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Es wird eng und enger - Der Stellenmarkt für Professuren im Jahr 2013

von ANGELIKA WIRTH

Wie hat sich der Berufungsmarkt für Hochschullehrer in jüngster Zeit entwickelt? Wie können Trends zu beruflichen Perspektiven von Nachwuchswissenschaftlern festgestellt werden? Nach wie vor ist die Datenlage zur Arbeitsmarkt-Situation von Hochschullehrern relativ unzureichend. Vor diesem Hintergrund kommt der Betrachtung von Ausschreibungen freier Professuren eine besondere Bedeutung zu. Diese und andere Indikatoren, wie die Entwicklung des Professorenbestands oder der Habilitationszahlen, geben Hinweise auf strukturelle Entwicklungen.

Es wird eng und enger - Der Stellenmarkt für Professuren im Jahr 2013© Daniel Ernst - Fotolia.comWie hat sich der Stellenmarkt für Professoren in den vergangenen Jahren entwickelt und welche Schlüsse lassen sich über die Perspektiven treffen?
Mit der vorliegenden Untersuchung des Stellenmarktes für Professuren im Jahr 2013 liegen aktuelle Daten einer Untersuchungsreihe vor, die seit 1999 in unregelmäßigen Abständen und seit 2009 im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt wird. Analysiert wurde die Anzahl der vakanten Professuren an Universitäten unter Zugrundelegung des Ausschreibungsdienstes des Deutschen Hochschulverbandes. Diese und weitere für die Einschätzung von Berufungschancen erhebliche Daten (wie z.B. die Entwicklung der Professoren- oder Habilitationszahlen), die ebenfalls beleuchtet werden, enthalten fächerspezifische Hinweise zu Chancen und Risiken des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Ausschreibungen

Insgesamt hat die Anzahl ausgeschriebener Universitätsprofessuren 2013 im Vergleich zu den vorherigen Berichtsjahren merklich abgenommen (Tabelle 1). Im Gegensatz zum Jahr 2009, das mit einer Rekordzahl von 1.856 Vakanzen im Zeichen der Exzellenzinitiative stand und noch von einem vermehrten Anteil altersbedingt ausscheidender Professoren gekennzeichnet war, belief sich die Zahl im Jahr 2013 nur noch auf 1.417 Stellen und stand damit an zweitletzter Stelle aller Berichtsjahre seit 1999.

Wie verteilten sich die Vakanzen auf die Fächer? Ein einheitliches Bild ergab sich bei der Entwicklung der Ausschreibungszahlen seit 1999 in keinem Fach. Vielfach zeigten sich größere Schwankungen in den einzelnen Disziplinen, d.h. Fächer, die in einem Jahr einen Aufschwung erlebten, hatten einige Zeit später wieder mit Marktsättigungstendenzen zu kämpfen. Dies macht auch Prognosen hinsichtlich zukünftiger Chancen auf dem Arbeitsmarkt schwierig.

Waren zwischen 2009 und 2011 vor allem in den Disziplinen Pädagogik, Wirtschaftswissenschaften und Humanmedizin 2009 überproportional viele Stellen ausgeschrieben, wurden im Berichtsjahr 2013 die Karten neu gemischt. Pädagogik und Wirtschaftswissenschaften büßten im Vergleich zum vorherigen Berichtsjahr mehr als 30 Prozent ein, in der Humanmedizin waren es fast 22 Prozent. Auch die - allerdings wesentlich kleinere - Fächergruppe Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften verlor mehr als ein Drittel an freien Stellen im Gegensatz zum vorherigen Berichtsjahr, und die Disziplinen Physik/Astronomie sowie Philosophie büßten mehr als ein Viertel ein. Dagegen legten vor allem Biologie, die Sozialwissenschaften sowie die Geowissenschaften mit rund einem Drittel mehr Stellen erheblich zu. Auf ein Plus von etwa 20 Prozent kamen die Kunst- und Kulturwissenschaften, Rechtswissenschaften und Psychologie. Die jeweils größten Zu- und Abnahmen waren in den kleinsten Fächern (Pharmazie - 62,5 Prozent, Veterinärmedizin + 75,0 Prozent) zu verzeichnen. Da aufgrund geringer Masse bereit kleinere Fluktuationen relativ hohe prozentuale Abweichungen zur Folge haben, sind allerdings in diesen Fällen die Daten weniger aussagekräftig.

