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Frauen in technischen Berufen - ein Überblick


Von Barbara Lange

Frauen und Technik - das passt immer noch nicht so richtig zusammen: Trotz spezieller Kampagnen bleibt der Frauenanteil in Ingenieurberufen geringer als anderswo. Nach wie vor sind Frauen in ingenieurwissenschaftlichen Berufen im Vergleich zu anderen Branchen unterrepräsentiert. Ein Überblick über Ursachen und Möglichkeiten.

Frauen in technischen Berufen - ein Überblick© Peterclose - iStockphoto.comTrotz Fachkräftemangel in den MINT-Berufen, steigt der Anteil von Frauen in technischen Berufen nur sehr langsam
Seit Jahren beklagen Verbände und Unternehmen einen Fachkräftemangel in MINT-Berufen - das sind Berufe aus den Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Mehr als 55.000 zu besetzende offene Stellen meldete beispielsweise der VDI in seinem Ingenieurmonitor im Oktober 2013. Eine Zahl in dieser Höhe legt eine stärkere Konzentration von Seiten der Verantwortlichen in Staat und Unternehmen auf weibliche Arbeitskräfte nahe. Zahlreiche Kampagnen wie z.B. "Komm, mach MINT", gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, oder Aktionen des VDE, dem Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V., fördern bereits das Potenzial der Frauen auf dem Arbeitsmarkt- leider bislang nicht ausreichend, wie Verbände und Organisationen beklagen. Mit 12 Prozent liegt der Frauenanteil in Ingenieurberufen weit unter den 45 Prozent des Durchschnitts aller Berufe.

Frauen in MINT-Berufen

Frauen sind nach wie vor in technischen Berufen - den sogenannten MINT-Berufen - unterrepräsentiert. Das ist Ergebnis einer DGB-Studie "Frauen in MINT-Berufen - Weibliche Fachkräfte im Spannungsfeld Familie, Beruf und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten".

Die Erkenntnisse dieser Studie stimmen nicht sehr optimistisch: Während in allen Berufen durchschnittlich 45,6 Prozent Frauen arbeiten, sind es in MINT-Berufen laut DGB nur 18,7 Prozent. Am schlechtesten schneiden die Ingenieurberufe mit einem Frauenanteil von 12,8 Prozent ab, am besten die Naturwissenschaftler mit 41,7 Prozent. Dabei steigt der Frauenanteil mit der Größe des Betriebs.

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Frauen in technischen Berufen - ein Überblick © academics-Grafik - Quelle: DGB Nach einer DGB-Studie liegt der Frauenanteil in MINT-Berufen unterdurchschnittlich bei 18,7 Prozent
Ansätze für einen Wandel deuten sich nur vorsichtig an: So beginnen mehr Frauen ein technisches Studium. Die Zahl der Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften im Jahr 2012 um 14.500 auf insgesamt 35.500 gestiegen. "Die Dynamik ist deutlich erkennbar" sagt Ulrike Struwe, Leiterin der Geschäftsstelle "Komm, mach MINT". "Das Potenzial gut qualifizierter Frauen in Naturwissenschaft und Technik wird immer größer, das ist eine kontinuierliche Entwicklung in den letzten Jahren."

Dieser Trend zeigt sich in den meisten technisch orientierten Fachbereichen. So hat sich auch in der Elektrotechnik, einem Fach mit traditionell geringem Frauenanteil, die Zahl der Studienanfängerinnen seit 2008 fast verdoppelt und liegt nun bei 12,3 Prozent. Gestiegen ist außerdem die Zahl der Absolventinnen bei den Ingenieurinnen, im Jahr 2012 um durchschnittlich 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem stimmen die Zahlen noch lange nicht froh: Denn fächerübergreifend werden nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) insgesamt 56 Prozent aller Studienabschlüsse von Frauen erworben.

Frauenanteil in MINT-Berufen unter Durchschnitt

Frauen in MINT-Berufen bleiben unterrepräsentiert, hier überwiegen vielfach traditionelle Rollenvorstellungen. Nur wenige Frauen studieren technische Fächer, im Berufsleben verdienen sie weniger und besetzen nur selten Führungspositionen. Ursache dafür sind laut DGB-Studie fehlende Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren - das bemängeln zwei Drittel aller berufstätigen MINT-Akademikerinnen, bei ihren männlichen Kollegen sind es nur etwas weniger als die Hälfte. "Eine der größten Herausforderungen für Frauen liegt in der Kompensierung der zu großen beruflichen Beanspruchung des Partners, wohingegen die größte Herausforderung bei Männern die eigene berufliche Beanspruchung ist", stellen die Studienautoren fest. Insgesamt fehlen Angebote wie Teilzeitarbeit oder flexible Zeiteinteilung. Nur jede vierte MINT-Akademikerin kann ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. Nur knapp jede fünfte Frau gab an, dass sie von zu Hause arbeiten kann.

Flexible Arbeitszeitmodelle fehlen

Die Kritik richtet sich klar an die Adresse der Unternehmen: Flexible Arbeitszeitmodelle, klare berufliche Aufstiegschancen, aber auch Änderungen in der Unternehmenskultur gehören auf die Tagesordnung. So sollten Firmen zum Beispiel Besprechungen nicht ausgerechnet zu Zeiten ansetzen, in denen Mütter (und Väter) ihre Kinder vom Hort abholen müssen. Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle, Lehrer, Eltern und die Gesellschaft müssen ein positives Bild vermitteln, um jungen Frauen zu zeigen, dass Frauen und Technik sich nicht widersprechen.

Auch in Führungspositionen sind Frauen in technischen Berufen unterrepräsentiert. Die Zahlen einzelner Studien hierzu sind unterschiedlich, laufen aber immer auf die gleiche Zahl hinaus: unter 10 Prozent. Bei einer Kienbaum-Studie zur Vergütung von Führungskräften und Spezialisten in technischen Funktionen sind nur fünf Prozent der Führungspositionen im technischen Bereich mit Frauen besetzt.

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academics :: Januar 2014