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Karriere und Karrierechancen

Ausgewählte Ergebnisse aus dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013.

Karriere und Karrierechancen© olly - Fotolia.comDer Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 beschäftigt sich mit den Aussichten universitärer Karrieren

Habilitationsquoten

Im wissenschaftlichen Karriereverlauf auf dem Weg zur Professur schließt sich an die Promotion nach wie vor überwiegend die Phase der Habilitation an, für die eine Durchschnittsdauer von fünf Jahren angenommen wird. Im Zeitraum zwischen 2003 und 2005 wurden im Durchschnitt jährlich rund 24.000 Promotionen abgeschlossen. Fünf Jahre später beläuft sich die jährliche Anzahl der Habilitationen im Zeitraum von 2008 bis 2010 im Durchschnitt auf rund 1.800. Die Habilitationsquote beträgt damit sieben Prozent.

Gegenüber dem Beobachtungszeitraum zwischen 1998 und 2000 (Promotionen) sowie 2003 und 2005 (Habilitationen) hat sie sich um zwei Prozentpunkte verringert. In der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport wird die höchste Habilitationsquote erreicht, gefolgt von Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften sowie Kunst, Kunstwissenschaft. Am niedrigsten liegen die Habilitationsquoten in den Fächergruppen Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Ingenieurwissenschaften sowie Veterinärmedizin. Mit neun Prozent ist die Habilitationsquote der Männer höher als die Quote der Frauen (fünf Prozent). In den vergangenen Jahren ist die Quote sowohl bei Frauen als auch bei Männern um einen Prozentpunkt gesunken. Die höchste Habilitationsquote erreichen Frauen in den Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport. Bei den Männern trifft dies auf die Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften zu; hier bleibt die Quote der Frauen deutlich hinter der der Männer zurück. Dasselbe lässt sich in der Veterinärmedizin beobachten. Annähernd gleiche Habilitationsquoten können bei Frauen und Männern in den Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften sowie Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften verzeichnet werden.

Karriere und Karrierechancen © Forschung & Lehre Tabelle 1: Neuberufungsquoten nach ausgewählten Fächergruppen und Geschlecht

Neuberufungsquoten

Gemessen am jeweiligen Durchschnittsalter werden Wissenschaftler im Mittel drei Jahre nach der Habilitation auf Universitätsprofessuren (ohne Juniorprofessuren) berufen. Zwischen 2005 und 2007 wurden jährlich durchschnittlich rund 1.900 Habilitationen abgeschlossen. Drei Jahre zeitversetzt beläuft sich die Anzahl der jährlichen Neuberufungen auf rund 600 im Durchschnitt (2008 bis 2010). Die Neuberufungsquote beträgt damit 33 Prozent (Tabelle 1).

Die Fächergruppe mit der höchsten Neuberufungsquote sind die Ingenieurwissenschaften, gefolgt von den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Mittelfeld liegen die Fächergruppen Kunst, Kunstwissenschaft, Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport sowie Mathematik, Naturwissenschaften. In der Veterinärmedizin sowie in den Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften bewegen sich die Neuberufungsquoten im unteren Drittel. Am geringsten fällt die Neuberufungsquote in Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften aus. Frauen der Habilitationsjahrgänge 2005 bis 2007 erreichen mit 35 Prozent eine leicht höhere Neuberufungsquote (Neuberufungen 2008 bis 2010) als Männer (32 Prozent). Dies ist jedoch allein auf die Fächergruppen Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zurückzuführen, in denen Frauen deutlich höhere Quoten als Männer aufweisen. In Mathematik, Naturwissenschaften sind die Neuberufungsquoten geschlechtsspezifisch ausgeglichen. In allen anderen Fächergruppen liegen die Quoten der Männer über denen der Frauen. Insgesamt ergibt die Berechnung, dass auf drei Habilitationen eine Neuberufung auf eine Universitätsprofessur (ohne Juniorprofessur) entfällt.

