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Hochschulen zukunftsfest machen - Erfolgreiche ausländische Absolventen sind die besten Botschafter

von ANREAS PINKART

Studenten aus dem Ausland sind an deutschen Hochschulen gern gesehen. Es wird von vielen Seiten angestrebt, dass ihre Zahl in den kommenden Jahren noch wächst. Wie aber können die Hochschulen dies neben den doppelten Abiturjahrgängen bewältigen? Vorschläge für ein Zukunftsthema.

Hochschulen zukunftsfest machen - Erfolgreiche ausländische Absolventen sind die besten Botschafter© Christopher Futcher - iStockphoto.comDie besten Botschafter für die deutsche Bildung sind ausländische Studierende
Während die Große Koalition im Sozialbereich teure Wechsel auf die Zukunft zieht, bleibt ihr Vertragswerk in puncto Zukunftsinvestitionen vage. Enttäuschung macht sich vor allem bei den Hochschulen breit, deren Hauptfinanciers - die Länder - mit bangem Blick auf die Schuldenbremse und vermeintlich rückläufiger Studierendenzahlen bereits damit beginnen, das finanzielle Korsett ihrer Universitäten noch enger zu ziehen. Dabei leidet die Grundfinanzierung der Hochschulen schon seit Jahren Not. Darüber konnten die Sonderprogramme für den doppelten Abiturjahrgang und die Exzellenzinitiative sowie die Einnahmeverbesserungen aus Studienbeiträgen nur kurzzeitig hinweg helfen. Dies gilt auch für die im Wege der Hochschulautonomie eröffneten Gestaltungsspielräume, die von einzelnen Ländern unter dem Vorwand der Demokratisierung der Hochschulpolitik nunmehr wieder zurückgedreht werden.

Wachsende Anforderungen

Gleichzeitig stehen die Hochschulen vor wachsenden Anforderungen. Ihre Studierenden werden durch G8 und die Aussetzung der Wehrpflicht einerseits immer jünger und auf dem Weg des lebenslangen Lernens andererseits immer älter. Zugleich wächst der Anteil eines Altersjahrgangs, der zu einem akademischen Abschluss geführt werden soll, beständig. Und auch die Anzahl ausländischer Studierender soll nach dem Willen der Großen Koalition in den kommenden Jahren von heute rund 265.000 auf 350.000 Studierende anwachsen. Immerhin in dieser Frage wird der Koalitionsvertrag einmal konkret. Dies entspräche dann einer Zahl von etwa 185.000 Bildungsausländern aus nicht EU-Ländern. Und dies ist mit Blick auf die Demographie und den bereits heute spürbaren Mangel an talentierten Nachwuchskräften eine zweifelsohne richtige Zielsetzung. Allerdings fehlt auch hier jeder Hinweis, wie die Hochschulen mit diesen sie besonders fordernden Aufgaben in Zukunft verantwortungsvoll umgehen sollen. Allein die hohe Zahl von Studienabbrechern unter den ausländischen Studierenden - annähernd jeder zweite ausländische Student verlässt die deutschen Hochschulen bislang ohne Abschluss - sollte Anlass geben, sowohl die Auswahl als auch die Betreuung ausländischer Studierender nachhaltig zu verbessern.

Und zwar sowohl im Interesse der jungen Menschen als auch im Interesse unseres Landes. Schließlich sind die erfolgreichen Absolventen in ihren Herkunftsländern unsere besten Botschafter, und für den Fall ihres wünschenswerten langfristigen Aufenthalts in Deutschland profitiert der deutsche Arbeitsmarkt von ihnen am meisten. Sicherlich könnte den Hochschulen ein Teil ihrer Sorgen genommen werden, wenn der Bund die Mittel für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen künftig allein übernehmen sollte und die Länder ihre diesbezüglichen Beiträge zur Verstärkung der Grundfinanzierung ihrer Hochschulen umwidmen. Bisherige Erfahrungen etwa bei der Ausfinanzierung der Hochschulbaumittel oder bei der vom Bund erwarteten Co-Finanzierung des Hochschulpakts durch die Länder nähren indes Zweifel, ob, wie viel und wie lange die Hochschulen von diesen Mitteln etwas abbekommen.

"Geld folgt Student"

Eine auf Dauer auskömmliche und verlässliche Verbreiterung der staatlichen Grundfinanzierung könnte indessen erreicht werden, wenn sich der Bund dazu entschlösse, den Hochschulen darüber hinaus die Kosten für das Studium der ausländischen Studierenden nach dem Prinzip ,Geld folgt Student' zu ersetzen. Würde er überdies die Höhe der Förderung pro Student auch noch vom Studienerfolg und der Studiendauer abhängig machen, erhielten die Hochschulen geeignete Anreize, um die ausländischen Studierenden gezielter auszuwählen, intensiver zu betreuen und sie auf dem Weg zu einem erfolgreichen Abschluss mit ergänzenden Stipendien für den Lebensunterhalt zu unterstützen. Hierzu sollten auch die Mittel des DAAD deutlich aufgestockt werden. Damit dies möglichst erfolgreich gelingt, sollte zudem die von der Sächsischen Wissenschaftsministerin Professor von Schorlemer im Hochschulfreiheitsgesetz des Freistaates festgeschriebene und an einer sächsischen Hochschule bereits praktizierte Möglichkeit, Studenten, die nicht Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union sind, an den Kosten ihres Studiums zu beteiligen, in die Überlegungen einfließen.

Da nahezu überall auf der Welt Studienbeiträge erhoben werden, würde dies in jeder Hinsicht auch zur Attraktivitätssteigerung des Studienstandortes Deutschland für leistungswillige und begabte Studierende beitragen. Diese erwarten nämlich in aller Regel, dass ein Studium etwas kostet und dass diese Kosten ihnen zumindest teilweise erlassen werden. Der Bund würde seine Mittel in Form von Studienchecks unmittelbar an die Hochschulen leiten und auf diese Weise auch sichtbar machen, wie hoch die Stipendien sind, die internationale Studierende in Deutschland erhalten. Dies wäre eine große Motivation für die Studierenden ebenso wie für die sie ausbildenden Hochschulen. Dabei können je nach Studiengang auch unterschiedliche Geldbeträge pro Studienplatz gezahlt werden. Denkbar ist auch ein durchschnittlicher Betrag, wie er etwa beim Hochschulpakt gewählt wurde. Gehen wir von 10.000 Euro pro Jahr und Student sowie einem Selbstbehalt der Studierenden von 1.000 Euro pro Jahr aus, würden den Hochschulen aufwachsend rund zwei Milliarden Euro jährlich dauerhaft zusätzlich zur Verfügung stehen. Zusammen mit der Umwidmung der Landesanteile an der außeruniversitären Forschung zugunsten der Hochschulbudgets ließen sich so die berechtigten Forderungen der Hochschulen nach einer nachhaltigen Verbesserung ihrer Grundausstattung erfüllen. Es dürfte den anderen Politikfeldern schwer fallen zu beweisen, dass sie für die Menschen nachhaltig bessere Erträge erzielen als es durch Bildung, Wissenschaft und Transfer gelingt.


Über den Autor
Andreas Pinkwart ist Rektor der privaten HHL Leipzig Graduate School of Management. Zuvor war der Ökonomieprofessor Wissenschaftsminister in Nordrhein-Westfalen und stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP.

Aus Forschung & Lehre :: Januar 2014

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