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Ist das österreichische Doktoratsstudium auch international anerkannt?

Ist das österreichische Doktoratsstudium auch international anerkannt?© Richard Gillard - iStockphoto.com

Ich arbeite als hauptamtlicher Kirchenmusiker in der katholischen Kirche. In Deutschland ist es derzeit nur möglich, ein wissenschaftliches Doktoratsstudium nach entsprechenden wissenschaftlichen Vorleistungen zu absolvieren. Seit September 2009 gibt es in Graz ein künstlerisches Dokotoratsstudium, das mit dem Titel "Dr. art." abschließt.

Wie seriös ist dieses meines Erachtens doch unkonventionelle und ungewohnte Studienprogramm einzustufen? In welchem Maße ist es anerkannt bzw. wird es innerhalb der Doktoratsstudien insgesamt ernstgenommen? Kann man diesen in Graz erwobenen Titel ohne weiteres weltweit führen? Ich interessiere mich für dieses Studienprogramm, bin aber etwas verunsichert.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Zur inhaltlichen Qualität und zur Akzeptanz des künstlerischen Doktoratsstudiums in Graz/Österreich in der Fachgesellschaft liegen uns hier leider keine belastbaren Erkenntnisse vor. Zur Führung eines in Österreich erworbenen Doktortitels ist folgendes zu beachten:
Ein ausländischer akademischer Grad darf in der Bundesrepublik Deutschland regelmäßig nur geführt werden, wenn ein inländischer Genehmigungstatbestand vorliegt. Die einschlägigen Regelungen zur Führung eines ausländischen akademischen Grades sind durch die Länder geregelt.

Insoweit bedarf es grundsätzlich eines Genehmigungsantrages in dem Bundesland, in dem der Titelführende seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Die Kultusministerkonferenz hat sich allerdings im Jahre 2000 darauf verständigt, das frühere Einzelverfahren zur Gradführungsgenehmigung nicht in seiner bisherigen Form fortzuführen, sondern es durch eine gesetzliche Allgemeingenehmigung zu ersetzen.

Mit Beschluss vom 14. April 2000 hat die Kultusministerkonferenz "Grundsätze für die Regelung der Führung ausländischer Hochschulgrade im Sinne einer gesetzlichen Allgemeingenehmigung durch einheitliche gesetzliche Bestimmungen" beschlossen. Danach können Hochschulgrade unter Angabe der verleihenden Hochschule in der Form geführt werden, in der sie von der jeweiligen anerkannten ausländischen Hochschule vergeben wurden. Mit einem ergänzenden Beschluss vom 21. September 2001 hat die Kultusministerkonferenz gegenüber der allgemeinen Regelung begünstigende Formen in der Titelführung verabschiedet. So entfällt für Hochschulgrade aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums die Pflicht zur Führung der Herkunftsbezeichnung.

Weiterhin kann ein ausländischer wissenschaftlicher Titel, der dem deutschen Doktorgrad entspricht, mit der deutschen Abkürzung "Dr." ohne Herkunftszusatz geführt werden, wenn er in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraumes erworben wurde. Die Beschlusslage der Kultusministerkonferenz ist inzwischen in allen Bundesländern in das jeweilige Landesrecht umgesetzt worden.
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