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Kann ich zu Hause arbeiten?

VON KATJA BOSSE

Diese sechs Fragen sollte man sich vorher stellen.

Kann ich zu Hause arbeiten?© AllzweckJack - Photocase.comSelbstdisziplin und Organisationstalent sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Heimarbeit

1. Eignet sich mein Job für die Heimarbeit?

Heimarbeiter sind nicht nur Hobbybastler mit Online-Shop oder Hausfrauen mit Bügel-Service. Das Homeoffice-Modell setzt sich in immer mehr Branchen und Betrieben und auf vielen Karrierestufen durch. Zum einen weil moderne Kommunikationssysteme die Interaktion erheblich erleichtern, zum anderen weil Arbeitgebern daran gelegen ist, ihre Büroflächen zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Ob Sie Ihre Tätigkeit in den eigenen vier Wänden ausüben können, hängt etwa davon ab, wie sehr Sie auf technische Gerätschaften angewiesen sind: Chemielaboranten können kaum in die heimische Küche umsiedeln. Oder davon, ob Sie oft Kundschaft empfangen, wie häufig Sie in Meetings sitzen - und inwieweit Ihr Chef mitspielt.

2. Bin ich überhaupt der Typ dafür?

Seinen Tag selbst zu gestalten und nicht ständig im Büro Präsenz zeigen zu müssen, klingt verlockend. Wer aber im Heimbüro erfolgreich sein will, muss sich an klare Spielregeln halten. Ohne Selbstdisziplin und Organisationstalent geht das nicht. Man muss sich selbst motivieren (siehe Frage 6), sich zur Konzentration zwingen und den Tag strukturieren. Wer morgens nur schwer aus den Federn kommt, sich mit Bügeln vor dem Bürokram drückt und Pausen gern großzügig gestaltet, ist unter Kollegen und dem wachsamen Blick des Chefs vielleicht besser aufgehoben.

3. Wie kann ich meinen Chef überzeugen?

Wer zu Hause arbeiten will, sollte seinem Chef genau darlegen, wie das in der Praxis funktionieren kann - und welche Vorteile das auch für den Chef hätte. Fühlen Sie schon vor dem Gespräch bei Ihrer IT-Abteilung vor, ob Sie von zu Hause auf alle Anwendungen, Datenbanken und Kommunikationssysteme Ihres Arbeitgebers zugreifen könnten. Führen Sie sich anhand des Abteilungsablaufs vor Augen, zu welchen Zeiten Sie für Konferenzen und andere Arbeitsprozesse auf jeden Fall anwesend sein müssten. Und legen Sie dem Chef dann einen plausiblen Plan vor, nach dem der Schreibtischwechsel klappen könnte.

4. Was bedeutet das für die Steuererklärung?

Freiberufler können Miet- und Betriebskosten für den separaten Arbeitsraum von der Steuer absetzen (bis zu 1250 Euro jährlich) - neuerdings sogar dann, wenn sie nur zum Teil von zu Hause aus arbeiten. Die Abnutzung der Büroausstattung lässt sich auch abschreiben, gemäß der sogenannten Afa-Tabellen des Bundesministeriums für Finanzen. Wer in Festanstellung arbeitet, unterliegt zu Hause denselben Bestimmungen zur Sozialversicherung wie im Betrieb, zum Beispiel, wenn ein Unfall passiert. Wenn man den privaten PC für den Job nutzt, kann man bei der Steuererklärung Werbungskosten geltend machen. Für die Betriebskosten des Arbeitszimmers muss man aber meistens selbst aufkommen. Auch wichtig: Wenn Sie einen Wohnungsteil gewerblich nutzen, müssen Sie Ihre Vermieter informieren - sonst kann es sogar zur Kündigung kommen.

5. Wie gestalte ich mein Homeoffice?

Ob Kellerecke oder Dachbodennische: Raum ist in der kleinsten Hütte. Bedenken Sie bei der Wahl des Heimarbeitsplatzes aber, dass Sie dort einen Großteil des Tages verbringen werden und zudem motiviert und produktiv sein möchten. Im Idealfall haben Sie ein extra Zimmer, das nicht nur Platz für Ihren Schreibtisch, sondern auch für Ordner und Geräte, Pflanzen und alternative Sitzmöglichkeiten bietet - und bei dem Sie sowohl während als auch nach getaner Arbeit die Tür zumachen können.

6. Wie kann ich mich motivieren?

Sechs Wochen verbringt der Deutsche jährlich mit dem Suchen von Unterlagen. Damit Sie selbst keine Zeit verplempern und konzentriert ans Werk gehen können, gehört deshalb Ordnung ins Office. To-do-Listen und Tagesziele verhelfen zu einer sinnvollen Struktur und besseren Übersicht. Motivierend wirkt es auch, zu festen Zeiten anzufangen. Wer an seiner Selbstdisziplin zweifelt, braucht einen Regelkatalog, der vom Staubsauger- Stop bis zum Facebook-Verbot reicht. Arbeitspausen sind trotzdem ausdrücklich erlaubt - allerdings mit Begrenzung.

Aus DIE ZEIT :: 07.07.2011

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