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Gehalt Postdocs - Was verdienen Postdocs?

von Anke Wilde

Viele Postdocs sind wissenschaftliche Mitarbeiter an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung. Ihr Gehalt ist zwar nicht üppig, aber dank Erfahrungsstufen deutlich besser als das von Doktoranden.

Gehalt Postdocs - Was verdienen Postdocs? © MichaelJBerlin - photocase.com Die Sonderzahlung liegt bei Postdocs zwischen 33 und 60 Prozent des durchschnittlichen Monatsgehalts

Welche Tarifverträge regeln das Gehalt von Postdocs?

Viele Postdocs sind als wissenschaftliche Mitarbeiter an einer Universität oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung angestellt. Damit sind sie Angestellte im öffentlichen Dienst, und ihr Gehalt wird in einem Tarifvertrag geregelt. Je nach Einrichtung ist das entweder der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) oder der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Das Land Hessen hat, da es nicht Mitglied der Tarifgemeinschaft der Länder ist, für seine Angestellten einen eigenen Tarifvertrag, den TV-H. Das Angestelltenverhältnis ist bei Postdocs die häufigste Einkommensvariante. Auch fortgeschrittene Postdocs, die eine "Eigene Stelle" eingeworben haben oder als Nachwuchsgruppenleiter tätig sind, werden als wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt. Grundsätzlich ist es aber auch möglich, sich über ein Stipendium zu finanzieren. Manche Habilitationsstellen sehen ein - zumeist befristetes - Beamtenverhältnis als Akademischer Rat vor, das nach der Besoldungsstufe A 13 vergütet wird.

Welche Entgeltgruppen gibt es für Postdocs?

Der TVöD, der TV-L wie auch der TV-H sehen entsprechend der beruflichen Qualifizierung 15 Entgeltgruppen vor. Postdocs werden nach den Entgeltgruppen 13 bis 15 bezahlt. Wer gerade erst in die Postdoc-Phase einsteigt, wird in der Regel zunächst nach der Entgeltgruppe 13 bezahlt. Nachwuchs- und Forschungsgruppenleiter bekommen dagegen in der Regel ein Gehalt nach den Entgeltgruppen 14 oder 15, weil sie mehr Verantwortung tragen. Innerhalb der Entgeltgruppen wird nach Erfahrungsstufen differenziert.

Welche Erfahrungsstufen gibt es?

Die Berufserfahrung von wissenschaftlichen Mitarbeitern allgemein wie auch von Postdocs ist sehr unterschiedlich. In der Entgeltgruppe 13 tummeln sich Menschen, die gerade erst eine Doktorandenstelle angenommen haben, wie auch gestandene Postdocs mit jahrelanger Forschungserfahrung. Entsprechend unterscheiden die Arbeitgeber auch nach Erfahrungsstufen. Der TV-L und der TV-H sehen fünf Erfahrungsstufen mit jeweils wachsenden Stufenlaufzeiten vor. Der TVöD unterscheidet sogar zwischen sechs Erfahrungsstufen. Die Stufe 1 ist den Einsteigern in die jeweilige Entgeltgruppe vorbehalten und muss durchgängig in einem einzigen Arbeitsvertrag abgeleistet werden. Da die Zeit als Doktorand mitgezählt wird, ist die Stufe 1 für Postdocs eher selten.

Erfahrungsstufen in den Tarifverträgen und wann Postdocs sie erreichen
Erfahrungsstufe Postdoc Berufserfahrung als Postdoc (einschließlich Zeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter während der Promotion)
Stufe 1 Einsteiger
Stufe 2 1 Jahr
Stufe 3 3 Jahre
Stufe 4 6 Jahre
Stufe 5 10 Jahre
Stufe 6 (nur TVöD) 15 Jahre


Was passiert bei einem Wechsel in eine höhere Entgeltgruppe?

Wenn Postdocs beispielsweise eine Nachwuchsgruppenleitung einwerben konnten, steht in der Regel ein Wechsel in eine höhere Entgeltgruppe an. Das würde eigentlich einen Neubeginn in Erfahrungsstufe 1 bedeuten, und in vielen Fällen wäre dies mit Einbußen beim Gehalt verbunden. Die Tarifverträge schließen diesen Fall jedoch aus, und die Einrichtungen stufen die Mitarbeiter so ein, dass sie mindestens dasselbe Gehalt bekommen wie zuvor.

Wie hoch ist das Gehalt von Postdocs?

Etwa im Zweijahrestakt werden die Tarifverträge für den öffentlichen Dienst neu verhandelt. Dabei geht es natürlich um bessere Bedingungen für die Arbeitnehmer, und insbesondere um ein ordentliches Plus beim Gehalt. Postdocs, die als wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt und nach TV-L bezahlt werden, dürfen sich für 2017 schon einmal auf etwas mehr Lohn freuen. Die in den Tabellen aufgeführten Beträge gelten für eine volle Stelle. Für eine halbe Stelle ist das Bruttogehalt also nur halb so hoch.

