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Ist eine Promotion in meinem Fachbereich sinnvoll?

Nicht in jedem Fach ist die Promotion sinnvoll. Mitunter gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Fachbereichen. Auch in der freien Wirtschaft ist ein Doktortitel nicht immer von Vorteil. Doch wann lohnt sich die Promotion tatsächlich?
Ob sich die Promotion lohnt, hängt besonders vom jeweiligen Fachbereich ab
90% der Chemiker schließen ihr Universitätsstudium mit einer Promotion ab und sind damit Spitzenreiter in Sachen Doktortitel.
Es gibt viele Gründe, die für oder die gegen eine Promotion sprechen. Grundsätzlich gilt: Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie ein klares Berufsziel definieren und sich über die Voraussetzungen für den von Ihnen gewählten Beruf informieren. Wer beispielsweise eine Karriere in der Forschung oder an einer Hochschule machen möchte, braucht zwingend einen Doktortitel. Für Lehramt-Studenten ist eine Promotion hingegen in der Regel nutzlos. Wie sinnvoll eine Promotion in der freien Wirtschaft ist, hängt vor allem vom Studienfach ab. So können beispielsweise Mediziner mit einer Promotion nicht viel falsch machen. Absolventen anderer Fächer aber schon. Wie sinnvoll eine Promotion in welchem Fach ist, zeigt die folgende Übersicht zu ausgewählten Fachbereichen:

Übersicht zu ausgewählten Fachbereichen

Naturwissenschaften:

Chemiker, Biologen und Physiker sind Spitzenreiter in Sachen Promotion: Etwa jeder fünfte Naturwissenschaftler in Deutschland hat nach Auswertung des Mikrozensus 2012 einen Doktortitel. Dabei ist die Quote unter den Fachhochschul-Absolventen generell niedriger, unter den Absolventen eines universitären Studiums höher. Unangefochtene Nummer eins der Doktortitel-Träger sind Chemiker mit vorangegangenem Universitätsabschluss: "Für Chemiker ist die Promotion quasi der berufsqualifizierende Abschluss, an den Universitäten beenden 90 Prozent der Chemiker ihre Ausbildung mit der Promotion", sagt die Leiterin Karriereservice und Stellenmarkt bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Dr. Karin Schmitz. Deshalb rate die Gesellschaft keinem Chemiker, auf eine Promotion zu verzichten - es sei denn, dieser sei sich sicher, dass er nicht in Forschung und Entwicklung arbeiten möchte.

Auch in den anderen naturwissenschaftlichen Fächern ist die Promotion nach einem Universitätsstudium weit verbreitet: In der Physik bilden sich 77 Prozent der Jungwissenschaftler nach ihrem Abschluss noch akademisch weiter, meist mit einer Promotion. In der Biologie liegt diese Quote nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei 72 Prozent. "Die Promotion ist unabdingbare Voraussetzung für alle, die in Forschung und Hochschullehre Karriere machen wollen. Ähnliches gilt auch für den Bereich Forschung und Entwicklung in der Biotech-Industrie", sagt die Sprecherin des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO), Kerstin Elbing. Aber auch in anderen Bereichen, wie etwa der Wissenschaftskommunikation, der Diagnostik oder in Verbänden, könnten Biowissenschaftler mit einer Promotion punkten. "Als Faustregel gilt: Je näher die jeweilige Tätigkeit an der Wissenschaft dran ist, umso hilfreicher ist der Doktortitel", sagt Elbing.

Mathematik:

Von allen Mathematikern in Deutschland haben nach Auswertung des Mikrozensus 2012 etwa 13 Prozent einen Doktortitel. Unter Nachwuchsmathematikern, die an einer Universität studiert haben, ist die Quote noch höher: Jeder vierte von ihnen gibt sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit nicht mit seinem Master- oder Diplomabschluss zufrieden. Stattdessen setzen die Zahlenmeister ihre akademische Ausbildung fort, meist durch eine Promotion. Werden die Lehramt-Studenten herausgerechnet, liegt die Quote nach Angaben der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) sogar bei einem Drittel.