Tabelle 1: Ausschreibungen von Universitätsprofessuren*
Fächergruppe / Fachbereich 1999 2002 2003 2004 2005 2009 2011 2013 Bewegung 2011-2013 absolut Bewegung 2011-2013 in %
* C4-, C3-, W3- und W2-Professuren an Universitäten (incl. Pädagogische Hochschulen und Theologische Hochschulen)
Quelle: Ausschreibungsdienst des Deutschen Hochschulverbandes
Agrar-, Forst- und Ernährungs-
wissenschaften
22 27 31 21 13 33 35 23 -12 -34,3
Biologie 68 82 67 52 78 78 62 83 21 33,9
Chemie 55 75 77 83 92 70 49 56 7 14,3
Geographie, Geo-
wissenschaften
34 45 52 46 58 44 26 34 8 30,8
Geschichte 32 48 39 39 40 55 31 32 1 3,2
Humanmedizin / Gesundheits-
wissenschaften
249 256 293 252 299 343 308 241 -67 -21,8
Informatik 63 109 78 79 78 61 60 60 0 0,0
Ingenieur-
wissenschaften
162 166 137 136 148 167 134 140 6 4,5
Kunst- und Kultur-
wissenschaften / Sport
82 90 95 89 113 121 101 123 22 21,8
Mathematik 55 73 68 80 73 90 91 79 -12 -13,2
Pädagogik
(incl. Sonderpädagogik)
44 78 64 65 69 101 102 63 -39 -38,2
Pharmazie 16 10 7 10 8 11 8 3 -5 -62,5
Philosophie 16 23 24 15 13 23 15 11 -4 -26,7
Physik, Astronomie 58 80 85 81 99 81 60 43 -17 -28,3
Politik-
wissenschaften
17 22 12 21 24 31 26 21 -5 -19,2
Psychologie 27 30 30 36 39 65 40 48 8 20,0
Rechts-
wissenschaften
63 83 58 68 71 82 59 71 12 20,3
Sozialwesen, Sozial-
wissenschaften
27 25 46 21 45 53 47 62 15 31,9
Sprach- und Literatur-
wissenschaften
79 118 111 105 116 131 93 76 -17 -18,3
Theologie 43 47 40 32 41 36 28 31 3 10,7
Veterinärmedizin 12 16 4 9 9 7 4 7 3 75,0
Wirtschafts-
wissenschaften
98 112 104 107 98 173 159 110 -49 -30,8
Insgesamt 1.322 1.615 1.522 1.447 1.624 1.856 1.538 1.417 -121 -7,9

Es wird eng und enger - Der Stellenmarkt für Professuren im Jahr 2013 © Statistisches Bundesamt, FS 11, R. 4.4 Grafik 1: Hauptberufliche Professoren ohne Juniorprofessoren (C4, C3, C2, W3, W2) 1999 bis 2013 an Universitäten (incl. Pädagogische Hochschulen und Theologische Hochschulen)

Professurenzahlen

Aufgrund der uneinheitlichen Entwicklung bei den Ausschreibungen empfiehlt sich ein Blick auf weitere für den Stellenmarkt relevante Einflussfaktoren. Wie stand es um die Entwicklung der Professurenzahlen in den letzten Jahren?

