schwieriger Tätigkeit S 4 2.369,42 € 2.632,35 € 2.795,96 € 2.906,97 € 3.012,14 € 3.175,99 €
Erzieher S 8a 2.578,24 € 2.829,77 € 3.028,90 € 3.217,56 € 3.400,97 € 3.592,24 €
Erzieher mit schw. Tätigkeit S 8b 2.599,20 € 2.892,66 € 3.123,23 € 3.458,61 € 3.773,03 € 4.014,09 €
Heilpädagoge, koordinierender Erzieher, Kita-Leiter S 9 2.599,20 € 2.892,66 € 3.123,23 € 3.458,61 € 3.773,03 € 4.014,09 €
Sozialarbeiter S 11b 2.845,81 € 3.196,36 € 3.349,24 € 3.734,39 € 4.035,30 € 4.215,84 €
Sozialarbeiter mit schw. Tätigkeit S 12 2.950,34 € 3.242,48 € 3.529,13 € 3.781,88 € 4.094,83 € 4.227,23 €
Kita-Leiter (ab 40 Plätze) S 13 3.017,97 € 3.251,68 € 3.550,65 € 3.791,35 € 4.092,27 € 4.242,71 €
Kita-Leiter (ab 70 Plätze) S 15 3.053,02 € 3.370,09 € 3.610,85 € 3.887,67 € 4.333,00 € 4.525,56 €
Kita-Leiter (ab 100 Plätze) S 16 3.169,89 € 3.502,52 € 3.767,30 € 4.092,27 € 4.453,35 € 4.670,01 €
Kita-Leiter (ab 130 Plätze) S 17 3.251,68 € 3.580,74 € 3.971,91 € 4.212,65 € 4.694,07 € 4.976,93 €
Kita-Leiter (ab 180 Plätze) S 18 3.610,85 € 3.731,18 € 4.212,65 € 4.573,72 € 5.115,35 € 5.446,34 €

Wie wirkt sich ein Universitätsabschluss auf das Gehalt von Erziehern aus?

Laut dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung besaßen 2014 etwa fünf Prozent aller Mitarbeiter in der Kindertagesbetreuung einen fachrelevanten Hochschulabschluss. Über die Hälfte von ihnen hat Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit studiert, etwa 24 Prozent verfügen über einen Bachelor- oder Mastergrad in Erziehungswissenschaften. Der übrige Anteil verteilt sich auf die Studienfächer Heilpädagogik und Kindheitspädagogik. In erster Linie sind diese Absolventen in Leitungspositionen tätig, die entweder vollständig oder anteilig von anderen Aufgaben wie etwa der direkten Arbeit mit Kindern freigestellt sind.

Auf dem Gehaltszettel wirkt sich ein Hochschulabschluss allerdings laut einer Studie der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) aus dem Jahr 2012 kaum aus. Die Autoren der Studie resümierten, dass sich der Verdienst von Absolventen des Studiengangs Kindheitspädagogik bloß unwesentlich von dem Einkommen der Erzieher ohne Hochschulabschluss unterscheidet. Hinzu kommt, dass nur die Hälfte aller Personen, die nach der Uni in der Kinderbetreuung in den Beruf starten, dieses Feld auch als ihren Wunscharbeitsbereich bezeichnen. Dieses Arbeitsgebiet stellt vielmehr einen durch den Fachkräftemangel bedingten einfachen Berufseinstieg dar.

Was verdient ein Erziehungswissenschaftler?

Abgesehen von der Arbeit in einer Kindertageseinrichtung eröffnet ein Abschluss in Erziehungswissenschaften zahlreiche Berufsfelder. Die Bandbreite reicht von Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Medien- und Sonderpädagogik bis hin zu Bildungs- und Entwicklungsforschung.

Sowohl der Bachelor of Arts als auch der Master of Arts im Bereich Pädagogik liegen bei den Einstiegsverdiensten am unteren Ende der Gehaltsskala, wie das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) 2016 aufzeigte. So verdiente ein Bachelorabsolvent der Pädagogik im Schnitt 18.600 Euro - und damit 3.600 Euro mehr als jemand mit einem Bachelorabschluss in den Geisteswissenschaften, aber 9.000 Euro weniger als Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiums.

Das Karriereportal StepStone ermittelte in seinem Gehaltsreport 2016 mit 33.200 Euro zwar ein deutlich höheres durchschnittliches Bruttojahresgehalt für Berufseinsteiger mit einem Abschluss in Erziehungswissenschaften. Allerdings liegen sie damit im Vergleich zu Absolventen anderer Fachrichtungen dennoch an drittletzter Stelle. Insgesamt verdienen sie etwa 15.000 Euro weniger als diejenigen, die nach einem naturwissenschaftlichen Studium in die Arbeitswelt eintreten.

Was verdienen Erziehungswissenschaftler im öffentlichen Dienst?

Wer als Erziehungswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik eine Stelle im öffentlichen Dienst, zum Beispiel als Sozialarbeiter, annimmt, wird in die Entgeltgruppen S 11b oder S 12 (siehe Tabelle oben) eingeordnet und erhält zu Beginn seiner Laufbahn ein monatliches Bruttoeinkommen von 2.845,81 bzw. 2.950,34 Euro.

Ganz ähnlich wie für Erzieher mit Universitätsabschluss stellt sich die Situation auch für Erziehungswissenschaftler dar, die im sozialen Bereich arbeiten: Die Unterschiede in der Höhe des Einkommens können zwischen einzelnen Trägern erheblich ausfallen, und ein Studium führt nicht automatisch zu einem deutlichen Plus auf dem Gehaltszettel.

Was verdienen Erziehungswissenschaftler in der Wissenschaft?

Wer nach dem Abschluss an der Universität bleiben und im Bereich Pädagogik forschen möchte, für den führt der Weg vom Bachelor- und Mastergrad über die wissenschaftliche Mitarbeit und Promotion bis hin zu einer möglichen Professur.

Auf den Abschluss in Erziehungswissenschaften folgt zunächst eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter, die in der Regel nach Tarifverträgen vergütet wird. Eine genaue Darstellung der Gehälter finden Sie im Artikel über das Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern. Was ein Professor der Erziehungswissenschaft verdient, ist durch die Bundesländer geregelt. Mehr dazu finden Sie im Artikel über das Gehalt von Professoren.

Zusätzlich haben Erziehungswissenschaftler noch die Möglichkeit, als Dozent oder als Forschungsreferent zu arbeiten. Folgende Artikel gehen genauer auf diese Arbeitsbereiche ein:

academics :: Juli 2017