Postdoc Gehalt an Einrichtungen von Bund und Kommunen: TVöD
  Erfahrungs- stufe 1 Erfahrungs- stufe 2 Erfahrungs- stufe 3 Erfahrungs- stufe 4 Erfahrungs- stufe 5 Erfahrungs- stufe 6
Quelle: www.bmi.bund.de, Tabelle: academics.de
E13 3.573,37 € 3.963,48 € 4.175,38 € 4.586,64 € 5.159,99 € 5.396,82 €
E14 3.876,23 € 4.299,99 € 4.549,26 € 4.923,20 € 5.496,55 € 5.808,12 €
E15 4.280,05 € 4.748,72 € 4.923,20 € 5.546,38 € 6.020,00 € 6.331,60 €

Postdoc Gehalt in allen Bundesländern außer Hessen: TV-L
  Erfahrungsstufe 1 Erfahrungsstufe 2 Erfahrungsstufe 3 Erfahrungsstufe 4 Erfahrungsstufe 5
Quelle: www.tdl.online.de, Tabelle: academics.de
E13 3.438,28 € 3.816,32 € 4.019,89 € 4.415,39 € 4.415,39 €
E14 3.729,09 € 4.136,20 € 4.374,67 € 4.735,28 € 5.287,81 €
E15 4.118,75 € 4.566,61 € 4.735,28 € 5.334,35 € 5.788,02 €

Postdoc Gehalt in Hessen: TV-H
  Erfahrungsstufe 1 Erfahrungsstufe 2 Erfahrungsstufe 3 Erfahrungsstufe 4 Erfahrungsstufe 5
Quelle: www.verwaltung.hessen.de, Tabelle: academics.de
E13 3.522,61 € 3.912,03 € 4.121,70 € 4.529,07 € 5.092,21 €
E14 3.822,16 € 4.241,51 € 4.487,14 € 4.858,56 € 5.427,70 €
E15 4.223,54 € 4.684,84 € 4.858,56 € 5.475,62 € 5.942,92 €


Gibt es neben dem Gehalt weitere Leistungen für Postdocs?

Angestellte Postdocs erhalten wie alle ihre Kollegen im öffentlichen Dienst eine Jahressonderzahlung. Die Höhe dieser Sonderzahlung hängt davon ab, welcher Tarifvertrag gilt und ob man in den alten oder den neuen Bundesländern beschäftigt ist. Sie liegt zwischen 33 und 60 Prozent des durchschnittlichen Monatsgehalts. Postdocs, die Kinder haben, in Hessen arbeiten und unter den TV-H fallen, erhalten zusätzlich zu ihrem Gehalt sogar noch eine Kinderzulage. Bei besonderen Leistungen, beispielsweise bei der Einwerbung von Drittmitteln, sind laut Tarifverträgen auch zusätzliche Leistungsentgelte möglich. Allerdings verfahren die Bundesländer mit dieser Möglichkeit sehr unterschiedlich.

Ändert sich die Erfahrungsstufe durch einen Wechsel der Forschungseinrichtung?

Wenn Postdocs beispielsweise für ein neues Forschungsprojekt die Einrichtung wechseln, bleibt ihnen in der Regel die Erfahrungsstufe mitsamt der Stufenlaufzeit erhalten. Gerade für den Wechsel zwischen den unterschiedlichen Tarifverträgen gab es in den vergangenen Jahren zu diesem Thema einige Nachbesserungen. Um sich diese Berufserfahrung anerkennen zu lassen, muss man beim neuen Arbeitgeber dazu einen Antrag stellen. Gerade wenn es schwierig war, für die betreffende Stelle einen geeigneten Bewerber zu finden, können die Einrichtungen ihren künftigen Mitarbeitern sogar noch entgegenkommen. Das kann im Rahmen einer Höhergruppierung geschehen, oder zumindest können die Einrichtungen einen früheren Wechsel in die nächste Erfahrungsstufe gewähren. Weil die Tarifverträge sehr unterschiedliche Gehälter vorsehen, kann der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Tarifverträgen und Erfahrungsstufen zu Lohneinbußen führen. Es ist also ratsam, sich als Postdoc vor dem Wechsel zu einem neuen öffentlichen Arbeitgeber darüber zu informieren, welches Gehalt dieser voraussichtlich zahlen wird.

Ändert sich die Erfahrungsstufe durch einen Auslandsaufenthalt, Pausen oder zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit?

Die Tarifverträge für den öffentlichen Dienst sind nicht gerade kompatibel mit der beruflichen Realität von Wissenschaftlern. So können sich Zeiten, in denen Wissenschaftler nicht bei einem öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber beschäftigt waren, als "schädliche Unterbrechung" auswirken, beispielsweise wenn sie für mehrere Jahre in der freien Wirtschaft tätig waren. Dabei sind sogar Rückstufungen in eine niedrigere Erfahrungsstufe möglich. Wer an einer ausländischen Forschungseinrichtung lehrt oder forscht und für diese Tätigkeit angestellt ist, muss in der Regel nichts befürchten. Diese Zeit wird als einschlägige Berufserfahrung gewertet und auf die jeweilige Stufenlaufzeit angerechnet. Zeiten ohne Anstellung, die mit einem Stipendium finanziert werden, gelten in den Augen der öffentlichen Arbeitgeber nicht als "einschlägig", sondern nur als "förderlich". Das heißt, die Einrichtung ist nicht verpflichtet, sie bei der Erfahrungsstufe zu berücksichtigen. Die Stufenlaufzeit bleibt nicht stehen, wenn ein Postdoc in den Mutterschutz oder in den bezahlten Urlaub geht. Unkritisch ist sind auch Zeiten der Arbeitsunfähigkeit bis maximal 39 Wochen. Anders ist es mit der Elternzeit: Diese gilt als Unterbrechung für die Stufenlaufzeit und kann nicht für die nächste Erfahrungsstufe geltend gemacht werden.

academics :: 09.03.2017