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Student 2014 - Fördert die Bologna-Struktur die Entpolitisierung?

VON FELIX GRIGAT

Die gegenwärtige Studentengeneration wird als "Generation Ich" oder "Generation Privatleben" kritisiert. Ist diese Kritik haltbar? Ergebnisse einer aktuellen Studierendenumfrage.

Student 2014  -  Fördert die Bologna-Struktur die Entpolitisierung?© derdy - Fotolia.comStudenten streben nach beruflicher Qualifikation, Forschungsinteresse rückt in den Hintergrund
Immer weniger Studenten in Deutschland interessieren sich für Politik, insgesamt gibt es einen Trend zur politischen Passivität und Apathie.

Nur 20 Prozent interessieren sich ernsthaft für Wissenschaft und Forschung. Einem Drittel ist dies sogar eher oder gänzlich unwichtig. 45 Prozent nehmen die wissenschaftlichen Anforderungen eher passiv hin.

Das Studium gilt ihnen weniger als methodische, theoriegeleitete Ausbildung und als neugieriges, forschendes Lernen, sondern es dient mehr dem Erlangen einer Qualifikation und dem Erwerb von Employability, d.h. der Vorbereitung auf den Beruf zur Sicherung der eigenen Zukunft.

Die Studenten wünschen sich von den Universitäten vor allem mehr Praxisbezug.

Dadurch erklären sie die Hochschule zur bloßen "Lehranstalt" und sehen in ihr weniger eine "Forschungsstätte". Das sind einige der Ergebnisse des 12. Studierendensurveys, den die Universität Konstanz im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt hat. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, bereitet das politische Desinteresse der Studenten Sorgen: "Dieser Befund ist bedauerlich.

Gerade zum 25. Jahrestag des Mauerfalls möchte man eindringlich an die junge Generation appellieren, die politische Freiheit in unserem Land zu nutzen und gerade auch für die Belange von Studenten aktiv zu werden".

Die Frage, die bei diesen Hinweisen der Studie naheliegt, ist, ob das Verhalten und Nichtverhalten der Studenten mit dem Kern dessen zusammenhängt, was die Bolognareform bezweckte: Die Ausbildung und Employability für den Arbeitsmarkt. Ob nicht die Studierenden genau das nun tun, was die bildungspolitischen Reformer von ihnen seit über einem Jahrzehnt gefordert haben?
Einige signifikante Ergebnisse der Studie:

Student 2014 - Fördert die Bologna-Struktur die Entpolitisierung? © Forschung & Lehre Tabelle 1: Interesse der Studierenden am politischen Geschehen nach Hochschulart

Weniger Interesse an Politik

Zwischen 2001 und 2013 ist dem aktuellen Studierendensurvey der Universität Konstanz zufolge ein starker Rückgang des allgemeinen politischen Interesses von dreizehn Prozentpunkten festzustellen. Stuften damals noch 45 Prozent der Studierenden ihr Interesse an Politik als sehr stark ein, ist dieser Anteil bis 2013 auf 32 Prozent gefallen. Zwar erreiche das Interesse am politischen Geschehen höhere Werte als die Relevanz des Politischen als Lebensbereich, dafür sei aber der Rückgang noch größer.

Mit knapp einem Drittel politisch stark interessierter Studierender sei auch in dieser Hinsicht ein Tiefststand im betrachteten Zeitraum seit 1993 eingetreten (s. Tabelle 1). Dabei ist es bezeichnend, dass sich so wenige Studenten wie nie zuvor an dem Studierendensurvey beteiligt haben.

Im Wintersemester 2012/13 haben sich nur 18,6 Prozent (knapp 5.000) der zur Befragung aufgeforderten 27.200 Studenten beteiligt, 17,2 Prozent an Fachhochschulen und 19 Prozent an Universitäten. Dennoch kann die Umfrage als aussagekräftig bezeichnet werden.

Der Rückgang des politischen Interesses ist an Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen eingetreten, jedoch ist das Ausmaß an den Fachhochschulen noch größer: dort beträgt er 17 Prozent, an den Universitäten 11 Prozent. Bei diesen Größenordnungen kann, so die Autoren der Studie, durchaus von einem Einbruch des politischen Interesses unter den Studierenden in den letzten zwölf Jahren gesprochen werden.