Im Vergleich zu den sinkenden Ausschreibungszahlen legte 2013 der Professorenbestand an den Universitäten (incl. Pädagogischen Hochschulen und Theologischen Hochschulen) weiter zu (Grafik 1). Dieser Entwicklungstrend war bereits seit einigen Jahren Zeit zu beobachten. Nachdem die Professurenzahlen zwischen 1999 und 2006 stark gesunken waren, kletterten sie ab 2007 in die Höhe. Während also der Kulminationspunkt bei den Ausschreibungen im Jahr 2009 lag, war der Aufwärtstrend bei den Professuren (durch den Fächerausbau und bedingt durch die zeitlich nachgelagerten Stellenbesetzungen) auch in den darauffolgenden Jahren noch stark sichtbar.

Auch fächerspezifisch zeichnete sich ein Aufwärtstrend bei den Professurenzahlen ab (Tabelle 2). Allerdings ist hier darauf hinzuweisen, dass seit 2002 von seiten des Statistischen Bundesamtes auch die Juniorprofessuren bei den Professurenzahlen mit erfasst werden. Allein für das Jahr 2013 müssen daher 1.597 Juniorprofessuren abgezogen werden. Im Vergleich zum Berichtsjahr 2011 waren 2013 kaum Rückgänge zu verzeichnen, lediglich die Theologie und Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften wiesen ein geringes Minus auf. Die größten Zunahmen erfolgten in den Fächern Philosophie mit mehr als 10 Prozent und Psychologie (fast 9 Prozent).

Tabelle 2: Hauptberufliche Professoren*
Fächergruppe / Fachbereich 1999 2002 2003 2004 2005 2009 2011 2013 Bewegung 2011-2013 absolut Bewegung 2011-2013 in %
n.e. = nicht ermittelbar (Zahlen nicht vorhanden oder unter Datenschutz).
* an Universitäten (incl. Pädagogische Hochschulen und Theologische Hochschulen). Ab 2002 incl. Juniorprofessoren. Nicht berücksichtigt: Bereiche, die keinem bestimmten Fach zugeordnet werden können (z.B. Zentrale Einrichtungen).
Quelle: Statistisches Bundesamt, FS 11, R. 4.4
Agrar-, Forst- und Ernährungs-
wissenschaften
542 531 540 533 472 435 455 452 -3 -0,7
Biologie 987 953 970 956 966 992 1.069 1.103 34 3,2
Chemie 951 907 919 925 895 916 967 1.005 38 3,9
Geographie, Geo-
wissenschaften
773 739 729 708 698 n.e. n.e. 741 n.e. n.e.
Geschichte 657 662 670 652 623 n.e. 733 751 18 2,5
Humanmedizin / Gesundheits-
wissenschaften
3.260 3.139 3.178 3.239 3.114 3.015 3.250 3.329 79 2,4
Informatik 601 739 782 838 860 944 992 1.021 29 2,9
Ingenieur-
wissenschaften
2.620 2.439 2.367 2.538 2.318 2.332 2.481 2.537 56 2,3
Kunst- und Kultur-
wissenschaften / Sport
1.271 1.234 1.281 1.297 1.292 n.e. 1.408 n.e. n.e. n.e.
Mathematik 1.187 1.162 1.158 1.152 1.114 1.138 1.197 n.e. n.e. n.e.
Pädagogik
(incl. Sonderpädagogik)
948 846 848 795 772 791 867 891 24 2,8
Pharmazie 148 169 163 166 168 163 n.e. n.e. n.e. n.e.
Philosophie 302 297 298 320 300 332 339 375 36 10,6
Physik, Astronomie 1.191 1.147 1.125 1.111 1.092 1.164 1.239 1.284 45 3,6
Politik-
wissenschaften
281 284 313 319 310 305 328 350 22 6,7
Psychologie 531 552 552 559 577 545 575 626 51 8,9
Rechts-
wissenschaften
904 892 903 922 917 944 964 993 29 3,0
Sozialwesen, Sozial-
wissenschaften
508 527 504 509 518 n.e. 529 563 34 6,4
Sprach- und Literatur-
wissenschaften
1.748 1.704 1.637 1.647 1.607 1.678 1.753 n.e. n.e. n.e.
Theologie 754 706 686 686 658 658 669 660 -9 -1,3
Veterinärmedizin 180 179 183 179 179 n.e. n.e. n.e. n.e. n.e.
Wirtschafts-
wissenschaften
1.389 1.474 1.432 1.420 1.450 1.660 n.e. n.e. n.e. n.e.

