Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Hessen schafft Studiengebühren wieder ab

 

Während in Hessen die Studiengebühren abgeschafft worden sind, werden die Mittel in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen teilweise schlecht genutzt.

Hessen schafft Studiengebühren wieder ab© Gaby GersterRoland Koch, geschäftsführender Ministerpräsident Hessens
Hessen wird als erstes Bundesland zum Wintersemester 2008/2009 die Studiengebühren, die vor einem Jahr eingeführt worden waren, wieder abschaffen. Der geschäftsführende Ministerpräsident Roland Koch hatte zwar einen entsprechenden Gesetzentwurf, der mit dem Stimmen von SPD, Grünen und Linken verabschiedet worden war, wegen eines Formfehlers nicht unterschrieben. Doch wurde am 17. Juni 2008 in einer Sondersitzung des hessischen Landtages wiederum eine korrigierte Fassung mit den Stimmen dieser Landtagsfraktionen verabschiedet.

Die Verwendung der Studiengebühren in Baden-Württemberg geht zu Lasten von Arbeiterkindern

In Baden-Württemberg verwenden die Hochschulen die Studiengebühren für zusätzliches Personal, jedoch zu wenig für Professuren. Das geht aus einem Zwischenbericht des Monitoring- Beirats zu Studiengebühren hervor. Missbrauch bei der Verwendung der Gelder habe die Kommission nach Auskunft von Wissenschaftsminister Frankenberg nicht festgestellt.

Allerdings habe manche Hochschule Schwierigkeiten gehabt, mit der plötzlichen Fülle der Mittel umzugehen. Angaben dazu, ob die Gebühren junge Leute von der Aufnahme eines Studiums abhielten, könne der Beirat frühestens in einem Jahr nach Erhebung weiterer Daten machen.

Problematisch sei jedoch, dass die Studierquote bei Abiturienten aus Nicht-Akademikerfamilien zwischen den Jahren 2004 und 2006 von 62 auf 50 Prozent zurückgegangen sei. Bei Kindern von Akademikern habe sie im gleichen Zeitraum dagegen stabil um 75 Prozent gelegen. Der Beirat empfiehlt, die maximale Verschuldung aus Studienkredit und Bafög von 15.000 auf 10.000 Euro zu senken, mehr Ausnahmen für Mütter, Ausländer und Hochbegabte zuzulassen und mehr Stipendien einzurichten.

In Nordrhein-Westfalen werden die Studiengebühren nicht zielgenau eingesetzt

Eine Erhebung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und des Deutschen Studentenwerkes (DSW) bescheinigt den Hochschulen in Nordrhein- Westfalen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Einnahmen aus Studienbeiträgen. Allerdings könne die Nutzung der Mittel noch zeitnäher, zielgenauer und innovativer erfolgen. Auch sei die Beteiligung der Studenten bei der Vergabe verbesserungswürdig. Die vom Gesetzgeber eingeräumten Möglichkeiten zur Differenzierung und zum Wettbewerb könnten ebenfalls noch mehr ausgeschöpft werden.

Durch die Studienbeiträge haben die Hochschulen in NRW den Angaben zufolge im Studienjahr 2007 zusätzliche Einnahmen in Höhe von rund 250 Millionen Euro erzielt, die zur Verbesserung der Qualität von Lehre und Studium dienen sollen. Fast jeder fünfte eingeschriebene Studierende war von der Zahlung der Studienbeiträge, beispielsweise wegen Absolvierung eines Auslands- oder Praxissemesters oder aus sozialen Gründen, ausgenommen.

Aus Forschung und Lehre :: Juli 2008

Ausgewählte Artikel
Ausgewählte Stellenangebote