Und diese Entwicklung ist nicht verkehrt: Nicht nur an Hochschulen, auch in der freien Wirtschaft ist ein Doktortitel bei Mathematikern gerne gesehen. "Der Titel zeigt, dass jemand Biss hat - zudem bringen Arbeitnehmer mit Doktortitel einem Unternehmen Renommee", sagt DMV-Präsidiumsmitglied Prof. Günter Ziegler. Aus diesen Gründen legten Arbeitgeber wie Unternehmensberatungen Wert auf eine Promotion. In anderen Bereichen, etwa der Versicherungswirtschaft, sei ein Doktortitel indes nicht so wichtig: "Der Bedarf an Mathematikern ist in diesem Bereich so groß, da bekommt man auch ohne Promotion problemlos einen Job", sagt Prof. Ziegler. Wer dennoch eine Promotion vorweisen könne, hätte gute Chancen auf eine Führungsposition: "Da steigt man dann höher ein, als die Kollegen ohne Promotion."
Promovierenden nach ausgewählten Fächergruppen
In Bezug auf die Zahl der Promovierenden sind Mathematik und Naturwissenschaften Spitzenreiter unter den Fachbereichen

Sozialwissenschaften:

Etwa zehn Prozent aller Sozialwissenschaftler in Deutschland haben nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS) einen Doktortitel. Das deckt sich auch mit den Zahlen aus dem Mikrozensus 2012. Während eine Promotion für eine Hochschulkarriere zwingend ist, können Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft auch ohne Doktortitel sehr gut Karriere machen: "Die Bedeutung der Promotion nimmt in den Sozialwissenschaften seit Jahren deutlich ab", sagt BDS-Sprecher Bastian Roet. Das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Promotion hätten durch die Skandale der vergangenen Jahre stark gelitten. Zudem setzten sich Alternativen zur Promotion durch: Etwa der Master of Business Administration (MBA) oder der Master of Laws (LLM). "Diese Zusatzqualifikationen sind oft praktisch verwertbarer als vertiefende Forschung, die im Berufsalltag nur sehr selten Anwendung findet", sagt Roet. Manchmal würden Hochschulabsolventen nach dem Masterabschluss auch noch eine klassische Berufsausbildung anfangen, um sich praktisch weiterzubilden.

Wirtschaftswissenschaften:

In den Wirtschaftswissenschaften ist die Promotion nicht annähernd so weit verbreitet wie in den Sozial- oder Naturwissenschaften. Nur knapp 2,6 der Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland haben nach Auswertung des Mikrozensus 2012 einen Doktortitel. Unter den Volkswirten liegt die Quote bei etwa 5,7 Prozent. Eine Promotion ist nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte vor allem für eine wissenschaftliche Karriere erforderlich. Aber auch in Nichtregierungsorganisationen (NGO) und in der Politik könne der Doktortitel einen Vorteil bringen, sagt Sprecherin Dr. Alexandra Rohlmann. Bei Unternehmensberatungen werde oftmals auch ein Sabbatical für eine Promotion angeboten. Was im Wirtschaftsleben aber vor allem zähle, sei die Leistung im Job. Außerdem gebe es inzwischen Alternativen zur Promotion: "Der MBA hat hier im Vergleich zum Doktortitel sehr aufgeholt und wird oft auch von den Unternehmen im Rahmen von Weiterbildungsangeboten bevorzugt, weil er on-the job läuft", sagt Dr. Rohlmann.

Ingenieurwissenschaften:

Unter Ingenieuren in Deutschland ist der Doktortitel ebenfalls nicht weit verbreitet: Lediglich drei Prozent von ihnen tragen nach Auswertung des Mikrozensus 2012 einen Doktortitel. Nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ist eine Promotion dann sinnvoll, wenn eine Karriere in der Forschung oder an einer Hochschule angestrebt wird. Für eine fachliche Unternehmenslaufbahn könne eine Promotion hingegen sogar hinderlich sein, sagt Sprecherin Dr. Ina Kayser. Denn mit einer Promotion würden sich Akademiker dem Generalverdacht aussetzen, dass sie eher theoretisch als praxisorientiert arbeiten. Hinzu kämen gesteigerte Gehaltswünsche. Dennoch: In manchen Firmen, besonders bei Großunternehmen, kann der Doktortitel nach Angaben des VDI für eine Karriere im Management von Vorteil sein. In solchen Fällen sollten Ingenieure darüber nachdenken, die Promotion gegebenenfalls berufsbegleitend nachzuholen, sagt Kayser.

Medizin:

Eine besondere Form der Promotion stellt die Promotion in der Medizin dar. Knapp jeder zweite Humanmediziner in Deutschland hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes eine Promotion. Aber anders als in den übrigen Fachbereichen, fertigen fast alle Mediziner ihre Dissertation bereits während des Studiums und innerhalb weniger Monate an. Deswegen stand die Medizin-Promotion in den vergangenen Jahren öfter in der Kritik, wurde vom Wissenschaftsrat sogar als "pro-forma Forschung" abgetan. Dennoch gilt eine Promotion für Ärzte, insbesondere an Universitätskliniken, nach wie vor als Standardausbildung.
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