Aus Altersgründen ausscheidende Professoren

In diesem Zusammenhang stellt die Anzahl der jährlich aus Altersgründen ausscheidenden Professoren eine weitere wichtige Größe bei der Untersuchung des Stellenmarktes dar (Tabelle 3). Während in der ersten Dekade dieses Jahrtausends jährlich etwa 1.000 Professoren aus Altersgründen ausschieden und dadurch vermehrt Stellen freimachten (die Altersausscheidensquoten lagen zwischen 4,1 Prozent und 5,0 Prozent), rutschten die Zahlen zwischen 2010 und 2012 auf unter 600 pro Jahr und schmälerten damit die Chancen auf eine freie Professur (Quoten von 2,4 Prozent bis 2,6 Prozent). Erst 2013 war mit 635 aus Altersgründen ausscheidenden Professoren wieder eine leichte Veränderung der Situation zu beobachten, was sich in der Quote allerdings nur minimal bemerkbar macht.

Prospektiv wird die Anzahl der jährlich aus Altersgründen ausscheidenden Professoren sukzessive weiter steigen und damit vermutlich wieder positivere Signale für den Stellenmarkt setzen. Nach den Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der aus Altersgründen ausscheidenden Professoren im Jahr 2023 bei 837 liegen. Damit dürften auch die Ausschreibungszahlen in den nächsten Jahren wieder in die Höhe gehen, solange nicht andere Faktoren wie Stellenkürzungen oder Fächerverlagerungen Einfluss nehmen.

Tabelle 3: Ausscheiden von Professoren aus Altersgründen
Hauptberufliche Professoren insgesamt* im Alter von 65 Jahren (vorauss.) ausscheidende Professoren*
* an Universitäten (incl. Pädagogische Hochschulen und Theologische Hochschulen) und Kunsthochschulen (ohne Juniorprofessoren).
Quelle: Statistisches Bundesamt, FS 11, R. 4.4
Anzahl im Jahr Anzahl im Jahr Quote
24.205 1999 799 1999 3,3%
23.980 2000 1.041 2000 4,3%
23.744 2001 982 2001 4,1%
23.637 2002 1.004 202 4,2%
23.430 2003 1.081 2003 4,6%
23.434 2004 1.073 2004 4,6%
22.858 2005 1.143 2005 5,0%
22.257 2006 1.043 2006 4,7%
22.794 2007 941 2007 4,1%
23.023 2008 1.039 2008 4,5%
22.988 2009 902 2009 3,9%
23.289 2010 594 2010 2,6%
23.914 2011 563 2011 2,4%
24.081 2012 597 2012 2,5%
24.496 2013 635 2013 2,6%
    673 2014  
    640 2015  
    670 2016  
    704 2017  
    786 2018  
    741 2019  
    813 2020  
    846 2021  
    865 2022  
    837 2023  

Es wird eng und enger - Der Stellenmarkt für Professuren im Jahr 2013 © Statistisches Bundesamt, FS 11, R. 4.4 Grafik 2: Habilitationen insgesamt (1999 bis 2013)

Neuhabilitierte, Nachwuchsgruppenleiter und Juniorprofessoren

Wie stellt sich die Situation auf der Bewerberseite dar? Insgesamt schlossen 2013 1.567 Wissenschaftler ihre Habilitation ab, im Gegensatz zum Beginn der 2000er Jahre ein deutlicher Rückgang (Grafik 2).

