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FH-Professur ohne Promotion?

FH-Professur ohne Promotion?© Spauln - Fotolia.com

Ich bin 40 Jahre alt, Dipl. Ing., habe einen MBA (durch Zusatzqualifikation berufsbegleitend erworben), bin seit einigen Jahren berufstätig, auch in Führungspositionen im Bereich Entwicklung und Produktmanagement; aktuell leite ich die Prozessplanung bei einem international tätigen, großen mittelständischen Automobilzulieferer.

Für meine weitere berufliche Zukunft möchte ich mich nun in Richtung FH-Professur entwickeln, um hier meine umfangreichen Kenntnisse und Netzwerke aus der Wirtschaft praxisorientiert in der Lehre, aber auch der Forschung sinn- und gewinnbringend einzubringen.

Habe ich Möglichkeiten, und wenn ja welche, ohne Promotion diesen Berufsweg einzuschlagen? Welche Förderprogramme kann ich ggf. nutzen?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Es ist richtig, dass für eine Fachhochschulprofessur Ihre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft sehr wichtig ist. Hier müssen Sie besondere Leistungen bei der Anwendung und Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in einer mindestens fünfjährigen beruflichen Praxis, von der mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs ausgeübt worden sein müssen, vorweisen. Dies wäre ja, wie Sie schreiben, in jedem Fall bei Ihnen gegeben.

Natürlich ist es auch bei einer Professur an der Fachhochschule von großem Vorteil, wenn Sie sich auf die FH-Professur berufen wollen, wenn Sie durch den Nachweis der Promotion zeigen können, dass Sie wissenschaftlich qualifiziert sind.

Oft gibt es ja die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Promotion zusätzlich zur Beschäftigung in der Wirtschaft. Dies ist dann auch eine Finanzierungsmöglichkeit, die beruftstätige Frauen häufig realisieren. Hier kommt es natürlich vor allem auf Freiräume an, die Ihr Arbeitgeber Ihnen für die Promotion gewährt; zu denken ist hier an Reduzierungen und Flexibilisierungen Ihrer Arbeitszeit.

Weiterführende Auskünfte erhalten Sie z.B. über Thesis (ein interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte) unter www.thesis.de, die auch einen Leitfaden Promotion und einen Leitfaden FH-Professur herausgegeben haben.

Die wissenschaftliche Qualifikation wird in der Regel bei der FH-Professur durch die Qualität der Promotion nachgewiesen. Von der Promotion wird am ehesten in den Fächern abgesehen, wenn dort eine Promotion nicht üblich ist. Dagegen ist dies in Fächern mit hoher Promotionsquote selten bis nicht möglich hier Ausnahmen zu machen. Ohne Promotion besteht lediglich die Möglichkeit, dass Sie Ihre wissenschaftliche Qualifikation anderweitig eindeutig belegen können.

Dies ist z.B. denkbar durch Preise, Gutachten von Professoren über Ihre besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, einschlägige Veröffentlichungen oder das Vorliegen promotionsgleicher Leistungen. Eine Möglichkeit für die Hilfe zum Promotionsstipendium für Frauen mit qualifizierter Berufspraxis finden Sie unter dem Link www.fh-muenchen.de. Hier gibt es auch Stipendien von der Bayerischen Landeskonferenz der Frauenbeauftragten an Fachhochschulen unter
www.lakof-bayern.mwn.de.