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Karriereplanung: Lässt sich Karriere planen?


Interview: CATALINA SCHRÖDER

Niemand kann seinen Berufsweg vom Einstieg bis zur Rente heute vorhersagen. Beraterin Petra Spiess sagt, wie wichtig Karriereplanung dennoch ist.

Lässt sich eine Karriere noch planen?© Petra Spiess
DIE ZEIT: Wann fängt Karriereplanung an?

Petra Spiess: Grundsätzlich sollte man zwischen Bildungs- und Berufsplanung unterscheiden. Die Bildungsplanung beginnt im Kindesalter und ist Aufgabe der Eltern. Wenn sie ihrem Kind viele Anreize bieten, kann es seine Neigungen herausfinden, zum Beispiel über Sommercamps, Musikunterricht oder einen Chemiebaukasten. Die konkrete Berufsplanung beginnt mit dem ersten Praktikum, denn damit gebe ich eine Richtung vor, in die ich mich entwickeln möchte. Auch wenn ich dabei herausfinde, dass ich mir diesen Job ganz anders vorgestellt habe, ist ein erster Schritt getan.

ZEIT: Was muss ich bei der Karriereplanung berücksichtigen?

Spiess: Neben der Branche, in der man arbeiten möchte, sollte man sich zunächst überlegen, ob man in einem Großkonzern oder eher in einem mittelständischen Unternehmen arbeiten möchte. Wer sich für den Mittelstand entscheidet, sollte viele Praktika absolvieren. Das ist hier wichtiger als zum Beispiel Auslandserfahrung, die unbedingt Voraussetzung für einen Großkonzern ist. Neben dem Beruf muss ich aber meine gesamten Lebenspläne bedenken: Möchte ich Kinder haben? Habe ich Hobbys, für die ich ausreichend Zeit einplanen will, oder finde ich im Job meine Erfüllung?

ZEIT: Und wie finde ich heraus, für welche Art von Karriere ich geeignet bin?

Spiess: Wer viel Wert auf Sicherheit legt, sollte sich einen festen Job in einer konservativeren Branche suchen. Braucht man hingegen häufig Veränderungen, ist man in einem flexiblen Job richtig und sollte darüber nachdenken, freiberuflich zu arbeiten. Diese Grundsatzfrage muss man sich ehrlich beantworten. Darüber hinaus hilft die Einschätzung von Freunden, der Familie oder von Professoren. Sie können zum Beispiel beurteilen, ob man andere führen kann oder ob man offen auf neue Menschen zugeht.

ZEIT: Wie lange im Voraus kann man Karriere planen?

Spiess: Maximal zehn bis fünfzehn Jahre. Alles darüber hinaus ist unrealistisch. Denn die Möglichkeiten, die der Arbeitsmarkt bietet, ändern sich heute sehr schnell.

ZEIT: Wie kann die Karriereplanung konkret aussehen?

Spiess: Ich kann zum Beispiel ein Berufsplanungs-Tagebuch führen. Am besten notiert man hier einen richtigen Projektplan. Das Ziel ist der Job oder die Position, die ich einmal erreichen möchte. Für den Weg dorthin setzt man sich Zwischenziele. Wenn man bereits weiß, in welchem Unternehmen man einmal arbeiten möchte, sollte man während des Studiums dort ein Praktikum machen. Wer schon im Beruf ist, plant, welche Karrierestufen er in den nächsten Jahren erreichen will. Es hilft, alle drei bis vier Monate in das Buch zu schauen, um sich zu motivieren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

ZEIT: Wie oft sollte ich Job und Position wechseln?

Spiess: In konservativeren Jobs wie zum Beispiel dem Controlling ist es wichtig, länger in einer Abteilung zu bleiben. Fünf bis sechs Jahre sind ein guter Richtwert. Wer schneller wechselt, wirkt sprunghaft und unzuverlässig. Im Marketing hingegen ist das ganz anders. Dieser Bereich ist viel agiler, und die Mitarbeiter sollen flexibel sein. Wer hier arbeitet, kann gerade zu Beginn seiner Karriere alle zwei bis drei Jahre die Position wechseln. Zusätzlich gilt: Wer eine Fachkarriere machen möchte, bleibt länger auf einer Position, um sich genügend Wissen anzueignen. Wer eine Managementkarriere anstrebt, sollte häufiger die Position wechseln, um schneller aufzusteigen.

ZEIT: Was kann ich tun, um mich in der Position weiterzuentwickeln, die ich aktuell innehabe?

Spiess: In Deutschland ist Netzwerken häufig noch verpönt, dabei ist das eine tolle Chance weiterzukommen. Viele Dinge werden nicht in Konferenzen besprochen. Wer es schafft, durch Mittagspausen, ein gemeinsames Feierabendbier oder den Lauftreff mit den Kollegen ein Netzwerk aufzubauen, bekommt mit, was im Unternehmen vor sich geht. So schafft man persönliche Kontakte, ohne jeden Kollegen gleich in sein Privatleben zu lassen. Und wann immer man die Gelegenheit dazu hat, sollte man in Feedback-Gesprächen mit den Vorgesetzten sagen, welche Ziele man verfolgt und was man bereits erreicht hat. So wird deutlich, dass einem der Job und die eigene Entwicklung wichtig sind.

ZEIT: Sollte man einiges auch einfach auf sich zukommen lassen?

Spiess: Die Arbeitsmarktsituation bleibt immer ein Risiko. Natürlich kann ich durch Studien herausfinden, ob es sich heute lohnt, ein Architekturstudium zu beginnen und ob in fünf Jahren Architekten gebraucht werden. Doch Arbeitsmarktkrisen lassen sich nie hundertprozentig voraussagen. Ich rate dazu, sich nach den eigenen Neigungen zu richten. Wer voll hinter seinem Studium steht, hat gute Chancen, damit auch einen Job zu finden.

ZEIT: Womit kann ich mir eine Karriere verbauen?

Spiess: Wer falsche Vorstellungen von seiner Leistungsfähigkeit und seinen Eigenschaften hat, behindert die eigene Entwicklung. Hält man sich beispielsweise für besonders organisiert und strebt eine Führungsposition an, obwohl man eher chaotisch ist, geht das meist daneben. Man sollte darauf achten, sich nicht zu sehr von anderen in eine Richtung drängen zu lassen, und sich immer wieder die Frage stellen: Stehe ich hinter dem, was ich tue? Wer gegen seine persönlichen Wertvorstellungen Karriere machen will, scheitert schnell.

Aus DIE ZEIT :: 01.09.2011

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