Mehr als die Hälfte aller Habilitationen erfolgte in der Humanmedizin, was auf die Größe dieser Fächergruppe und den traditionell hohen Stellenwert dieser Qualifikation für diese Disziplin zurückzuführen ist. In der Fächergruppe Sozialwissenschaften/Sozialwesen verdoppelte sich die Anzahl der Habilitationen gegenüber 2011. Weitere signifikante Zunahmen waren in den Bereichen Rechtswissenschaften, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sowie in Physik/Astronomie zu verzeichnen. Allerdings waren in diesen Fächergruppen 2011 die Zahlen so stark gesunken, dass hier eher von einem Erholungseffekt gesprochen werden kann. Einen besonders starken Rückgang bei den Habilitationen gab es in den Bereichen Pädagogik, Biologie und Mathematik.

Die seit 2005 zurückgehenden Habilitationszahlen bedeuten jedoch nicht, dass weniger Nachwuchswissenschaftler auf den Markt strömen. Sie ist vielmehr Ausdruck eines stärkeren Einflusses alternativer Karrierewege. Die Anzahl außeruniversitärer Nachwuchsgruppen und die Zahl der Juniorprofessoren nahmen in den letzten Jahren deutlich zu.

Wie sieht das konkret aus? Ein Vergleich im Abstand von fünf Jahren zeigt, wie sich in diesen Bereichen die Zahlen entwickelten: Während nach Angaben der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz ("Pakt für Forschung und Innovation: Monitoring-Bericht 2015") die Anzahl der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Emmy-Noether-Gruppen im Jahr 2009 noch bei 194 lag, waren es 2013 bereits 325. Im gleichen Zeitraum wuchsen die selbstständigen Nachwuchsgruppen in den Forschungsorganisationen von 400 auf 530. Auch die Zahl der Juniorprofessuren nahm laut Statistischem Bundesamt kräftig zu (von 994 auf 1.597).

Stellt man zusammenfassend die auf unterschiedliche Weise qualifizierten Nachwuchswissenschaftler der Zahl der im jeweiligen Jahr aus Altersgründen ausgeschiedenen Professoren gegenüber - unter Vernachlässigung des Umstandes, dass nicht jede aus Altersgründen freiwerdende Professur auch automatisch neu besetzt wird - kamen 2009 auf eine Professur fast vier qualifizierte Nachwuchswissenschaftler, 2013 waren es sechs (Tabelle 5). Die Konkurrenzsituation für berufungsfähige Nachwuchswissenschaftler ist somit deutlich ausgeprägter. Dabei ist auch zu bedenken, dass auf jede freiwerdende Professur zusätzlich Bewerber aus dem Ausland, je nach Fach Bewerber aus der Industrie, auf andere Weise Qualifizierte und die in den Vorjahren nicht zum Zuge gekommenen Bewerber hinzu zu addieren sind. Schätzungen gehen davon aus, dass auf jede ausgeschriebene Universitätsprofessur über 40 Bewerbungen von formal und inhaltlich qualifizierten Wissenschaftlern eingehen.

