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Ist eine kumulative Habilitation empfehlenswert?

Ist eine kumulative Habilitation empfehlenswert?© Ermin Gutenberger - iStockphoto.com

Für eine Juniorprofessur habe ich zu viel Berufserfahrung und bei W2/W3-Professuren muss ich mich mit Bewerbern messen, die neben dem Doktortitel über eine Habilitation verfügen. Ich arbeite zwar an einem Forschungsinstitut, für eine umfangreiche Monographie, die bei Habilitationen üblich ist (gerade im Bereich Sozialwissenschaften), fehlt mir die Zeit.

Da die Habilitation als Regelqualifikation ohnehin bald entfällt, hat mir ein Professor eine "kumulative Habilitation" empfohlen. Nun gibt es Promotionsratgeber, aber kaum Literatur zum Thema Habilitation, geschweige denn kumulative und leider kenne ich niemanden, der den Pfad gegangen ist. Halten Sie diesen Weg für empfehlenswert und wo kann ich mehr Informationen bekommen?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Im Rahmen einer Habilitation können regelmäßig an allen Hochschulen eine Habilitationsschrift oder mehrere wissenschaftliche Arbeiten, die einer Habilitationsschrift adäquat sind (hier handelt es sich um sog. kumulative Habilitation) vorgelegt werden. Die Habilitationsschrift muss einen überzeugenden Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntnis darstellen, der deutlich über den einer Dissertation hinausgeht.

Gleiches gilt für die kumulative Habilitation, die aus mehreren Publikationen besteht. Die Voraussetzungen für eine kumulative Habilitation regeln die Hochschulen in der Regel in ihren Habilitationsordnungen. Hier sollten Sie einmal Professoren Ihres Fachgebietes an einer Hochschule ansprechen und mit Ihnen diskutieren, inwieweit Sie eine Zulassung zu einer kumulativen Habilitation erhalten könnten. Insbesondere wäre es sicherlich von Nutzen, wenn ein Professor Ihre wissenschaftlichen Arbeiten, die Sie für die kumulative Habilitation vorlegen wollen, sich einmal anschaut. Für die Zulassung zur Habilitation an den Hochschulen ist es nicht zwingend erforderlich, dass Sie durch einen Professor betreut worden sind. Die Zulassung kann auch direkt durch den Fachbereich erfolgen. Auch dies können Sie aus den jeweiligen Habilitationsordnungen entnehmen.

Die meisten Privatdozenten haben in der Regel nur eine Schrift im Rahmen des Habilitationsverfahrens verfasst, den Weg der kumulativen Habilitation beschreiten aber auch mit Erfolg einige Nachwuchswissenschaftler. Sofern Sie mehrere herausragende Monographien/Publikationen vorweisen könnten, ist es empfehlenswert darüber nachzudenken, ob diese sich vom Forschungsgewinn und Erkenntniswert her eignen, einer Habilitationsschrift gleichzukommen und damit die Zulassung zur Habilitation zu eröffnen. Mit dem Nachweis der Habilitation würden Ihnen dann natürlich größere Chancen bei Bewerbungen auf W2- oder W3-Professuren eröffnet werden. Mit einer kumulativen Habilitation hätten Sie in Bewerbungsverfahren regelmäßig die gleichen Berufungschancen wie bei der Einreichung einer Habilitationsschrift.