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Hochschule oder Industrie - welchen Weg schlage ich ein?

Hochschule oder Industrie?© Christian Lagereek- iStockphoto.com

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Gerade im Bereich der sog. Life Sciences stellen sich viele Post-Docs die Frage, ob sie auch dann, wenn sie der Forschung treu bleiben wollen, ein Stellenangebot der freien Marktwirtschaft annehmen oder doch einzig auf den universitären Karriereweg setzen sollen. Mit etwas anderen Vorzeichen stellt sich diese Frage auch promovierten Ingenieurwissenschaftlern. Dort sind die Verhältnisse speziell, weil die Rekrutierung von Professoren auf vielen Gebieten der Ingenieurwissenschaften bereits traditionell im Regelfall aus der Industrie erfolgt. In anderen Fächern aber gehört der Schritt in die Industrie nicht zum herkömmlichen Qualifikationsprogramm zukünftiger Universitätsprofessoren. Eine Ausnahme stellen freilich Fachhochschulprofessuren dar, da hier regelmäßig eine mehrjährige berufliche Praxis verlangt wird. Analysiert man die Motive von Wissenschaftlern, die in der Industrie beschäftigt sind und sich auf eine Professur beworben haben, werden häufig die mit der Professur assoziierte Unabhängigkeit und Kreativität prioritär genannt. Hinzu kommt der Wunsch nach dem Umgang mit Studierenden im Hörsaal.

Wenn man sich am Anfang der Karriere für den Schritt in die Industrie entscheidet und gleichzeitig die Universität nicht aus den Augen verlieren will, ist es wichtig, darauf zu achten, dass man auch aus Sicht seines Arbeitsgebers der Universität weiterhin verpflichtet sein darf. Werden Lehraufträge gestattet? Gibt es spezielle Veröffentlichungsverbote? Ist es dem Arbeitsnehmer erlaubt, regelmäßig fachwissenschaftliche Symposien zu besuchen? Nur wenn diese Faktoren stimmen, können ggf. Negativa wie "fehlender Stallgeruch" etc. bei späteren Bewerbungen zurück an die Hochschule neutralisiert werden.

Resümee: Sozial akzeptiert ist der vorübergehende Wechsel in die Industrie für viele Ingenieure. Auch für den Fachhochschulprofessor in spe ist der Weg in die freie Marktwirtschaft häufig vorgegeben. Andere Fachwissenschaftler werden, sofern die Universität wieder in ihren Focus gerät, auch mit Enttäuschungen leben müssen. Dieses Risiko lässt sich regelmäßig umso deutlicher reduzieren, je deutlicher der industrielle Arbeitgeber sich auch arbeitsvertraglich zur freien Forschung seines Arbeitnehmers bekennt.
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