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Gehalt Humanmedizin - Was verdienen Humanmediziner?

von Lena Thiesen

Die grundlegenden Aufgaben eines Humanmediziners bestehen in der Vorbeugung, der Diagnose, der Behandlung, der Nachsorge und auch der Erforschung von Krankheiten. Doch nicht nur ihre fachliche Spezialisierung, sondern auch der Arbeitsplatz und der Aufgabenbereich von Ärzten können sehr unterschiedlich sein. Wie in jedem Beruf spielt auch für Nachwuchsmediziner die Frage, was sie verdienen, eine nicht unwichtige Rolle. Wie hoch das Gehalt von Humanmedizinern ausfällt, ist dabei aber von gleich mehreren Faktoren abhängig.

Gehalt Humanmedizin - Was verdienen Humanmediziner? © Sensay - photocase.de Das höchste Gehalt erwartet Humanmediziner in Universitätskliniken

Was verdient ein Arzt?

Nach erfolgreich absolviertem Universitätsstudium und Approbation sind die meisten Humanmediziner als Assistenzärzte und anschließend als ausgebildete Fachärzte in Kliniken und Krankenhäusern angestellt oder führen als niedergelassene Ärzte eine eigene Facharztpraxis. Dabei ist nicht nur die Funktion eines Arztes, sondern unter anderem auch die von ihm gewählte Fachrichtung sowie seine Berufserfahrung für die Höhe seines Gehaltes entscheidend. An Kliniken und Krankenhäusern werden Ärzte in der Regel nach Tarifverträgen bezahlt. Die Tarifverträge teilen Ärzte in vier verschiedene Entgeltgruppen ein: Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Leitender Oberarzt. Über die Berufsgruppen hinaus ist für das Gehalt von Ärzten auch die Dauer ihrer Berufsausübung ausschlaggebend. Die bisherige Berufserfahrung berücksichtigt eine weitere Gliederung der Tarifgruppen nach Gehaltsstufen.

Tarifverträge regeln das Gehalt von Ärzten an Kliniken

In Deutschland existieren für die Gehälter von Ärzten unterschiedliche Tarifvereinbarungen, die jährlich von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund neu verhandelt werden. Zum einen gibt es die beiden Tarifverträge der öffentlichen Hand: den Tarifvertrag für kommunale Krankenhäuser (TV-Ärzte/VKA) sowie den Tarifvertrag für Unikliniken (TV-Ärzte TdL). Daneben wurden mit den großen privaten Klinikverbänden wie Helios und Asklepios eigene Vereinbarungen ausgehandelt.


Was verdient ein Assistenzarzt?

Viele junge Uni-Absolventen steigen nach ihrem Studium der Humanmedizin als Arzt in Weiterbildung (AiW), im Allgemeinen auch bezeichnet als Assistenzarzt, ins Berufsleben ein. An einer Klinik, einem Rehabilitationszentrum oder in einer Arztpraxis lassen sie sich zum Facharzt ausbilden und beziehen in dieser Zeit ein erstes Arztgehalt. Ausführliche Informationen zur Facharztweiterbildung und zum Gehalt von Assistenzärzten sowie Entgelttabellen finden Sie in dem Artikel Gehalt von Assistenzärzten.

Was verdient ein Facharzt?

Nachdem sie ihre Weiterbildung zum Facharzt absolviert und die anschließende Prüfung erfolgreich bestanden haben, dürfen sich junge Humanmediziner nicht nur freuen, künftig den Facharzt-Titel zu tragen. Sie können fortan auch mit einem höheren Gehalt rechnen, das sich an Kliniken ebenfalls nach den jeweiligen Tarifvereinbarungen richtet und mit zunehmender Berufserfahrung weiter steigt. Dabei bedeutet die Angabe in Jahren, dass die jeweilige Entgeltstufe nach der genannten Anzahl an Jahren innerhalb derselben Berufsgruppe erreicht wird.

