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Was verdient ein Dozent?

VON JULIA HOLZAPFEL

Sie halten Sprachkurse, referieren vor Managern oder vermitteln Computer-Skills: Die Bandbreite der Sachgebiete von Dozenten ist groß. Das sind auch die Unterschiede beim Gehalt.

Gehalt Dozent© nicolasberlin - photocase.deDas Gehalt für Dozenten fällt nicht allzu üppig aus
Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, unterdurchschnittliches Einkommen: Immer wieder stehen die berufliche Situation und das Gehalt von Dozenten in der Erwachsenenbildung in der Kritik. Die Branche ist in sich stark differenziert; eine Vielzahl an haupt- und nebenberuflichen Arbeitsmodellen mischt sich mit unterschiedlichen Formen der Freiberuflichkeit.

Als Dozent gilt, wer an Universitäten und Einrichtungen der Erwachsenenbildung lehrt. Außerhalb des akademischen Bereichs arbeiten Dozenten an Volkshochschulen, bei öffentlichen und kirchlichen Trägern oder Forschungsinstituten. Die Maßnahmen der Arbeitsagentur stellen für Jobsuchende ebenfalls einen wichtigen Markt dar, da es auch viele privat finanzierte Träger gibt, die meist betriebliche Weiterbildungen anbieten.

Knapp zwei Drittel der Dozenten in der Erwachsenenbildung können einen akademischen Abschluss vorweisen. 17 Prozent hingegen steigen mit einem Abschluss als Meister oder Techniker in den Beruf ein. Vor allem nebenamtliche Dozenten sind im Hauptberuf Geschäftsführer oder Gründer von Unternehmen und geben ihr Praxiswissen in Vorträgen und Kursen weiter.

Was verdienen angestellte Dozenten?

Die Studie "Das Personal in der Weiterbildung" des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) aus dem Jahr 2016 identifiziert unter den etwa 663.000 Dozenten, die nicht an staatlichen Hochschulen unterrichten, vier Gruppen.

Welche Dozenten verdienen gut, welche schlecht?
Anteil an Dozenten < 850 € 851-1.750 € 1.751-2.250 € 2.251-3.250 € > 3.250 €
Quelle: TV-L West, Tabelle: academics.de
Hauptberuflich Angestellte und Beamte, Inhaber von Weiterbildungseinrichtungen 27,26 % 3,13 % 7,87 % 16,59 % 25,87 % 46,54 %
Hauptberuflich Selbstständige und Freiberufler 15,48 % 26,98 % 20,39 % 21,53 % 13,36 % 17,74 %
Nebenberufliche Dozenten mit anderem Haupterwerbsjob 28,49 % 59,48 % 10,78 % 7,70 % 1,25 % 20,79 %
Nebenberufliche Dozenten mit Haupterwerb aus anderen Quellen (z. B. Partnereinkommen, Rente) 28,77 % 67,88 % 5,83 % 8,32 % 2,39 % 15,58 %

Demnach haben Angestellte und Inhaber von Weiterbildungseinrichtungen die besten Gehaltsaussichten. Fast die Hälfte von ihnen verdient mehr als 3.250 Euro brutto im Monat. Die Zahlen zeigen zudem, dass über die Hälfte der Dozenten in der Erwachsenenbildung nebenberuflich lehrt.

Für jene Angestellten, die im unteren Bereich der Einkommenstabelle liegen, haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf einen Mindeststundenlohn von 15,26 Euro ab dem Jahr 2018 geeinigt. Das ergibt bei einer 39-Stunden-Woche ein Gehalt von 2.475,75 Euro im Monat. Kein allzu großer Wurf, wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Dozenten in der Weiterbildung ein Hochschulstudium absolviert hat und Vollzeitbeschäftigte mit akademischem Abschluss in Deutschland im Mittel 4.836 Euro brutto verdienen.

In welchen Sektoren verdienen angestellte Dozenten am besten?