2013 hat an den Universitäten noch ein gutes Drittel (35 Prozent) ein starkes allgemeines politisches Interesse, an den Fachhochschulen nicht mehr als ein Viertel (25 Prozent) der Studierenden. Angesichts des großen Rückgangs beim politischen Interesse der Studierenden stellt sich die Frage nach den Gründen.

Wodurch ist es bedingt, dass an den Universitäten noch vor zwölf Jahren sich fast die Hälfte als stark interessiert einschätzte, 2013 aber nur noch ein gutes Drittel? Und dass an den Fachhochschulen mittlerweile mehr Studierende kein oder wenig Interesse an Politik äußern (29 Prozent) als ein stärkeres Interesse daran (25 Prozent)?

Eine Erklärung könne laut Studie in der zunehmenden Komplexität von Politik zu suchen sein, in deren Undurchschaubarkeit und Unübersichtlichkeit. Dies könne mehr Desinteresse hervorrufen. Verwiesen wird auch auf einen allgemeinen Trend zur politischen Passivität und Apathie, die sich auch bei den Studierenden ausbreite.

Schließlich sehen manche auch eine Ursache in den neuen, strikteren Studienverhältnissen, wodurch die Studierenden mehr eingespannt seien und ihnen weniger Zeit für andere Interessen bleibe, auch für das politische Geschehen. Offenbar greifen laut Autoren alle drei Bedingungen ineinander und führen dadurch zum vermehrten Desinteresse, sich mit politischen Fragen auseinanderzusetzen.

Bedeutung von Wissenschaft und Forschung

Gegenüber "Wissenschaft und Forschung" zeigen die Studierenden laut Survey häufig Zurückhaltung, in einigen Fällen ist sogar Abwehr erkennbar. Nur 20 Prozent wollen sich ernsthaft mit einem gewissen Enthusiasmus auf Wissenschaft und Forschung einlassen und beurteilen sie als sehr wichtig.

Dem steht mehr als ein Drittel der Studierenden gegenüber (35 Prozent), denen dieser Bereich eher oder gänzlich unwichtig ist; auch drängt sich der Eindruck auf, sie hielten Wissenschaft und Forschung für einen unnötigen Bestandteil der Hochschulausbildung.

Die übrigen 45 Prozent schreiben Wissenschaft und Forschung eine mittlere Bedeutung zu, was eher als eine passive Hinnahme der nötigen Anforderungen im Studium zu verstehen ist und weniger als Ausdruck eines aktiven Befassens mit dem wissenschaftlichen Arbeiten und einer Neugier auf Forschungsprozesse und -resultate.

Die Relevanz von Wissenschaft und Forschung hat sich für die Studierenden in den letzten Jahren weiter verringert. Anfang des Jahrtausends (2001 und 2004) konnte sich noch ein Viertel der Studierenden dafür begeistern, sah sie zumindest als sehr wichtig an; 2013 ist dieser Anteil auf ein Fünftel gefallen.

Dieser Rückgang beinhaltet ein anderes Verständnis des Studierens: Es gilt weniger als methodische, theoriegeleitete Ausbildung und als neugieriges, forschendes Lernen, sondern es dient mehr dem Erlangen einer Qualifikation und dem Erwerb von Employability, d.h. der Vorbereitung auf den Beruf zur Sicherung der eigenen Zukunft. Die Studierenden erklären dadurch die Hochschulen vermehrt zur bloßen "Lehranstalt" und sehen in ihr weniger eine "Forschungsstätte".

Berufliche Studienstrategien

Im Vordergrund ihrer Studienstrategie steht für die Studierenden an den Universitäten die Abschlussnote. Wenn sie ihre beruflichen Chancen im Blickfeld haben, dann sprechen 66 Prozent der Examensnote einen besonderen Stellenwert zu.

