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Geld oder Bücher?

VON PETER WAGNER

Das neue »Deutschlandstipendium« der Bundesregierung sorgt für Verwirrung: Dürfen Stipendiaten gleichzeitig noch Zuwendungen anderer Stiftungen erhalten?

Geld oder Bücher?© Aliaksandr Autayeu - iStockphoto.comKönnen Studenten mehrere Stipendien zugleich erhalten?
Mit Stipendien für Studenten ist es in Deutschland bislang nicht weit her. Nur drei Prozent der mehr als 2,1 Millionen Studierenden bekommen einen Zuschuss. Diese mickrige Zahl soll sich ändern. Im Februar bekamen die ersten Studenten die Zusage für ein »Deutschlandstipendium«, das das Bundesbildungsministerium gemeinsam mit den Hochschulen und privaten Förderern ins Leben gerufen hat. 300 Euro je Monat bekommt jeder Stipendiat. Die Hälfte des Betrages stecken Bund und Länder in den Auszahlungstopf, die andere Hälfte müssen die Hochschulen bei privaten Spendern einwerben. Wenn es nach dem Willen der Bundesbildungsministerin geht, bekommen bis Ende des Jahres 10.000 Studenten die neue Förderung. Mittelfristig sollen es 160.000 und damit acht Prozent aller Studierenden werden, die die einkommensunabhängige Förderung bekommen.

An einigen Hochschulen scheint es allerdings noch Irritationen über die Förderungmodalitäten zu geben. Eine Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) bekam an ihrer bayerischen Universität die Auskunft, dass die Tatsache, dass sie bereits gefördert werde, ein Ablehnungsgrund bei einer Bewerbung um ein Deutschlandstipendium sein könne. Die KAS zahlt ihren Stipendiaten ein einkommensunabhängiges Büchergeld von 80 Euro im Monat. Hinzu kommen ideelle Förderungen in Form von Seminaren und Exkursionen. Die Studentin, hieß es offenbar, müsse sich entscheiden, ob sie nun die ideelle Förderung der Stiftung oder das Deutschlandstipendium bekommen wolle. Die junge Frau sieht darin eine Ungleichbehandlung. Bafög-Empfänger zum Beispiel müssen keine Abstriche machen, wenn sie ins nationale Stipendienprogramm aufgenommen werden. So soll sichergestellt werden, dass engagierte Studenten aus einkommensschwachen Familien die bestmögliche Förderung bekommen. »Aber nur weil ein Student in einem Begabtenförderungswerk ist und dort das Büchergeld bekommt, heißt das noch lange nicht, dass er aus vermögenden Verhältnissen stammt«, überlegt nun die Studentin von der bayerischen Universität, die ihren Fall nur anonym ansprechen will, weil sie Auswirkungen auf ihre Bewerbung befürchtet.

Im Bundesbildungsministerium wundert man sich über die Geschichte. Stefanie Stegemann-Boehl kümmert sich dort um »Übergreifende Fragen der Begabtenförderung«. Sie sagt: »Der parallele Bezug von Büchergeld aus einer Stiftung und einem Deutschlandstipendium ist in der Tat ausgeschlossen. Die Inanspruchnahme rein ideeller Förderung durch ein Begabtenförderungswerk ist neben einem Deutschlandstipendium aber möglich.« Dann müsste auf das Büchergeld verzichtet werden. Die Studentin scheint also eine falsche Auskunft bekommen zu haben. Die Förderung durch ein Begabtenförderungswerk sei kein Ausschlusskriterium beim Deutschlandstipendium, heißt es.

Es scheint sich also gerade in der Anfangsphase eines neuen Förderprogramms zu lohnen, genauer nach den Auswahlkriterien zu fragen. Auch die Hochschulen müssen sich das neue Verfahren erst aneignen. Zudem weist Stefanie Stegemann-Boehl noch auf eine Änderung hin: Den Stipendiaten der zwölf Begabtenförderwerke, die allesamt vom Bundesbildungsministerium unterstützt werden, wird es langfristig besser gehen. Bald soll das Büchergeld nach Jahren der Stagnation von 80 auf 150 Euro angehoben werden. Und noch im Lauf der Legislaturperiode soll dieser Betrag auf 300 Euro je Monat verdoppelt werden. »Die Ungleichbehandlung gegenüber dem Deutschlandstipendium ist also nur vorübergehender Natur«, sagt Stefanie Stegemann-Boehl. Ein Satz, der bei den Stiftungen gern gelesen wird. »Wir blicken der Zukunft und der gedeihlichen Koexistenz der begabtenfördernden Institutionen zuversichtlich entgegen«, heißt es etwa bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Aus DIE ZEIT :: 06.04.2011

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