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Ingenieure aus dem Pool

Die Fragen stellte ULRICH VIEHÖVER

Wie die Automobilindustrie ihre Nachwuchskräfte über schlechte Zeiten retten könnte.

Ingenieure aus dem Pool© Uni Duisburg-EssenProf. Dr. Ferdinand Dudenhöffer lehrt Betriebswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und ist dort auch Direktor des CAR-Center Automotive Research.
Ferdinand Dudenhöffer, Ihr Zentrum für Automobil-Forschung CAR hat gerade eine neue Studie veröffentlicht. Sie zeigt, welche verheerenden Folgen es für die Automobilindustrie hat, ihre Personalpolitik von der Konjunktur abhängig zu machen.

Während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 hat die Automobilindustrie ihr Personalprogramm stark heruntergefahren, um zu sparen. Sie hat wenig darauf geachtet, qualifizierten Nachwuchs einzustellen. Jetzt, im Aufschwung, haben vor allem die rund 900 mittelständischen Zuliefererbetriebe das Nachsehen: Ihnen fehlen die Nachwuchsmanager. Und daran krankt wiederum die ganze Branche, da die Zulieferer zu rund 60 Prozent die eigentlichen Innovationsträger der Automobilindustrie sind. Die Entwicklungskette wird damit unterbrochen.

Umso besser geht es den Ingenieurwissenschaftlern, die jetzt die Hochschulen verlassen.

Ja, derzeit sind sie wieder Mangelware - und damit sehr gefragt. Aber Studenten der Ingenieurwissenschaften können sich nie darauf verlassen, dass es so bleibt. Noch vor einem Jahr sah die Lage anders aus. Ich befürchte daher, dass sich dieses Gute- Zeiten-schlechte-Zeiten-Spiel bei der Mitarbeitersuche nun in der Fächerwahl von Studienanfängern niederschlägt: Warum sollte sich jemand für eine Industrie interessieren, die nur bei Sonnenschein Mitarbeiter einstellt?

Welche Folgen hat dieses stete Auf und Ab für den Fahrzeugbau?

Gravierende. Wenn wenig qualifizierter Nachwuchs von den Hochschulen kommt, gefährdet das meiner Forschung zufolge auf die Dauer das Wachstum des gesamten Industriezweigs. Diese kurzsichtige Personalpolitik führt unter anderem zu dem Mangel an Fachkräften, den derzeit alle beklagen.

Was wäre die Lösung?

Meine Idee ist es, Hochschulabsolventen in schwierigen Zeiten in einem Absolventenpool aufzufangen. Damit könnte der Schweinezyklus durchbrochen werden.

Wie stellen Sie sich das vor?

Alle Unternehmen zahlen in einen gemeinsamen Topf, aus dem dann Hochschulabsolventen in schwierigen Zeiten bei jenen Mittelständlern eingestellt werden können, die am stärksten mit dem Nachwuchsmangel zu kämpfen haben. Diese könnten zum Beispiel ein halbes Jahr lang 50 Prozent der Personalkosten aus dem gemeinsamen Fonds erhalten. Das könnte ganz ähnlich funktionieren wie die durch die Regierung geförderte Kurzarbeit - nur hilft in diesem Fall die Industrie sich selbst.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, lehnt einen solchen Finanzierungstopf ab. Er passe nicht zu einer Branche, die sich weltweit dem Wettbewerb stellt, sagt er.

Das überrascht mich nicht. Aber der VDA spricht fast ausschließlich für die großen Autobauer und Zulieferer und kaum für den Mittelstand. Umso mehr braucht eine Pool-Idee Fürsprecher aus der Politik.

Aus DIE ZEIT ::17.02.2011

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