An den Fachhochschulen hat die Abschlussnote für die Studierenden nicht ganz so große Bedeutung, aber 56 Prozent richten sich in ihrem Studium stark an dieser Endnote aus. Im Vergleich dazu wird der Abschlussnote für die persönliche Entwicklung ein geringer Nutzen zugesprochen: Nur gut ein Drittel der Studierenden hält sie dafür ebenfalls für sehr nützlich.

Drei weitere Strategien stufen die Studierenden für die berufliche Zukunft als besonders nützlich ein: Fremdsprachen erwerben, Arbeitserfahrungen außerhalb der Hochschule sammeln und nach dem Bachelorstudium einen Masterabschluss erlangen.

Student 2014 - Fördert die Bologna-Struktur die Entpolitisierung? © Forschung & Lehre Tabelle 2: Größere Veränderungen in den Studienstrategien für die Berufschancen

Schneller Studienabschluss und Auslandsstudium verlieren an Boden

Die Strategien zur Bewältigung eines Studiums haben sich zwischen 2001 und 2013 zum Teil geändert. Die Veränderungen betreffen den schnellen und zielstrebigen Studienabschluss sowie das Auslandsstudium. Beide haben einen erheblichen Bedeutungsverlust zu verzeichnen.

Der guten Examensnote wird an Universitäten zwar immer noch die höchste Priorität beigemessen, aber der Abschlussnote wurde in früheren Befragungen mehr Nutzen zugeschrieben. Auch die Arbeitserfahrung außerhalb der Hochschule, die insbesondere an den Fachhochschulen einen hohen Wert besitzt, verliert insgesamt an Wichtigkeit (s. Tabelle 2).

Während Forschungsaktivitäten insbesondere an den Fachhochschulen an Bedeutung verloren haben, scheinen dort die Studierenden eher wieder einer beruflichen Ausbildung vor dem Studium zu vertrauen: seit 2010 ein Anstieg um vier Prozentpunkte auf 40 Prozent. Zusammen mit der immer noch überwiegend positiven Bewertung der Arbeitserfahrungen außerhalb der Hochschule entspricht dies einem stärkeren Verlangen nach praktischer Berufserfahrung.

Hauptwunsch: Praxiserfahrungen

Insbesondere unter den Studierenden an Universitäten ist der Bedarf an praktischer Erfahrung im Studium sehr groß. Stärkere Praxisbezüge in den Studiengängen stellen den Hauptwunsch der Studierenden dar. An den Fachhochschulen sehen deutlich weniger Studierende hier eine notwendige Veränderung zur Verbesserung ihrer Studienbedingungen.

Der Wunsch nach Lehrveranstaltungen mit weniger Teilnehmern bleibt ein weiteres wichtiges Anliegen an den Universitäten (Uni: 29 Prozent; FH 18 Prozent"sehr dringlich").

Im Vergleich mit früheren Erhebungen wünschen die Studenten an Universitäten und Fachhochschulen immer weniger eine Verbesserung der Studiensituation. Damit scheint sich ein Trend abzuzeichnen, der auf eine größtenteils verbesserte Studiensituation hinweist oder zumindest Verbesserungen als weniger dringlich erscheinen lässt.

Student 2014 - Fördert die Bologna-Struktur die Entpolitisierung? © Forschung & Lehre Nutzen von Studienstrategien für die beruflichen Aussichten

Verringerung der Prüfungsleistungen

Sowohl der Wunsch nach einer Änderung der Prüfungsordnungen als auch nach einer Verringerung der Prüfungsleistungen hat deutlich an Vehemenz verloren. Für beide Wünsche setzen sich an Universitäten 16 Prozent bzw. 19 Prozent der Studierenden ein, an Fachhochschulen nur noch 12 Prozent bzw. 15 Prozent. Dieses Problemfeld scheint größtenteils entschärft.

Dennoch fällt auf, dass der Wunsch nach Verringerung der Prüfungsleistungen insbesondere bei den Staatsexamens- und Bachelorstudiengängen im Vergleich zu anderen Abschlüssen noch deutlich häufiger vorhanden ist: 23 Prozent bzw. 20 Prozent der Studierenden an Universitäten äußern ihn als dringliches Anliegen, um ihre Studiensituation zu verbessern (Master: 13 Prozent). Eine ähnliche Stufung gibt es an den Fachhochschulen: Bachelor 16 Prozent, Master 9 Prozent.