Karriere und Karrierechancen © Forschung & Lehre Tabelle 2: Verhältnis Habilitationen zu altersbedingt ausscheidenden Professorinnen und Professoren 2010

Altersbedingter Ersatzbedarf

Im Berichtsjahr 2010 sind rund 25.000 Professoren an Universitäten und Kunsthochschulen tätig. Altersbedingt scheiden davon knapp 600 (s. Tabelle 2) aus. Im selben Jahr werden fast 1.800 abgeschlossene Habilitationen verzeichnet, so dass im Verhältnis auf drei Habilitationen im Durchschnitt eine Emeritierung fällt. Bei der Abschätzung der Berufungschancen muss berücksichtigt werden, dass sich in den letzten Jahren neue Wege der wissenschaftlichen Qualifizierung von Post-docs etabliert haben (z.B. Nachwuchsgruppenleitung) und über die Landeshochschulgesetze eine Öffnung für vielfältige Formen des Nachweises der Berufungsfähigkeit erfolgt ist.

Die Relation von Habilitationen und Emeritierungen unterscheidet sich im Vergleich der Fächergruppen erheblich. Während in den Ingenieurwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Kunst, Kunstwissenschaft Habilitationen und Emeritierungen annähernd die gleiche Größenordnung erreichen, übertrifft die Anzahl der Habilitationen in den Fächergruppen Sport, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sowie Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften die der altersbedingt frei werdenden Professuren um ein Vielfaches. Bis 2020 werden an deutschen Universitäten und Kunsthochschulen voraussichtlich rund 6.600 Professoren (auf Dauer) altersbedingt ausscheiden. Es handelt sich um einen relativ kontinuierlich verlaufenden Prozess, eine Emeritierungswelle ist nicht zu erwarten.

Karriere und Karrierechancen © Forschung & Lehre Tabelle 3: Anteil altersbedingt ausscheidender Professorinnen und Professoren 2011 bis 2020 an den Professorinnen und Professoren insgesamt 2010 nach Fächergruppen
Bezogen auf den Bestand an Professorinnen und Professoren 2010 an Universitäten und Kunsthochschulen entspräche dies einer Emeritierungsquote von insgesamt mehr als einem Drittel (36 Prozent) im Zeitraum 2011 bis 2020. Die höchsten Anteile weisen mit gut zwei Fünfteln die Fächergruppen Sport, Kunst, Kunstwissenschaft sowie Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften (jeweils 42 Prozent) auf. Im Vergleich der Fächergruppen (ohne zentrale Einrichtungen) fällt die Emeritierungsquote in den Rechts-, Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (29 Prozent) am geringsten aus (s. Tabelle 3). Im Jahr 2010 wurden für die Besetzung einer Universitätsprofessur durchschnittlich 21 Bewerbungen eingereicht. Dabei steigt die Zahl der Bewerbungen je zu besetzender Stelle mit der Höhe der Besoldungsgruppe kontinuierlich an (Tab. A3-19).

Entwicklung des Durchschnittsalters

Im Berichtsjahr 2010 sind die Studienanfängerinnen und -anfänger an Universitäten im Durchschnitt 21,3 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Studierenden beträgt 25,5 Jahre, und ein Hochschulabschluss wird im Durchschnitt mit 27,6 Jahren erworben. Das Durchschnittsalter der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die 2010 promoviert haben, liegt bei 32,7 Jahren, zum Zeitpunkt der Habilitation ist der Durchschnitt 40,8 Jahre alt. Die neu berufenen Professoren an Universitäten (einschließlich Juniorprofessur) sind 2010 im Durchschnitt 41 Jahre alt, darunter am jüngsten sind neu berufene Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren mit durchschnittlich 35,3 Jahren. W2-Professorinnen und - Professoren sind bei Neuberufung im Durchschnitt sechs Jahre älter (41,4 Jahre). Neu berufene W3-Professorinnen und -Professoren weisen wiederum ein um ein Jahr höheres Durchschnittsalter auf (42,3 Jahre). Frauen nehmen ihr Studium früher auf, schließen es eher ab und sind zum Zeitpunkt der Promotion im Durchschnitt ein Jahr jünger als Männer. Im weiteren wissenschaftlichen Qualifizierungsverlauf schwindet dieser zeitliche Vorsprung. Zum Zeitpunkt der Habilitation weisen Wissenschaftlerinnen ein höheres Durchschnittsalter auf als Wissenschaftler. Bei den Neuberufungen vertieft sich dieser Altersabstand zwischen den Geschlechtern mit aufsteigender Besoldungsgruppe von durchschnittlich 0,3 (Juniorprofessur) auf o,g Jahre (W3).

