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Forschungsfeld Life Sciences: Der Trend geht zur Interdisziplinarität

Das Interview führte Julia Becker

Als einer der größten deutschen Arbeitgeber in der Health-Care-Branche beschäftigt Roche Diagnostics derzeit rund 12.000 Mitarbeiter. Darunter fallen zahlreiche Fachkräfte aus dem Gebiet der Life Sciences. academics hat der Leiterin des Strategischen Recruitings und Personalmarketings von Roche Diagnostics, Dr. Anja Thies, Fragen rund um Ausbildung, Bewerbung und Perspektiven gestellt.

Forschungsfeld Life Sciences: Der Trend geht zur InterdisziplinaritätBei Roche Diagnostics sind interdisziplinäre Kenntnisse gefragt: Ein Interview mit Dr. Anja Thies, Leiterin des Strategischen Recruitings und Personalmarketings
academics: Frau Dr. Thies, aus welchen Fachgebieten kommt Ihr Fachpersonal und in welchen Bereichen wird es eingesetzt?

Anja Thies: Bei der Roche Diagnostics GmbH liegen die Tätigkeitsschwerpunkte auf Forschung & Entwicklung, Produktion, Logistik und Marketing & Sales von Diagnostika- und Pharmaprodukten. Dafür suchen wir Fachpersonal aus den Naturwissenschaften, dem Ingenieurwesen und der Betriebswirtschaft.

academics: Gibt es Fächer oder Bereiche, in denen Sie eher Fachhochschul- bzw. Universitätsabsolventen bevorzugen? Wenn ja, warum?

Thies: Bei der Besetzung von Positionen entscheidet grundsätzlich die fachliche Qualifikation, die persönliche Eignung und das eingeschätzte Potenzial von Bewerbern/innen. All dies wird mit Hilfe von Interviews und anderen Auswahlverfahren, wie z. B. Assessment Centers, ermittelt, die auf eine gesamtheitliche Sicht abzielen. Der Hochschulabschluss ist bei der Auswahl nur eines von vielen Kriterien.

academics: Gibt es derzeit in bestimmten Bereichen Nachwuchsprobleme?

Thies: Als Unternehmen, das einen hohen Bedarf an Ingenieuren (technische wie naturwissenschaftliche) hat, bekommt auch Roche Diagnostics den Ingenieursmangel zu spüren. Aber als in diesem Jahr ausgezeichneter Top-Arbeitgeber für Ingenieure sind wir zuversichtlich, im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern gut aufgestellt zu sein.

academics: Wie wichtig ist eine Promotion in der Branche? Gibt es Fächer, in denen eine Promotion besonders ratsam ist?

Thies: Auch ohne Promotion ist Karriere möglich. In naturwissenschaftlichen Akademiker-Berufen haben die Mitarbeitenden bei uns jedoch zu mehr als 90 Prozent einen Doktortitel. Hier ist es durchaus üblich, mit Promotion einzusteigen. Gerade für Positionen im Bereich der Forschung & Entwicklung ist die Promotion bei Naturwissenschaftler/innen Voraussetzung. Der Grund hierfür liegt in der Komplexität unserer Projektlandschaft. Um dieser gerecht zu werden, ist eine fundierte wissenschaftliche Basis einfach notwendig.

academics: Was kann Sie, eine Verantwortliche aus der Personalabteilung, bei Bewerbern und deren Bewerbungen besonders begeistern und überzeugen?

Thies: Ich persönlich freue mich immer über Bewerber/innen, die ihre Bewerbung und das Vorstellungsgespräch gut vorbereitet haben, eine klare Vorstellung darüber mitbringen, was sie können und wollen, und dabei natürlich, bodenständig und glaubwürdig sind.

academics: Welche Verdienstmöglichkeiten gibt es in der Branche und bei Roche Diagnostics?

Thies: Die Life Sciences Branche ist üblicherweise an den Tarifvertrag der Chemischen Industrie gebunden. Dieser sieht im Vergleich zu einigen anderen Branchen ein höheres Einkommensniveau vor, das im außertariflichen Bereich fortgeschrieben wird.

academics: Welche Qualifikationen sind für eine Karriere im Bereich Life Sciences notwendig?

Thies: Abgesehen von fachlichen Qualifikationen ist für eine Karriere bei Roche Diagnostics beispielsweise entscheidend, über den eigenen Tellerrand hinausschauen zu können, sehr gute Englischkenntnisse, idealerweise Führungs-, aber auch Teamfähigkeit zu besitzen, nicht vor Konfliktsituationen zurückzuscheuen, sondern Mut zu zeigen, seiner Arbeit mit Spaß und Leidenschaft nachzugehen sowie Integrität vorzuleben.

academics: Wie interdisziplinär ist die Arbeit in der Life Sciences Branche allgemein und bei Roche Diagnostics im Speziellen?

Thies: Der Trend in der Life Science Branche scheint mehr und mehr in Richtung Interdisziplinarität zu gehen. Bei Roche z. B. fokussieren sich die Tätigkeitsfelder auf zwei Divisionen: Diagnostika und Pharma. Um Synergien zu nutzen, ist es unabdingbar, dass sich Mitarbeitende auf beiden Gebieten zu Hause fühlen und übergreifend denken.

academics: Wie wichtig ist es, sich als angehende Fachkraft im Bereich Life Sciences über das eigene Fach hinaus weiter- und fortzubilden?

Thies: Die demografische Entwicklung und die damit künftig einhergehende längere Lebensarbeitszeit machen es notwendig, dass sich Mitarbeiter - insbesondere in dem von Dynamik geprägten Bereich Life Sciences - flexibel halten. Wir empfehlen unseren Beschäftigten lebenslanges Lernen, gerade auch über das eigene Fachgebiet hinaus, und machen entsprechende Weiterbildungsangebote.

academics: Stichwort Wirtschaftskrise: Welche Chancen Perspektiven haben junge Akademiker, die derzeit eine Arbeit in der Life Sciences Branche suchen?

Thies: Die meisten Unternehmen aus der Life Science Branche waren bislang glücklicherweise nicht dramatisch von der Wirtschaftskrise betroffen. Somit ist das Angebot an Arbeitsplätzen für Hochschulabsolventen/innen bei vielen Life Sciences-Firmen immer noch als erfreulich zu betrachten.

Quelle: academics

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