Monatsgehalt der Fachärzte in kommunalen Kliniken und Universitätskliniken (in Euro)
    Bei Einstellung Nach drei Jahren Nach sechs Jahren Nach acht Jahren Nach zehn Jahren Nach zwölf Jahren
Quelle: oeffentlicher-dienst.info, Tabelle: academics.de
TV-Ärzte/VKA Kommunale Kliniken 5.656,92 6.131,23 6.547,70 6.790,64 7.027,76 7.264,92
TV-Ärzte TdL Universitätskliniken 5.816,95 6.304,69 6.732,93 6.973,57 7.104,75 7.286,07

Während ein Facharzt-Gehalt an Kliniken prinzipiell vom gewählten Fachgebiet unabhängig ist, sind die Einkommensaussichten eines spezialisierten Humanmediziners in einer niedergelassenen Facharztpraxis schon eher unterschiedlich. Nach den Erhebungen des statistischen Bundesamtes gestaltete sich der durchschnittliche Reinertrag - wobei dieser Wert nicht zu verwechseln ist mit dem betriebswirtschaftlichen Gewinn oder dem Einkommen - einer niedergelassenen Facharztpraxis im Jahr 2011 wie folgt:

Reinertrag Ärzte

Der Reinertrag darf in keinem Fall mit dem betriebswirtschaftlichen Gewinn oder mit dem Einkommen verwechselt werden. Von den Beträgen sind z.B. Aufwendungen für die Praxisübernahme sowie private Leistungen wie Altersvorsorge, Krankenvorsorge und auch notwendige Steuerzahlungen abzuziehen.
  • Facharzt für Allgemeinmedizin: 181.000 Euro
  • Gynäkologe: 185.000 Euro
  • Kinderarzt: 191.000 Euro
  • Hals-Nasen-Ohrenarzt: 215.000 Euro
  • Dermatologe: 249.000 Euro
  • Internist: 266.000 Euro
  • Orthopäde: 293.000 Euro
  • Augenarzt: 297.000 Euro


Wenn es um die Wahl des künftigen medizinischen Fachgebietes geht, kann die Entscheidung angehender Ärzte also neben anderen Motiven auch auf ein künftiges Facharzt-Gehalt gerichtet sein und wird daher von manchem Absolventen mit finanzieller Umsicht und mit Weitblick getroffen.

Wenn Fachärzte das unternehmerisches Risiko und die organisatorische Belastung einer eigenen Arztpraxis nicht selbst tragen können oder möchten, haben sie auch die Möglichkeit, als angestellte Fachärzte in einer Praxisniederlassung zu arbeiten. Durch die Anstellung in einer Vertragsarztpraxis oder in einem medizinischen Versorgungszentrum sparen sie sich hohe Investitionskosten und können sich voll und ganz auf die Kernaufgaben des Arztberufes konzentrieren. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass im Unterschied zum Klinikbetrieb die Nacht- und Bereitschaftsdienste größtenteils entfallen. Das Gehalt eines Facharztes in einer niedergelassenen Facharztpraxis wird zwischen dem Praxisinhaber und dem Angestellten ausgehandelt.

Was verdient ein Oberarzt?

Als Oberarzt wird ein Arzt mit leitender Funktion in Kliniken und medizinischen Versorgungszentren bezeichnet. Als Facharzt mit mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung übernimmt er nach seiner Ernennung zum Oberarzt Verantwortung für eine oder mehrere Stationen oder Zuständigkeitsbereiche. Der Leitende Oberarzt fungiert darüber hinaus als ständiger Vertreter des Chefarztes und erfüllt gesamtheitlich dessen Dienstaufgaben bei Abwesenheit. Die hohe Verantwortung eines Oberarztes schlägt sich nicht nur in seinem Titel, sondern auch in seinem Gehalt nieder: Beide Positionen werden gegenüber der "einfachen" Facharztposition entsprechend höher vergütet:

Brutto-Monatsgehälter von Oberärzten, Stand 2017: Monatsgehalt der Oberärzte in kommunalen Kliniken und Universitätskliniken (in Euro)
    Bei Einstellung Nach drei Jahren Nach sechs Jahren
Quelle: oeffentlicher-dienst.info, Tabelle: academics.de
TV-Ärzte/VKA Kommunale Kliniken 7.085,64 7.502,09 8.097,88
TV-Ärzte TdL Universitätskliniken 7.286,07 7.714,31 8.326,93

Brutto-Monatsgehälter von Leitenden Oberärzten, Stand 2017: Monatsgehalt der Leitenden Oberärzte in kommunalen Kliniken und Universitätskliniken (in Euro)
    Bei Einstellung Nach drei Jahren Nach sechs Jahren
Quelle: oeffentlicher-dienst.info, Tabelle: academics.de
TV-Ärzte/VKA Kommunale Kliniken 8.334,99 8.930,81 -
TV-Ärzte TdL Universitätskliniken 8.570,81 9.183,42 9.671,13

Was verdienen Humanmediziner fernab von Klinik- und Praxisbetrieb?