Forschungsbezüge und Forschungsbeteiligung

Stärkere Forschungsbezüge in den Lehrveranstaltungen sowie die Beteiligung an Forschungsprojekten erscheinen kaum noch als deutlicher Wunsch der Studierenden.

An Universitäten und Fachhochschulen vermisst nur noch jeder siebte bzw. sechste Studierende die Forschung als Bestandteil im Studium. Eine zunehmend starke Fixierung auf die berufliche Praxis ist möglicherweise verantwortlich für das geringe Interesse an Forschungsaktivitäten.

Für die Studenten der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwissenschaften - etwas weniger in der Medizin (45 Prozent) - an den Universitäten die ist die Bedeutung des Praxisbezugs am größten. Etwa die Hälfte dieser Studierenden wünscht sich mehr Praxisbezüge in ihren Studiengängen.

In allen anderen Fächern spielt der Praxisbedarf eine geringere Rolle, besonders niedrig ist er in den Naturwissenschaften: nur 29 Prozent der Studierenden wünschen sich mehr Praxisbezüge in ihrem Studium.

An den Fachhochschulen ist dieser Anspruch noch geringer (20 Prozent) und variiert zwischen den Fächergruppen nur wenig. Interessanterweise sind es an Fachhochschulen aber gerade die Wirtschaftswissenschaften, die den geringsten Praxisbedarf anmelden, während ihre Kommilitonen an Universitäten am häufigsten mehr Praxis einfordern.

Mehr Betreuung gewünscht

Eine Überfüllung der Studiengänge wird am stärksten in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie in der Medizin wahrgenommen. Insbesondere in der Rechtswissenschaft, Betriebswirtschaftslehre und Humanmedizin, die zu den zahlenstärksten Einzelfächern an den Universitäten zählen, hätten die Studierenden gern Veranstaltungen mit weniger Teilnehmern.

Der Wunsch nach besserer Betreuung durch die Lehrenden wird am häufigsten genau von Studierenden in diesen drei Fächergruppen geäußert, die sich über die überfüllten Veranstaltungen beklagen und sich hier Abhilfe erhoffen. Die Überfüllung in diesen Fächern scheint sich auf die Betreuungsleistungen auszuwirken.

Die Betreuungsdefizite kommen in den Rechtswissenschaften u.a. auch dahingehend zum Ausdruck, dass der Bedarf nach tutorieller Betreuung und Einbindung in feste Arbeitsgruppen unter den Studierenden vergleichsweise hoch ist. Ein Drittel der Studierenden meldet hier dringend Verbesserungen an; dem am nächsten kommen die Wirtschaftswissenschaften (23 Prozent).

Großes Interesse am Masterstudium

Von den Studentinnen und Studenten, die sich in einem universitären Bachelorstudium befinden, beabsichtigen insgesamt vier Fünftel, ein Masterstudium anzuschließen, davon zwei Drittel konsekutiv und 14 Prozent später, aus dem Beruf heraus.

Am häufigsten besteht die Absicht, unmittelbar nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium zu beginnen: in den Naturwissenschaften 82 Prozent und 77 Prozent bei den Studierenden in den Ingenieurwissenschaften.

Zeitaufwand für das Studium

Der gesamte Zeitbedarf für ein Hochschulstudium liegt an Universitäten und Fachhochschulen im Durchschnitt bei etwa 33 Wochenstunden. Das engere Fachstudium umfasst 31 Stunden an Universitäten und rund 32 Stunden pro Woche an den Fachhochschulen, während für andere studienbezogene Aktivitäten knapp zwei Stunden anzusetzen sind.

Das Zeitbudget der Studierenden ist an beiden Hochschularten fast gleich. Dennoch wenden Studenten an den Fachhochschulen etwas mehr Zeit für die Lehrveranstaltungen (plus 2,9 Stunden) auf als Studierende an Universitäten, dafür im Vergleich 2,4 Stunden weniger für das Selbststudium.

