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Jubelt ruhig!

Von JAN-MARTIN WIARDA

Warum arbeitslose Akademiker eine aussterbende Spezies sind.

Jubelt ruhig!© Edward Bock - iStockphoto.com
»Vollbeschäftigung unter Akademikern« meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung» vor einigen Tagen. Gerade noch 2,5 Prozent aller Hochschulabsolventen befänden sich auf Jobsuche. In Wirklichkeit ist die Zahl nicht neu; sie stammt von 2009. Doch bei dem Wort »Vollbeschäftigung« horchen alle auf. Sensationell, jubeln die einen, allen voran Politiker und Wirtschaftsführer, aber auch respektable Bildungsforscher, die für ihre Vorsicht bekannt sind. Zynisch, sagen andere, jene 2,5 Prozent nämlich, die zum Teil schon seit Monaten oder Jahren vergeblich Klinken putzen. Das ist nicht die Welt, in der wir leben, sagen sie, solche Jubelzahlen können nicht stimmen.

Tatsächlich ist »Vollbeschäftigung« zunächst nur ein Wort, die Arbeitslosenquote, bei der sie beginnen soll (die meisten Experten sagen: unter drei Prozent), ist ziemlich beliebig ausgesucht. Hinzu kommt: Eine laut statistischer Definition erreichte Vollbeschäftigung bedeutet noch lange nicht, dass sie in allen Regionen und für alle Studienrichtungen gleichermaßen herrscht. Fragen Sie mal einen Germanisten in Ostvorpommern. Ist der Jubel also unangebracht? Nein, ist er nicht. Symbole sind wichtig für Stimmung und Motivation im Land, und »Vollbeschäftigung« ist so eines. Vollbeschäftigung für junge Akademiker, so lautet die Hoffnung, ist nur ein erster Vorbote für den Sieg über die Arbeitslosigkeit insgesamt, der vor allem wegen des Bevölkerungsschwunds in greifbare Nähe zu rücken scheint.

Ärger und Frust der trotzdem arbeitslosen Akademiker sind verständlich, aber die Botschaft an sie ist klar: Es gibt jetzt genug Arbeit da draußen, gute Arbeit. Nicht jeder mag familiär dazu in der Lage sein, ihr hinterherzuziehen. Aber Vollbeschäftigung heißt eben auch: Selbst in den entlegensten Regionen werden die Jobaussichten für Studierte allmählich besser. Und zwar bedeutend.

Aus DIE ZEIT :: 17.03.2011

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