Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Geist macht Geld

Von Andreas Sentker

Die Krise läßt sich auch nutzen - als Katalysator für Ideen und Allianzen.

Geist macht Geld: Wissenschaftskrise© BMBFDr. Annette Schavan
In schweren Zeiten rücken Menschen enger zusammen. Forschungsministerin Annette Schavan macht sich diesen Effekt zunutze. Wie am Mittwoch dieser Woche in Berlin versammelt sie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft um einen Tisch, stiftet Allianzen und lässt Strategien schmieden, die von vielen getragen werden.

Peter Löscher (Siemens) trifft in Berlin auf Hans-Jörg Bullinger (Fraunhofer-Gesellschaft), um »innovationspolitische Impulse« zu setzen. Stefan Marcinowski (BASF) diskutiert mit Günter Stock (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) über die Zukunft der Gesundheitsforschung. Dass die vom Ministerium veranstaltete Konferenz durchaus mehr entzünden kann als ein rhetorisches Strohfeuer, liegt gerade in der Krise begründet. Mit Unternehmern und Forschern versammelt Schavan die wichtigsten Kräfte für den Weg aus dem Tal um sich. Das zeugt von politischem wie historischem Gespür.

»Präsident Franklin D. Roosevelt hat in den dreißiger Jahren als Reaktion auf die Große Depression eine Verdreifachung des Forschungsbudgets durchgesetzt«, erinnerte Schavan in Berlin. »Das war eine der Grundlagen für die jahrzehntelange Technologieführerschaft, in deren Folge die USA eine Phase wirtschaftlicher Prosperität erlebten.«

Forschung kann zu Innovation, Innovation zu Wachstum und Wachstum zu Wohlstand führen, das hat auch die Bevölkerung längst verstanden. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat anlässlich des 60. Geburtstags der Republik nach den Vätern des Erfolgs gefragt. Die Deutschen nannten neben sich selbst als Staatsbürgern (81 Prozent) und den Unternehmern (76 Prozent) vor allem Wissenschaftler und Ingenieure (68 und 63 Prozent). Auswege aus der Krise sehen die Bundesbürger außer in einer finanziellen Entlastung durch Steuersenkungen vor allem darin, »Unternehmen zu fördern, die verstärkt in zukunftsfähige Technologien investieren«, und es »Unternehmen zu erleichtern, Kredite zu erhalten«. Genau hier will Schavan Akzente setzen. Sie schlägt vor, Investitionen in Forschung und Entwicklung steuerlich zu begünstigen, innovative Start-ups von Sozialabgaben zu befreien und die Bedingungen für Risikokapitalgeber zu verbessern.

Die Ministerin befindet sich bereits im Wahlkampf, die Pläne sind bisher nicht mehr als vorläufige Entwürfe für einen künftigen Koalitionsvertrag. Der Ansatz aber ist richtig. Enger zusammenrücken kann heißen, sich gemeinsam vor der Krise zu verstecken. Oder aber, sie gemeinsam zu nutzen: mit Investitionen in Bildung und damit in junge Talente, mit Freiraum für Fantasien, mit finanziellen Anreizen für die Forschung, mit nachhaltigen Ideen für das vielfach beschworene »neue Wachstum«.

Aus DIE ZEIT :: 07.05.2009

Ausgewählte Artikel