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Gefeuert

Von JAN-MARTIN WIARDA

Die Affäre um die European Business School und ihre Folgen.

Gefeuert© Brühl - Wikimedia CommonsCampus Rheingau: Schloss Reichartshausen
Die Nachricht ist eine Katastrophe für alle privaten Hochschulen in Deutschland. Christopher Jahns, bisher Geschäftsführer und Präsident der European Business School (EBS), ist Anfang voriger Woche wegen Verdunklungsgefahr und Einschüchterung von Zeugen verhaftet worden. Zwar ist er gegen Auflagen wieder auf freiem Fuß, doch die staatsanwaltlichen Ermittlungen gehen weiter. Der Skandal um den einst hochgelobten Jahns und das von der hessischen Regierung kürzlich mit 17 Millionen Euro Steuergeldern geadelte Glitzerinstitut EBS zieht damit immer weitere Kreise. Handelt es sich nur um die zu beweisenden Verfehlungen eines Einzelnen, der zudem inzwischen von der EBS gefeuert worden ist? Oder ist der Fall Jahns ein weiterer Beleg dafür, dass der Privathochschulsektor insgesamt in einer Dauerkrise steckt?

Spätestens seit dem spektakulären Überlebenskampf der größten deutschen Privat-Uni Witten/Herdecke vor zwei Jahren sind Positivnachrichten in der Branche Mangelware. Natürlich ist das unfair, weil viele - vor allem kleine, spezialisierte Privathochschulen - eine hervorragende Lehre, frei von jeglichen Skandalen, bieten. Doch der Eindruck, der sich verfestigt, ist ein anderer: Die private Trägerschaft von Hochschulen ist entweder unwirtschaftlich (siehe Witten) oder begünstigt das Entstehen von Aufschneidereien. Da bezeichnete sich die EBS schon mal als Universität, obwohl sie diesen Status noch gar nicht besitzt.

Da veranstalten die Studenten der vermeintlichen Eliteschmiede Saufgelage im Weinberg, während die Hochschulleitung eine Art hippokratischen Eid für Manager propagiert. Und Charismatiker wie Jahns werden als Visionäre gefeiert und zum Gegenentwurf zum vermeintlich so verkrusteten staatlichen Uni-System hochstilisiert - auch um die eine oder andere Million staatlichen Zuschusses herauszuholen. Die EBS täte gut daran, nach dem Abgang ihres Präsidenten ihre gesamte Strategie akribisch aufzuarbeiten. Und der Rest der Branche sollte ihr dabei zuschauen und lernen. Christopher Jahns ist weg, doch die Pro bleme der privaten Hochschulen bleiben.

Aus DIE ZEIT :: 14.04.2011

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