Tabelle 4: Habilitationen (fachspezifisch)
Fächergruppe / Fachbereich 1999 2002 2003 2004 2005 2009 2011 2013 Bewegung 2011-2013 absolut Bewegung 2011-2013 in %
Quelle: Statistisches Bundesamt, FS 11, R. 4.4
Agrar-, Forst- und Ernährungs-
wissenschaften
45 37 35 33 43 21 15 24 9 60,0
Biologie 126 131 109 105 90 72 70 50 -20 -28,6
Chemie 74 80 88 74 53 50 34 32 -2 -5,9
Geographie, Geo-
wissenschaften
76 64 61 73 38 50 40 32 -8 -20,0
Geschichte 54 93 70 87 61 49 43 54 11 25,6
Humanmedizin / Gesundheits-
wissenschaften
625 849 873 910 856 816 799 789 -10 -1,3
Informatik 56 51 40 29 35 44 21 27 6 28,6
Ingenieur-
wissenschaften
64 92 79 84 82 66 65 68 3 4,6
Kunst- und Kultur-
wissenschaften / Sport
70 92 86 105 67 68 52 39 -13 -25,0
Mathematik 85 70 57 72 62 48 43 31 -12 -27,9
Pädagogik
(incl. Sonderpädagogik)
33 43 37 36 43 29 24 15 -9 -37,5
Pharmazie 14 14 8 15 4 7 9 10 1 11,1
Philosophie 34 45 46 40 28 31 26 20 -6 -23,1
Physik, Astronomie 129 142 110 106 86 63 38 60 22 57,9
Politik-
wissenschaften
31 37 26 28 27 26 17 21 4 23,5
Psychologie 49 50 52 61 56 42 41 61 20 48,8
Rechts-
wissenschaften
55 73 67 67 64 45 28 45 17 60,7
Sozialwesen, Sozial-
wissenschaften
38 29 54 47 44 26 12 24 12 100,0
Sprach- und Literatur-
wissenschaften
110 147 140 119 106 117 80 66 -14 -17,5
Theologie 53 43 51 68 49 42 33 32 -1 -3,0
Veterinärmedizin 16 29 21 21 14 20 14 15 1 7,1
Wirtschafts-
wissenschaften
<83/td> 84 94 98 85 81 52 47 -5 -9,6

Tabelle 5: Verhältnis altersbedingt ausscheidender Professoren zu Nachwuchswissenschaftlern
2009 2013
* an Universitäten und Kunsthochschulen
Quelle: Statistisches Bundesamt FS 11, R 4.4, GWK-Monitoring-Bericht 2015
Altersbedingt ausscheidende Professoren* 902 635
Wissenschaftlicher Nachwuchs
davon:
Habilitationen 1.820 1.567
Juniorprofessoren* 994 1.597
Nachwuchsgruppen 594 855
zusammen 3.408 4-019
Verhätnis 3,8 6,3

Ausschreibungsquoten

Um weitere Aussagen zur Angebots- und Nachfragesituation zu treffen, werden Ausschreibungsquoten ermittelt. Die Ausschreibungsquoten beschreiben das Verhältnis zwischen der Zahl der Vakanzen und der Professorenzahlen insgesamt, und lassen damit - zumindest tendenziell - Schlüsse auf die Entwicklung des Marktes zu. Sie dürfen allerdings nicht überinterpretiert werden. Denn nicht jeder bereits Berufene bewirbt sich auf eine Professur. Darüber hinaus bleiben andere potentielle Bewerber (Nachwuchswissenschaftler, Bewerber aus der Industrie oder dem Ausland etc.) in der Statistik unberücksichtigt.

Eine weitere Einschränkung: Bei großen Fächergruppen sind die Quoten aussagekräftiger als bei kleineren. Zudem zieht eine Abnahme der Professurenzahlen die Ausschreibungsquote automatisch nach oben, d.h. eine hohe Quote kann nicht zwangsläufig als positives Signal gewertet werden. Vor diesem Hintergrund sind die Ausschreibungsquoten zwar ein wichtiger Parameter für die Betrachtung des Stellenmarktes, sollten jedoch ebensowenig isoliert betrachtet werden wie die anderen bereits erwähnten messbaren Indikatoren wie Altersstruktur der Professoren, Habilitationen etc.

Wie Tabelle 6 zeigt, fiel die durchschnittliche Ausschreibungsquote im Jahr 2013 auf den niedrigsten Stand seit 1999. Sie lag nur noch bei 5,8 Prozent und verringerte sich damit merklich gegenüber dem vorherigen Berichtsjahr 2011, in dem die Quote bei 6,6 Prozent lag. Noch deutlicher wird das Gefälle im Vergleich mit dem Rekordjahr 2009: Hier lag die Quote bei 8,4 Prozent, womit rein statistisch gesehen 12 Professoren auf eine Vakanz entfielen. 2013 waren es 17 Professoren - die Berufungschancen somit insgesamt weniger gut.