Der zeitliche Studieraufwand hatte in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends etwas zugenommen, beim engeren Studieraufwand an Universitäten und Fachhochschulen um drei Stunden in der Woche. Die Zunahme berührt sowohl die Lehrveranstaltungen als auch die Vor- und Nachbereitung für diese Veranstaltungen.

Im WS 2012/13 ist jedoch sowohl bei den Lehrveranstaltungen als auch beim Selbststudium ein leichter Rückgang gegenüber der Befragung 2010 zu verzeichnen. Dieser Rückgang gilt für die Universitäten und für Fachhochschulen in ähnlichem Maße.

Student 2014 - Fördert die Bologna-Struktur die Entpolitisierung? © Forschung & Lehre Tabelle 3: Zeitlicher Studieraufwand in 25 Einzelfächern an Universitäten

Zeitaufwand in einzelnen Studienfächern

In den einzelnen Studienfächern variiert die Zeit, die Studierende für ihr Studium aufwenden müssen, mit großer Spannweite. Sie schwankt zwischen 23 (Soziologie) und fast 45 Stunden (Veterinärmedizin) in der Semesterwoche (s. Tabelle 3). Die zeitlichen Höchstbelastungen liegen in den medizinischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen, in denen vierzig und mehr Stunden in der Woche die Regel sind.

Insbesondere in den Fächern Zahnmedizin (25,7 Std.) und Veterinärmedizin (24,4 Std.) sowie in Pharmazie (23,6 Std.) und Chemie (23,1 Std.) sind viele Lehrveranstaltungsstunden zu absolvieren. In Veterinärmedizin kommt noch ein vergleichsweise hoher Zeitanteil an Selbststudium hinzu (19,4 Std.). In diesen zeitlich hochbelasteten Fächern ist es schwierig, sich darüber hinaus Zusatzqualifikationen anzueignen.

Viele universitäre Fächer bewegen sich um den Durchschnittswert von 30,6 Stunden, wie etwa Volks- und Betriebswirtschaft oder Mathematik und Informatik, die Fächer der Ingenieurwissenschaften, ebenso Fächer der Kulturwissenschaften, wie Romanistik, Geschichte und Anglistik.

Dabei handelt es sich nur um den engeren Zeitaufwand für das Studium - Lehrveranstaltungen und die Vor- und Nachbereitung, wie sie die Studierenden angeben. Andere studienbezogene Aktivitäten kommen noch hinzu, überschreiten aber die Drei-Stunden-Grenze in der Woche kaum.

Soziale Herkunft der Studierenden

Die soziale Herkunft, bestimmt über den höchsten Bildungsabschluss der Eltern, verweist auf eine unterschiedliche Verteilung der Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen. An den Universitäten überwiegt immer noch die akademische Herkunft, denn 58 Prozent der Studierenden haben Eltern mit Studienerfahrungen, entweder an einer Universität (47 Prozent) oder an einer Fachhochschule (11 Prozent). Bei den Studierenden an Fachhochschulen liegt die akademische Herkunft mit 37 Prozent weit niedriger.

Die "Bildungsvererbung" ist in allen Fächergruppen in den 90er Jahren größer geworden und hat sich ab dem neuen Jahrtausend mit Schwankungen auf diesem hohen Niveau gehalten. Die weitaus höchste "akademische Reproduktion" weisen durchweg die Studierenden der Medizin auf: Im Wintersemester 2012/13 haben 62 Prozent von ihnen zumindest einen Elternteil mit Universitätsabschluss.

Die zweitgrößte Gruppe an den Universitäten betrifft nunmehr die Ingenieurwissenschaften: Hier kommen 50 Prozent der Studierenden aus einem Elternhaus mit mindestens einem Elternteil, das an einer Universität studiert hat. In den anderen Fächergruppen geben etwas mehr als zwei Fünftel der Studierenden an, dass ein Elternteil einen Universitätsabschluss besitzt.

Quelle: BMBF Studiensituation und studentische Orientierungen. 12. Studierendensurvey an Universitäten und Fachhochschulen. Zusammenfassung: Felix Grigat

Aus Forschung & Lehre :: Dezember 2014