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Exzellent, aber nicht finanzierbar

Von Jan-Martin Wiarda

Die Sparwut trifft die Uni Lübeck: Sie soll ihr Medizinstudium abschaffen.

Exzellent, aber nicht finanzierbar© StudentenPACK - Universität LübeckAn der Uni Lübeck wird gegen die Abschaffung der Medizinischen Fakultät demonstriert
Das Sparpaket der Kieler Landesregierung hat in Schleswig-Holstein zu heftigen Protesten geführt. In Lübeck versammelten sich einige Hundert Studenten zu einer spontanen Kundgebung, die Lübecker Bürgerschaft kündigte an, eine Sondersitzung im Kieler Landeshaus abhalten zu wollen. Der Beschluss der Haushaltsstrukturkommission sieht vor, die Wirtschaftswissenschaften der Universität Flensburg sowie die Medizinische Fakultät der Universität zu Lübeck zu schließen. Damit wären zwei der bislang drei Universitäten im Bundesland faktisch ihren Status als Uni los.

Der Lübecker Uni-Präsident Peter Dominiak bezeichnete die Entscheidung als »mehr als nur nicht nachvollziehbar«. Während der Bundesgesundheitsminister vor einem Ärztemangel warne, setze das Land alles daran, diesen Mangel noch zu mehren. Der wirtschaftliche Schaden einer Schließung wäre darüber hinaus immens, sagte Dominiak: »Im Umfeld der Universität haben sich um die 50 Medizintechnik-Unternehmen angesiedelt, die 30 Prozent der lokalen Gewerbesteuer in unserer strukturschwachen Stadt einbringen.« Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) verteidigte die Pläne: Es würden zwei seit Jahren anstehende Umstrukturierungsmaßnahmen umgesetzt.

»Die Alternative wäre, an allen Hochschulen des Landes zu kürzen und sie gleichermaßen funktionsuntüchtig zu machen. Wir halten es für besser, zwei Stücke aus der Torte zu nehmen und dafür anderswo die Sahnehäubchen zu belassen.« Die Universität Kiel soll von den Einsparungen ausgenommen werden, um, so de Jagers Hoffnung, bei der Exzellenzinitiative punkten zu können.

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Zu dem Vorwurf Dominiaks, mit der Lübecker Medizin werde ausgerechnet eine Einrichtung geschlossen, die bereits bundesweit einen exzellenten Ruf genieße, sagte der Minister: »Wir schließen sie ja nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie nicht mehr finanzierbar ist.« Schleswig-Holstein biete im Schnitt aller Fächer 2,7 Prozent der deutschen Studienplätze an, doch ausgerechnet in der teuren Medizin seien es 4 Prozent. »Dieses Missverhältnis können wir uns nicht mehr leisten.« Bis Ende des Jahrzehnts sollen sich die Kürzungen in Lübeck auf jährlich 24 Millionen Euro summieren, in Flensburg auf etwa 1,7 Millionen. Ende des Jahres soll das Sparpaket im Landtag beschlossen werden.

Aus DIE ZEIT :: 02.06.2010

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