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Kann ein Ruf von der Hochschule zurückgenommen werden?

Kann ein Ruf von der Hochschule zurückgenommen werden?© David Schrader - iStockphoto.com

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Nach Erteilung eines Rufs auf eine Universitätsprofessur stellen sich für den betroffenen Wissenschaftler vielfältige Fragen: Welche personelle und sächliche Ausstattung ist erforderlich, um das vorhandene Konzept der Professur in der Praxis umzusetzen? Wie sind die Berufungsverhandlungen taktisch zu gestalten?

Die Verhandlungen werden häufig durch unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der notwendigen Ausstattung gekennzeichnet sein. In diesem Umfeld ist es wichtig, sich auf den Ruf auf die Professur "verlassen" zu können. Die höchstrichterliche Rechtsprechung sieht in einem Ruf auf eine Universitätsprofessur jedoch leider nur eine "Absichtserklärung ohne verbindliche Aussage". Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts lässt sich ein Anspruch des Rufinhabers auf die Begründung eines Beamtendienstverhältnisses aus dem Ruf nicht ableiten. Eine verbindliche Auswahlentscheidung wäre erst mit der Übertragung der ausgeschriebenen Professorenstelle - durch Aushändigung der Ernennungsurkunde - geschaffen.

Auch das Bundesarbeitsgericht hat bezüglich eines angestellten Hochschullehrers festgestellt, dass der Ruf lediglich eine unverbindliche Anfrage bzgl. der grundsätzlichen Bereitschaft eines Bewerbers auf Übernahme einer bestimmten Professorenstelle darstellt. Auch wenn diese Rechtsprechung als verfehlt aufgefasst wird, ist sie dennoch zu beachten. Insoweit ist insbesondere vor frühzeitigen Kündigungen eines bestehenden Anstellungsverhältnisses angesichts eines erteilten Rufs abzuraten.