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Hiwi Gehalt: Was verdient eine wissenschaftliche Hilftskraft?


von Birg Grüling

Nach einer Erhebung des deutschen Studentenwerks arbeitet fast jeder vierte Studierende während des Studiums einmal an der Hochschule. Die Bandbreite der Aufgaben als studentische Hilfskraft ist dabei sehr groß. Das Gehalt fällt dabei eher bescheiden aus. Warum sich trotz mäßiger Vergütung der Hiwi-Job trotzdem lohnt.

Hiwi sein: Ein guter Job bei bescheidenem Gehalt© shotsstudio - Fotolia.comDie Entlohnung für die Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft liegt weniger im Hiwi-Gehalt als in wertvollen Erfahrungen für den Berufseinstieg

Aufgaben des Hiwis

Studentische Hilfskräfte, umgangssprachlich abgekürzt Hiwis, sind weit mehr als nur kleine Rädchen im Wissenschaftsbetrieb. Sie betreuen Tutorien, kopieren Seminarunterlagen und korrigieren die Fußnoten von wissenschaftlichen Publikationen, wieder andere kümmern sich um die Aktualisierung der Institutshomepage oder sind direkt an Forschungsprojekten beteiligt. Ihre Bedeutung für den Hochschulbetrieb bewertet Stefanie Busch, bei der Hochschulrektorenkonferenz u.a. für studentische Angelegenheiten zuständig, als entsprechend hoch. "Studentische Hilfskräfte tragen nicht wenig dazu bei, dass es im hochschulischen Alltag "rund" läuft. Angesichts des großen Personalmangels an den Hochschulen schaffen sie in Lehre und Forschung eine wichtige Entlastung, gerade weil sie die einfacheren Aufgaben übernehmen."

Wie hoch ist das Hiwi Gehalt?

Trotz dieser nicht geringen Bedeutung ist die Entlohnung eher mäßig - im Durchschnitt verdient ein Hiwi rund neun Euro pro Stunde, an manchen Standorten sind es nur sieben, aber an anderen sogar fürstliche 13 Euro.

Mehr als nur Geld: Vorteile des Hiwi-Jobs

Viele Studierende nehmen das geringere Gehalt ohne großes Murren in Kauf, immerhin kann ein Hiwi-Job am Lehrstuhl viel soziales und kulturelles Kapital einbringen. Hilfskräfte erleben den Alltag in Lehre und Forschung sehr nah und bekommen so ein erstes Bild von der wissenschaftlichen Arbeitswelt. Gleichzeitig knüpfen sie wichtige Kontakte zu Professoren und potenziellen Doktorvätern. Für einen großen Nutzen spricht eine Studie Freiburger Wissenschaftler. Nach ihrer Erhebung haben drei von vier Doktoranden zuvor als Hilfskräfte an einer Hochschule gearbeitet. Eine Zahl, die nicht verwundert, immerhin wird ein großer Teil der Hiwi-Stellen von den Professoren direkt an Studenten vergeben, die in Seminaren und Vorlesungen durch besonders gute Leistungen aufgefallen sind. Aber auch sonst kann eine Hiwi-Stelle an der Hochschule Vorteile haben. Viele Institute stellen ihre studentischen Mitarbeiter für Klausurphasen oder das Schreiben der Abschlussarbeit frei. Bei einem Job an der Theke oder in einem Unternehmen stoßen solche Auszeiten oft auf weniger Verständnis. Auch der Weg zur Arbeit ist kürzer, viele Hiwis können ihren Job zwischen den Vorlesungen und Seminaren organisieren.

Gesetzliche Regelung des Hiwi Gehalts

Der Deutsche Hochschulverband erläutert die Frage nach der Vergütung wie folgt: Wissenschaftliche Hilfskräfte sind nach § 1 Abs. 3b, c Tarifvertrag für die Länder (TV-L) aus dessen Geltungsbereich ausgenommen - nach der Rechtssprechung allerdings nur, soweit es sich um vorübergehende Beschäftigungsverhältnisse handelt. Allerdings kommt bei wissenschaftlichen Hilfskräften eine Bezugnahme auf den TV-L im Rahmen des Arbeitsvertrages in Betracht. Die Vergütung bestimmt sich nach der arbeitsrechtlichen Vereinbarung.

Nachteile des Hiwi-Jobs

Gleichzeitig gibt es auch Kritik an den Arbeitsbedingungen von studentischen Hilfskräften. Das Streben nach wichtigen Kontakten und der Wunsch, sich für eine spätere Promotion zu qualifizieren, birgt auch die Gefahr der (Selbst-)Ausbeutung. So sind unbezahlte Überstunden oder nicht gewährte Urlaubsansprüche durchaus Alltag an deutschen Hochschulen. Denn obwohl die Hilfskräfte offiziell als Teilzeitbeschäftigte gelten, sind sie arbeitsrechtlich wenig geschützt und ihre Stimme fällt kaum ins Gewicht. Es gibt weder eine wirklich zentrale Interessenvertretung noch ein flächendeckendes Recht auf eine Beteiligung in Personalräten. Die Hochschulen unter einen Generalverdacht der Ausbeutung stellen, sollte man trotzdem nicht. Immerhin gibt es genug zufriedene Hiwis, die angemessen bezahlt werden und spannende Aufgaben haben, wie der Besuch bei Mira Öllinger und Marie-Christine Liebetrau am Institut für Geotechnik der TU Hamburg zeigt. Beide studieren Bauingenieurwesen und arbeiten im Labor des Instituts direkt in der Forschung. "Für mich ist die Arbeit hier wie eine bezahlte Lehrveranstaltung. Ich kann viel für mein Studium mitnehmen und sammle wichtige Berufserfahrungen", erklärt Mira Öllinger. Und ein Gehalt von "nur" rund neun Euro pro Stunde nimmt sie dafür gerne in Kauf. Alles eine Frage der Perspektive.

academics :: Juli 2013