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Geschacher um die Lehre

Von Jan-Martin Wiarda

Der Bund will Milliarden in die bessere Betreuung von Studenten investieren. Jetzt sind die Länder gefragt.

Geschacher um die Lehre© Bilderservice MWKDr. Peter Frankenberg unterstützt die Pläne des Bundes für eine bessere Hochschullehre
Als Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) vergangene Woche in der ZEIT ihr Zwei-Milliarden-Paket für eine bessere Hochschullehre vorstellte, spielte sie den Ball an die Länder weiter: Der Betrag könne noch steigen. »Das hängt von der Höhe des Länderanteils ab.« Die ersten Reaktionen waren verhalten. Baden-Württembergs Ressortchef Frankenberg (CDU) lobte höflich Schavans Vorstoß: Der Bund greife Initiativen auf, die im Land schon auf den Weg gebracht seien und für die nun eine stärkere Förderung möglich werden könne. Sachsen-Anhalts parteiloser Kultusminister Olbertz sagte recht allgemein, der Plan bedeute »eine wichtige Abrundung« für den Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern, der angesichts steigender Abiturientenzahlen 275 000 zusätzliche Studienplätze schaffen soll - eine Verbesserung der Betreuung aber bislang außer Acht lässt. Künftig will die Bundesministerin 200 Millionen Euro pro Jahr in zusätzliche Lehrprofessuren und Mentorenprogramme investieren - ohne noch mal mehr Studenten zuzulassen. Die Mehrheit unter Schavans Länderkollegen zog es vor, sich gar nicht zu dem Vorschlag zu äußern.

Ihr Schweigen hat offenbar einen Grund: Die Minister spitzen sich darauf, dass der Bund das Geld ohnehin ausgeben will, sie sich die Zuzahlung womöglich ganz sparen könnten. Auch Frankenbergs Satz klingt, als wolle er beschlossene Projekte als Baden-Württembergs Beitrag verkaufen. Die Strategie der Länder könnte aufgehen und wäre doch ein gewaltiger Fehler. Abgesehen davon, dass jede zusätzliche Million gebraucht wird: Nur mit einem nennenswerten Länderbeitrag bekäme die Initiative als gesamtstaatliche Anstrengung den Stellenwert, der ihr zustünde und sie auf eine Stufe mit der ebenfalls kofinanzierten Exzellenzinitiative für die Forschung heben würde. All die Minister, die in Sonntagsreden die gleichberechtigte Rolle der Lehre betonen, haben jetzt die Chance, den Wahrheitsgehalt ihrer Plädoyers zu beweisen. Auch wenn das Ärger mit ihren Finanzministern bedeutet.

Aus DIE ZEIT :: 04.03.2010

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