Die Bandbreite in Sachen Verdienst bei angestellten Dozenten in der Erwachsenenbildung ist groß. Es kommt dabei vor allem auf das eigene Verhandlungsgeschick und auf die Art des Arbeitgebers an. Eine DIE-Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass privat finanzierte Träger zwischen 3.251 und 3.750 Euro Bruttolohn pro Monat bezahlen, öffentliche nur zwischen 2.251 und 2.750 Euro.

Wie hoch ist das Honorar für freiberufliche Dozenten?

Etwa 70 Prozent der Dozenten in der Erwachsenenbildung sind Freiberufler. Die Hälfte der hauptberuflich Selbstständigen verdient im Monat weniger als 1.750 Euro. Wer überwiegend für private Träger doziert, liegt im Bereich zwischen 1.751 und 2.250 Euro. Selbstständige sollten besonders auf die Art des Auftraggebers achten: Jenes Viertel von ihnen, das einen monatlichen Verdienst von über 3.750 Euro verzeichnet, hat häufig wirtschaftsnahe Auftraggeber.

Was verdienen Dozenten an Universitäten?

Wer an einer Hochschule als Dozent lehrt, wird nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) entlohnt und je nach Anforderungen und Kenntnissen in die Entgeltgruppen E13 bis E15 eingeteilt. Jede dieser Gruppen besitzt wiederum fünf Erfahrungsstufen, die man im Laufe der Jahre im Beruf automatisch erklimmt. Die Tabellenwerte gelten für die westlichen Bundesländer - ausgenommen Hessen, das einen eigenen Tarifabschluss vereinbart hat.

Welche Dozenten verdienen gut, welche schlecht?
E1 E2 E3 E4 E5
Quelle: DIE-Studie, 2016, Tabelle: academics.de
Einstiegsstufe Nach 1 Jahr in E1 Nach 2 Jahren in E2 Nach 3 Jahren in E3 Nach 4 Jahren in E4
E 13 z. B. wissenschaftliche Mitarbeiter mit Masterabschluss 3.588 € 3.982 € 4.195 € 4.607 € 5.178 €
E 14 z. B. abgeschlossene Promotion (Postdoc) 3.891 € 4.317 € 4.565 € 4.941 € 5.518 €
E 15 z. B. Gruppenleiter 4.298 € 4.765 € 4.941 € 5.566 € 6.040 €

Detaillierte Informationen zu Gehältern im Wissenschaftsbetrieb finden Sie hier.

Privatdozenten, die weder einen Vertrag als wissenschaftliche Mitarbeiter noch eine mit einem Honorar abgegoltene Lehrbeauftragung einer Universität haben, müssen jedes Semester unentgeltlich Seminare oder Vorlesungen abhalten - ansonsten droht der Verlust des Privatdozenten-Titels. Mehr über die Einkommenslage von Privatdozenten lesen Sie im Artikel über das Gehalt von Lehrbeauftragten und Privatdozenten.

Gehalt Dozent © Auswertung der ver.di-Honorardatenbank Entwicklung der Honorare freiberuflicher Dozenten in der Erwachsenenbildung

Wie beeinflusst die Berufserfahrung das Gehalt oder das Honorar von Dozenten?

Wie die obige Tabelle zeigt, bekommt ein Dozent mit Tarifvertrag automatisch nach einer bestimmten Zeit mehr Gehalt. Für sonstige angestellte Dozenten gibt es keine belastbaren Zahlen zum Zusammenhang zwischen Berufsjahren und Verdienst. Bei Freiberuflern ermöglicht die ver.di-Datenbank eine grobe Abschätzung der Honorarentwicklung. Die Auswertung der Angaben von 196 Freiberuflern belegt, dass das Honorar mit zunehmender Erfahrung leicht ansteigt. Bei nebenberuflich Selbstständigen hingegen bleibt es auch mit den Jahren konstant.

academics:: Juli 2017

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