Auch wenn der künftige Berufsweg eines Medizinstudenten fest vorprogrammiert zu sein scheint, schlagen Humanmediziner immer wieder auch alternative Pfade ein: Manche verzichten nach ihrer Approbation auf eine Facharztausbildung und arbeiten beispielsweise in der Entwicklungshilfe oder im Gesundheitsamt. Wieder andere entschließen sich dazu, gar nicht im klassischen Sinne als Arzt zu praktizieren. Sie sind häufig in verwandten Bereichen wie der universitären Forschung oder der Pharmaindustrie tätig. Auf diesen spannenden, aber sehr vielfältigen Arbeitsfeldern können die Gehälter von studierten Medizinern aufgrund bestimmter Kriterien stark voneinander abweichen. Wie sich ein Gehalt in diesen Bereichen entwickelt, hängt unter anderem auch stark vom eigenen Engagement ab. Das Gehalt eines Arztes im Gesundheitsamt ohne die Zusatzausbildung als Arzt im öffentlichen Gesundheitswesen bewegt sich z.B. zwischen 3.129 und 5.270 Euro brutto, je nach Dauer seiner Dienstzeit.

Arbeitsfelder von Humanmedizinern

  • Klinik / Krankenhaus: Als Assistenzarzt in Weiterbildung, als Facharzt oder bei entsprechender Zusatzqualifikation als Gesundheitsökonom im Krankenhausmanagement
  • Eigene Praxis (privat und/oder mit Kassenzulassung): als niedergelassener Facharzt
  • Universitäre Forschung
  • Pharmazeutische Industrie: z.B. als Pharmareferent oder Medikamentenforscher
  • Medizintechnik
  • Behörden und Ämter: z.B. als Betriebsarzt, Gutachter oder Rechtsmediziner
  • Versicherungswesen: z.B. bei Krankenkassen
  • Entwicklungshilfe: z.B. bei einer Hilfsorganisation und/oder als Arzt im Auslandseinsatz
  • Medien: z.B. als Fachjournalist für Medizinthemen

Was verdienen Humanmediziner in Forschung und Lehre?

Wenn es Humanmediziner nach Abschluss ihres Studiums nicht in den Klinik- und Praxisbetrieb zieht, dann möglicherweise aus dem Grund, dass sie an der Universität ihre eigene Begeisterung für die akademische Forschung, ihre Freude am Unterrichten des wissenschaftlichen Nachwuchses und ihr Talent für das wissenschaftliche Arbeiten entdeckt haben. An Hochschulen und Forschungseinrichtungen bieten sich Medizinern spannende Arbeits- und Gestaltungsoptionen und interessante Karrieremöglichkeiten, wobei letztlich die Promotion zum Dr. med. als Einstellungsvoraussetzung für die höheren wissenschaftlichen Positionen unerlässlich ist. Das Gehalt eines Doktoranden, das durch die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes geregelt und nach Zahl an Dienstjahren gestaffelt ist, beträgt zwischen 3.400 und 5.400 Euro brutto. Die Verdienstmöglichkeiten eines wissenschaftlichen Mitarbeiters und das Gehalt von Postdocs belaufen sich je nach Erfahrungsstufe bereits auf 3.400 bis 6.300 Euro brutto. Wer die akademische Laufbahn bis hin zur Professur durchläuft, kann über die W-Besoldung mit einem monatlichen Grundverdienst von bis zu 7.000 Euro brutto rechnen, wobei die Höhe der Leistungsbezüge im Einzelnen mit den Hochschulen auszuhandeln ist.

academics :: 06.04.2017

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