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Her mit dem Uni-Sekretär - Ein Plädoyer für eine bessere Koordination zwischen Wissenschaft und Verwaltung

von inga ganzer

Das Verhältnis von Wissenschaft und Verwaltung an Hochschulen ist oft angespannt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Bereiche sind jedoch auf eine enge Zusammenarbeit angewiesen. Wäre es nicht hilfreich, wenn jemand mit Freude zwischen ihnen vermitteln würde?

Her mit dem Uni-Sekretär - Ein Plädoyer für eine bessere Koordination zwischen Wissenschaft und Verwaltung © seite14 - photocase.de Ein Wissenschaftssekretär wäre eine Triple-Win-Situation
Ökonomisierung, Exzellenzdruck, Evaluierungswahn und Dezentralisierung haben den deutschen Universitätsbetrieb massiv verändert. Längst ist der Hochschullehrer zum Wissenschaftsmanager geworden. Verwaltungsvorgänge dringen immer stärker in Forschung und Lehre ein. Da werden in zeitfressender Kommissionsgestalt Ziele vereinbart, Entwicklungen analysiert und Qualitäten gesichert. Immer häufiger vermischen sich die Sphären Wissenschaft und Verwaltung und sind so von keiner der beiden Seiten in vollem Ausmaß überschaubar. Weder Verwaltung noch Hochschullehrer haben die Kapazitäten, das Interesse oder das Talent, sich in das jeweils andere Gebiet einzuarbeiten. Ein Wissenschaftssekretär muss her! Er (oder sie) ist mit bürokratischen Vorgängen ebenso vertraut wie mit der Natur der Wissenschaft und unterstützt Professorinnen und Professoren, damit aus ihren Kernbereichen Forschung und Lehre keine Randbereiche werden.

Der Wissenschaftssekretär kennt und schätzt beide Seiten: Wissenschaft und Verwaltung - Bereiche, die häufig Kämpfe ausfechten, weil sich Forscherdrang und Bürokratie scheinbar widersprechen: hier Innovation, Selbstzweck und die Eroberung von unbekanntem Terrain, dort penibles Beharren auf Paragraphen von prähistorischem Wert, statische Handlungsmuster und die wachsende Bedeutung der Wirtschaftlichkeit. Die Mischung aus wissenschaftlichen und administrativen Aufgaben ist spannend, vielseitig und anspruchsvoll. Zum Repertoire des Wissenschaftssekretärs könnten beispielsweise folgende Aufgaben gehören: Berichte an die Hochschulleitung schreiben, juristische Grundlagen oder Fachliteratur recherchieren und Berufungsverfahren koordinieren. Er entwirft Gutachten und berechnet Leistungsmittel, sichtet Bewerbungen des wissenschaftlichen Nachwuchses und systematisiert sie nach Indikatoren oder erhebt und analysiert (statistische) Daten. Last, but not least wäre er erster Ansprechpartner für die Mitarbeiter aus Forschung und Verwaltung, Studierende und Journalisten. Er kennt ihre jeweiligen Wünsche und Nöte und bringt sie miteinander in Einklang. Dem Berufsbild des Wissenschaftssekretärs entspräche also etwa folgendes Profil: ein elementares Verständnis, wie Wissenschaft funktioniert sowie inhaltliche und methodische Grundlagen des entsprechenden Fachs auf Bachelorniveau, ein Talent für Organisation und Kenntnisse moderner Bürokommunikation, Lust am Bürokratischen (oder Geduld) und Kreativität.

Der Wissenschaftssekretär ist eine Triple-Win-Situation. Professoren gewinnen mehr Zeit für Forschung und Lehre. Die klassischen Hochschulsekretariate als auch der Mittelbau werden entlastet. Und: Bislang vom Arbeitsmarkt stiefmütterlich behandelte Personen mit Bastelbiographie oder Bachelorabschluss ohne Masterambition, dafür aber mit Interesse an Organisation und Kommunikation, erhalten die Chance auf ein interessantes und dynamisches Arbeitsfeld mit angemessener Bezahlung.

Geld zur Finanzierung ist da. An einigen Universitäten ist erstens in den letzten Jahren die Verwaltung durch Dezentralisierungsvorgänge zuungunsten der Wissenschaftler massiv entlastet worden. Bevor die dadurch freigewordenen personellen Ressourcen in Positionen mit Kontrollcharakter investiert werden, sollte man sie lieber für Mittlerpositionen wie den Wissenschaftssekretär verausgaben. Zweitens bietet sich in den nächsten Jahren Deutschland im Allgemeinen und den Universitäten im Besonderen eine historische Chance: Durch Pensionierung und Verrentung der Babyboomer werden im Verwaltungsbereich zahlreiche (seit Jahrzehnten besetzte) Positionen frei, die aufgrund des seit dieser Zeit stark fortgeschrittenen Einsatzes von Computern sicherlich auch in Teilzeit auszufüllen sind. Die freigewordenen Personalmittel stehen somit dem Einsatz des Wissenschaftssekretärs zur Verfügung.


Über die Autorin
Inga Ganzer ist seit zehn Jahren Sekretärin an der Freien Universität Berlin.

Aus Forschung & Lehre :: November 2016

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