Im Hinblick auf die fächerspezifische Situation muss zunächst darauf hingewiesen werden, dass 2013 in sechs Fällen keine Ausschreibungsquoten ermittelbar waren, da die entsprechenden Professurendaten fehlen. Dies ist insofern bedauerlich als es sich meistenteils um größere Fächergruppen (Sprach- und Literaturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften) handelt. Die höchste Quote, die für das Jahr 2013 notiert werden konnte, belegte mit 11 Prozent die Fächergruppe Sozialwissenschaften. Hier korreliert die Quote mit dem Zuwachs bei Ausschreibungs-, Professoren- und Habilitationszahlen und lässt auf eine positive Entwicklung schließen. Auf Platz 2 folgte das Fach Psychologie, das bereits in den vorherigen beiden Berichtsjahren überdurchschnittlich abgeschnitten hatte und 2013 einhergehend mit einer Zunahme bei den Professoren eine Ausschreibungsquote von 7,7 Prozent aufwies. Dahinter rangierten das Fach Biologie mit 7,5 Prozent, das wiederum in den beiden Berichtsjahren nur unterdurchschnittlich platziert war, sowie auf Platz 4 die größte Fächergruppe Humanmedizin (7,2 Prozent). Die Medizin konnte in allen Berichtsjahren eine überdurchschnittliche Quote aufweisen.

Im Mittelfeld bewegten sich die Informatik, Politikwissenschaften, Chemie und Ingenieurwissenschaften. In der Informatik blieben die Ausschreibungszahlen in Vergleich zu den vorherigen beiden Berichtsjahren konstant, während die Professurenzahlen stiegen. In den anderen genannten Disziplinen waren die Ausschreibungszahlen bei ebenfalls gestiegenen Professurenzahlen volatil bzw. sinkend (Politikwissenschaften). Den letzten Platz der Rangskala belegte Philosophie mit einer Ausschreibungsquote von 2,9 Prozent. Bereits seit dem Berichtsjahr 2004 waren hier nur unterdurchschnittliche Ausschreibungsquoten zu verzeichnen, wobei allerdings die seit dem Berichtsjahr 2009 zu beobachtende Zunahme der Professurenzahlen zu beachten ist, die die Ausschreibungsquoten nach unten senkte.

Auch die Physik/Astronomie war nur mit einer schwachen Quote von 3,3 Prozent vertreten. Nachdem diese Disziplin (wie auch andere naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie oder Biologie) im Berichtsjahr 2005 überdurchschnittlich abgeschnitten hatte, ging es in den darauffolgenden Berichtsjahren kontinuierlich bergab. Im genannten Zeitraum hatten sich die Ausschreibungszahlen mehr als halbiert, während die Zahl der Professuren beträchtlich gestiegen war. Kamen 2005 11 Professuren auf eine freie Stelle, waren es 2013 30, also fast das Dreifache.