Karriere und Karrierechancen © Forschung & Lehre Tabelle 4: Verhältnis der Bewerbungen zu den Berufungen von Professorinnen und Professoren an Universitäten 2010
Im Vergleich der drei Eckjahre 2000, 2005 und 2010 nimmt das Durchschnittsalter der Nachwuchswissenschaftler zum Zeitpunkt der Promotion zunächst zu und geht 2010 auf das Durchschnittsalter des Jahres 2000 zurück. Während das Durchschnittsalter der Frauen im Zeitverlauf abnimmt, steigt das der Männer an. Frauen sind zum Zeitpunkt der Promotion in allen drei Eckjahren jünger als die Männer, wobei der Altersabstand zwischen den Geschlechtern im Zeitverlauf zunimmt. 2010 sind Männer zum Zeitpunkt der Promotion im Durchschnitt über ein Jahr älter als Frauen.

Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Habilitation steigt zwischen 2000 und 2010 von 39,8 auf 40,8 Jahre an. In allen drei Eckjahren sind die Frauen zum Zeitpunkt der Habilitation im Durchschnitt geringfügig älter als Männer, wobei sich der durchschnittliche Altersabstand der Geschlechter verringert. Das Durchschnittsalter der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Neuberufung sinkt zwischen 2000 und 2010 tendenziell. Das betrifft in erster Linie den Zeitraum zwischen 2000 und 2005 (von 42,2 auf 40,5 Jahre). Im Anschluss setzt ein leichter Anstieg auf 41 Jahre ein bis zum Jahr 2010. Während Frauen im Jahr 2000 noch ein höheres Durchschnittsalter bei Neuberufung aufweisen, liegt es 2005 unter dem von Männern. Bis zum Jahr 2010 nimmt bei beiden Geschlechtern das Durchschnittsalter der Neuberufenen wieder leicht zu.

Karriere und Karrierechancen © Forschung & Lehre Überblick zur Entwicklung von wissenschaftlicher Qualifizierung und universitärer Karriere 2000 bis 2010 (in Pers.)
Innerhalb der Besoldungsgruppen lassen sich in den Eckjahren deutliche Unterschiede beim Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Neuberufung ausmachen. Im Jahr 2000 liegt das niedrigste Durchschnittsalter bei Neuberufung mit 39,1 Jahren für die C2-Besoldung vor. Die C3- und C4-Neuberufungen erfolgen durchschnittlich 2,8 und 3,5 Jahre später. Im Jahr 2005 sind nach Einführung der Juniorprofessur dort die durchschnittlich jüngsten Neuberufungen zu verzeichnen (35,4 Jahre). Mit deutlichem Altersabstand von durchschnittlich fünf und sechs Jahren folgen Neuberufungen der W2- und W3-Besoldung, die insgesamt allerdings etwa ein Jahr jünger erfolgen als bei Neuberufung der C3- und C4-Besoldungsgruppen des Jahres 2000. Das Durchschnittsalter der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der W2- und W3-Neuberufungen steigt um jeweils durchschnittlich ein Jahr an, so dass sich der durchschnittliche Altersabstand zum Durchschnittsalter bei Neuberufung auf eine Juniorprofessur (35,3 Jahre) weiter vergrößert und durchschnittlich zwischen sechs und sieben Jahren beträgt. Während 2000 und 2005 in einzelnen Besoldungsgruppen der Altersdurchschnitt von Frauen zum Zeitpunkt der Berufung noch geringer ausfiel als der von Männern, sind Frauen 2010 in allen Besoldungsgruppen älter.

Entnommen aus dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013, hg. vom Konsortium Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs.

Aus Forschung & Lehre :: Mai 2013

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