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Kann ein Juniorprofessor ein Forschungssemester beantragen? Eine Länderübersicht

von HUBERT DETMER und SANDRA FISCHER

Die Rechtsverhältnisse der Juniorprofessorinnen und -professoren sind in den Landeshochschulgesetzen nicht einheitlich geregelt. Dies gilt insbesondere für die beiden regelmäßig auftretenden Fragen, ob es "akademische" Titel führungsrechte nach dem Ausscheiden aus der Juniorprofessur gibt und ob Juniorprofessorinnen und -professoren ein Forschungssemester beantragen können.

Kann ein Juniorprofessor ein Forschungssemester beantragen? Eine Länderübersicht© hasselblad15 - photocase.deIn welchen Bundesländern darf ein Juniorprofessor ein Forschungssemester beantragen?
Während ihres Dienstverhältnisses sind Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren berechtigt, ihre Amtsbezeichnung zu führen. Wie sieht die Rechtslage aber nach dem Ausscheiden aus? Viele Länder vermitteln dann das Recht, sogenannte "akademische" Bezeichnungen/"Titel" zu führen. Es gibt folgende Modelle: In Bremen, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Thüringen gibt es keine speziell auf die Juniorprofessur zugeschnittene Norm, die ein Titelführungsrecht nach Ausscheiden aus der Juniorprofessur regelt. In Berlin soll das Titelführungsrecht nur denjenigen Juniorprofessoren zustehen, die vor dem 20. Mai 2011 auf der Grundlage des "alten" Rechts die Berechtigung, sich "Professor" nennen zu dürfen, erworben hatten. In Bayern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein besteht grundsätzlich die Möglichkeit, nach Ausscheiden den Titel "Privatdozent" zu führen, wenn der Juniorprofessor sich bewährt hat bzw. ihm - ohne dass hierfür ein Habilitationsverfahren erforderlich wäre - eine entsprechende Lehrbefugnis erteilt worden ist.

Grundsätzlich vermittelt die Lehrbefugnis das Recht (regelmäßig aber auch die Pflicht), selbstständig zu lehren. Generöser sind die Normen in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Freistaat Sachsen ausgestaltet. Dort kann, gekoppelt an die Bewährung und/oder die fortgesetzte Lehrtätigkeit die Bezeichnung "Professor" oder aber "außerplanmäßiger Professor" verliehen bzw. geführt werden. Auch in den Ländern, die keine speziellen Regelungen für ausgeschiedene Juniorprofessoren vorsehen, bleibt es bei der Möglichkeit, die akademische Bezeichnung "außerplanmäßiger Professor" bei Vorliegen der hierfür allgemein üblichen Voraussetzungen (Vorliegen der allgemeinen Einstellungsvoraussetzungen für eine Professur (ggf. auch ohne Habilitation), hervorragende Leistungen in Forschung und Lehre und in der Regel mehrjährige selbstständige (professorale) Lehrtätigkeit) zu erlangen.

Nicht frei von Zweifelsfragen ist das Recht der Juniorprofessorinnen und -professoren auf Gewährung eines Forschungssemesters. Grundsätzlich kann Professorinnen und Professoren ein Forschungssemester gewährt werden. Hierbei handelt es sich um eine Freistellung von der Lehre (ggf. auch von Selbstverwaltungs- und Prüfungsverpflichtungen) zugunsten der Forschung. Regelmäßig wird in diesem Zusammenhang eine vorausgegangene kontinuierliche Lehrtätigkeit (häufig acht Semester) und sogenannte Kostenneutralität gefordert. Die meisten Bundesländer sehen eine solche Möglichkeit nur zugunsten der Professoren, nicht aber für Juniorprofessoren vor. Nur drei Bundesländer erwähnen explizit die Gewährung eines Forschungssemesters auch für Juniorprofessoren (Hamburg, Hessen und das Saarland, letzteres freilich nur in besonderen Fällen).

Eine größere Anzahl der Landesgesetze operiert im Kontext der Gewährung eines Forschungssemesters allerdings weder mit dem Terminus "Professoren" noch mit dem Terminus "Juniorprofessoren", sondern mit der Begrifflichkeit "Hochschullehrer". Dies kann positive Konsequenzen für Juniorprofessoren haben: Soweit die Systematik des Gesetzes dafür spricht, dass der Gesetzgeber den Begriff "Hochschullehrer" als Oberbegriff für die "Juniorprofessoren" und "(Universitäts-)Professoren" verwendet, dürfte auch Juniorprofessoren ein Forschungssemester gewährt werden. Dies ist der Fall in Berlin, Brandenburg, Bremen und Rheinland-Pfalz. Demgegenüber sehen Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfahlen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen die Gewährung eines Forschungssemesters terminologisch und systematisch nur für "Professoren" vor. Hier ist zumindest zu konstatieren, dass es bei einer engherzigen Auslegung des Gesetzes schwierig sein dürfte, als Juniorprofessor mit Erfolg ein Forschungssemester beantragen zu können.

Aus Forschung & Lehre :: September 2016