Tabelle 6: Ausschreibungsquoten (Verhältnis Ausschreibungen zum Professuren bestand) 1999 bis 2013
Fächergruppe / Fachbereich 1999 2002 2003 2004 2005 2009 2011 2013
n.e. = nicht ermittelbar (Zahlen nicht vorhanden oder unter Datenschutz)
*auf Basis der Gesamtprofessuren (ab 2002 incl. Juniorprofessuren) an Universitäten (incl. Pädagogische Hochschulen und Theologische Hochschulen).
Agrar-, Forst- und Ernährungs-
wissenschaften
4,1% 5,1% 5,7% 3,9% 2,8% 7,6% 7,7% 5,1%
Biologie 6,9% 8,6% 6,9% 5,4% 8,1% 7,9% 5,8% 7,5%
Chemie 5,8% 8,3% 8,4% 9,0% 10,3% 7,6% 5,1% 5,6%
Geographie, Geo-
wissenschaften
4,4% 6,1% 7,1% 6,5% 8,3% n.e. n.e. 4,6%
Geschichte 4,9% 7,3% 7,0% 6,0% 6,4% n.e. 4,2% 4,3%
Humanmedizin / Gesundheits-
wissenschaften
7,6% 8,2% 9,2% 7,8% 9,6% 11,4% 9,5% 7,2%
Informatik 10,5% 14,7% 10,0% 9,4% 9,1% 6,5% 6,0% 5,9%
Ingenieur-
wissenschaften
6,2% 6,8% 5,8% 5,8% 6,4% 7,2% 5,4% 5,5%
Kunst- und Kultur-
wissenschaften / Sport
6,5% 7,3% 7,4% 6,9% 8,7% n.e. 7,2% n.e.
Mathematik 4,6% 6,3% 5,9% 6,9% 6,6% 7,9% 7,6% n.e.
Pädagogik
(incl. Sonderpädagogik)
4,6% 9,2% 7,5% 8,2% 8,9% 12,8% 11,8% 7,1%
Pharmazie 10,8% 5,9% 4,3% 6,0% 4,8% 6,7% n.e. n.e.
Philosophie 5,3% 7,7% 8,1% 4,7% 4,3% 6,9% 4,4% 2,9%
Physik, Astronomie 4,9% 7,0% 7,6% 7,3% 9,1% 7,0% 4,8% 3,3%
Politik-
wissenschaften
6,0% 7,7% 3,8% 6,6% 7,7% 10,2% 7,9% 6,0%
Psychologie 5,1% 5,4% 5,4% 6,4% 6,8% 11,9% 7,0% 7,7%
Rechts-
wissenschaften
7,0% 9,3% 6,4% 7,4% 7,7% 8,7% 6,1% 7,2%
Sozialwesen, Sozial-
wissenschaften
5,3% 4,7% 9,1% 4,1% 8,7% n.e. 8,9% 11,0%
Sprach- und Literatur-
wissenschaften
4,5% 7,5% 7,3% 6,4% 6,7% 7,8% 5,3% n.e.
Theologie 5,7% 6,7% 5,8% 4,7% 6,2% 5,5% 4,2% 4,7%
Veterinärmedizin 6,7% 8,9% 2,2% 5,0% 5,0% n.e. n.e. n.e.
Wirtschafts-
wissenschaften
7,1% 7,6% 7,3% 7,5% 6,8% 10,4% n.e. n.e.
Durchschnitt* 6,0% 7,5% 7,0% 6,7% 7,6% 8,4% 6,6% 5,8%

Fazit

Viele Entwicklungen auf dem akademischen Arbeitsmarkt sind nur mit Mühe nachzeichenbar; Prognosen noch schwieriger. Die bereits in der Stellenmarkt-Auswertung für das Berichtsjahr 2011 geäußerte Vermutung, dass sich die Zahl der ausgeschriebenen Universitätsprofessuren auch in späteren Berichtsjahren weiter reduzieren könnten, hat sich allerdings bestätigt. In Zeiten geringerer Altersausscheidensquoten ergeben sich Blockadeeffekte für den Stellenmarkt.

Die Situation wird sich voraussichtlich erst wieder in etwa fünf Jahren leicht entspannen, wenn mehr Professoren altersbedingt ausscheiden. Allerdings haben andere Faktoren wie Stelleneinsparungen, Umwidmungen von Professuren oder die Dauer der Wiederbesetzung von Professuren einen unkalkulierbaren Einfluss auf den Stellenmarkt.

Umgekehrt bleibt die Hoffnung, dass sich durch eine politisch gewollte und finanzierte Erhöhung von Universitätsprofessuren die Lage verbessert (vgl. Wissenschaft als Beruf). Bei allen notwendigen Einschränkungen und Unsicherheiten im Einzelnen: Die Lage für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist zurzeit sichtlich angespannt.


Über die Autorin
Angelika Wirth, M.A., ist Mitglied der Geschäftsstelle des Deutschen Hochschulverbandes.

Aus Forschung & Lehre :: Dezember 2015

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