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Familienstand bei Bewerbungen angeben?

Familienstand bei Bewerbungen angeben?© José Luis Gutiérrez - iStockphoto.com

Inwieweit ist es angebracht, bei Bewerbungen z.B. auf Professuren den Familienstand anzugeben? Nach meinem Verständnis hat eine solche Angabe auf Bewerbungen nichts zu suchen, man findet sie jedoch immer wieder.

Ist es insbesondere für Frauen nicht vorteilhafter, sich als Individuum und nicht "mit Anhang" zu bewerben? Denn obwohl viele Universitäten auf den Zug der "familienfreundlichen Hochschule" aufgesprungen sind, musste ich in der Praxis doch immer wieder feststellen, dass die Realität alles andere als familienfreundlich organisiert ist und Müttern oft weniger zugetraut wird als anderen Bewerbern.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Selbstverständlich ist es nicht verpflichtend, bei Bewerbungen den Familienstand anzugeben. Unabhängig von der derzeit auch auf der politischen Ebene diskutierten Frage der besseren Chancengleichheit bei anonymisierten Bewerbungsverfahren ist aus unserer Perspektive zumindest im deutschen Hochschulraum festzustellen, dass regelmäßig bei der Vorstellung der eigenen Person neben der Darstellung des beruflichen und akademischen Werdeganges bei den eigentlichen "Kerndaten" wie Geburtsdatum und Ort etc. nach wie vor der Familienstand erwartet wird. Die Nichtangabe lässt sich allerdings auch nicht als großes Manko darlegen.

Ungeachtet dessen teilen wir nicht Ihre Auffassung, dass Müttern weniger zugetraut wird als allen anderen Bewerbern. Vielmehr ist in den vergangenen Jahren häufiger zu beobachten, dass von vielen Berufungskommissionen die doppelte oder gar dreifache Belastung von Müttern in der Wissenschaft honoriert wird. Auch Zeiten der Kinderbetreuung und sich hieraus möglicherweise ergebende reduzierte Publikationsziffern etc. werden mittlerweile dementsprechend eingeordnet und nicht negativ bewertet.
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