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Geht doch! NRW und das Stipendiensystem

Von Jan-Martin Wiarda

Das NRW-Stipendiensystem zeigt, wie man private Spender gewinnen kann.

Geht doch! NRW und das Stipendiensystem© Presseservice NRWAndreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie NRW
Die Schlagzeile sah nicht gut aus. Das neue nordrhein-westfälische Stipendienprogramm helfe 0,3 Prozent der Studenten, rechneten mehrere Tageszeitungen vergangene Woche vor, als Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) die Bilanz seines Lieblingsprojekts vorstellte: 1400 Stipendien auf 478 000 Studenten.

Und doch war die Überschrift unfair: In den anderen Bundesländern beträgt die Quote vergleichbarer Hilfen 0,0 Prozent. Nachdem Pinkwart am Widerstand SPD-regierter Länder mit seiner Initiative gescheitert war, bundesweit für die besten zehn Prozent jedes Jahrgangs einen einkommensunabhängigen Zuschuss von 300 Euro monatlich einzuführen, hat er seinen Plan in kleinerer Stückzahl im Alleingang durchgezogen. Die Idee ist so simpel wie revolutionär: Der Staat zahlt die Hälfte jedes Stipendiums - aber nur wenn die jeweilige Hochschule für die andere Hälfte einen privaten Geldgeber findet. Wie stark sich die Hochschulen für ihre Studenten engagieren, blieb ihnen selbst überlassen - doch entstand bald der öffentliche Druck, das angebotene Kontingent auszunutzen. Da bei sind sie so schnell auf die ursprüngliche Zielmarke von 1200 Stipendien geschossen, dass Pink wart bereits 200 nachgelegt hat. Vorn steht eine Uni, die sonst die Rolle des Underdogs einnimmt: Duisburg-Essen ließ mit 130 Einwerbungen sogar die größere Uni Köln hinter sich. »Die privaten Geldgeber zahlen eben nicht in einen anonymen Fonds ein«, sagt Pinkwart. Dadurch könnten Förderer genau jene Hochschulen unterstützen, denen sie sich verbunden fühlten.

Von der SPD und Studentengruppen hagelte es Kritik. Sie sorgen sich ums Bafög. Zudem sind viele Stipendien auf bestimmte Fächergruppen beschränkt, meist Technik, Naturwissenschaf ten oder Wirtschaft. Befürchtungen, Hochschulen in wirtschaftsschwachen Regionen könnten benachteiligt werden, scheinen jedoch durch das Beispiel Duisburg-Essen widerlegt. Pinkwart bekräftigte, das Modell bundesweit etablieren zu wollen. Auch der bildungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stefan Müller, forderte als Reaktion ein nationa les Stipendienprogramm - allerdings ohne vor rangige Beteiligung der Wirtschaft. Doch gerade das Engagement von Firmen, Stiftungen und Einzelpersonen ist Pinkwart wichtig. Einen Beweis hat er bereits geliefert: dass private Spender den Hochschulen Geld geben können und wollen. Wenn man sie richtig anzapft.

Aus DIE ZEIT :: 13.08.2009

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