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Kein Geld für Hiwis

Von JAN-MARTIN WIARDA

Warum die Münchner LMU ihren Hilfskräften den Lohn schuldig bleibt.

Kein Geld für Hiwis© manfredxy - iStockphoto.comDie LMU hat mittlerweile Abhilfe versprochen und will noch im Dezember ihre Schulden unbürokratisch-zunächst über Abschlagszahlungen-begleichen
An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) warten Hunderte studentischer Hilfskräfte seit Oktober auf ihren Lohn. Beschwerden wurden offenbar über Wochen hinweg meist ignoriert - oder gar mit Gegenangriffen der zuständigen Verwaltungsabteilung bedacht. Mittlerweile belaufen sich die Schulden der LMU bei den Betroffenen auf mehrere Hunderttausend Euro, nicht beziffert werden können die damit verbundenen Existenzängste der Hiwis. »Einige wissen nicht, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen«, sagt Friedrich Siemers, Geschäftsführer der Studentischen Vertretung (StuVe).

Seit die Studentenvertreter sich der Sache angenommen und eigens einen E-Mail-Verteiler für Beschwerden eingerichtet haben, gehen täglich Berichte ein, in denen sich klamme Hiwis vor allem über die Behandlung durch die Verwaltung Luft machen: Warum er anrufe, sei zum Beispiel ein Student von der Sachbearbeiterin angemeckert worden, es gebe schließlich noch viele andere Betroffene. Offenbar handelt es sich ausnahmslos um Hiwis, die in diesem Wintersemester ihren Job begonnen haben, nach Angaben der StuVe etwa 800. »Die Ursache unserer Probleme liegt in der Einführung einer neuen landesweit eingesetzten Software zur Personalverwaltung durch das Landesamt für Finanzen«, sagt der zuständige LMU-Vizepräsident Christoph Mülke. Gegen die habe sich seine Uni nicht wehren können - genauso wenig wie die anderen Hochschulen in Bayern. Das Landesamt weist die Gehälter zentral an und benötigt dafür die Angaben der Hochschulen - eben über das neue, offenbar ungeeignete Computerprogramm. Denn dass sich die Bearbeitungszeit pro neuem Hiwi-Vertrag von gut zehn Minuten auf über eine Stunde vervielfacht hat, bestätigen weitere bayerische Hochschulen auf Anfrage - und drängen auf rasche Nachbesserungen. Und doch: Andere Unis, darunter die zweitgrößte im Freistaat, Erlangen-Nürnberg, haben die Umstellung bewältigt, ohne ihre Hiwis finanziell trockenzulegen. Warum also ist gerade an der LMU das Chaos so groß geworden? »Wir sind einfach die größte Hochschule in Bayern «, sagt Christoph Mülke. »Und dafür ist die Verwaltung vergleichsweise klein.« An der 46 000 Studenten starken LMU waren bislang lediglich zwei Sachbearbeiter mit insgesamt 2300 Hiwi-Arbeitsverträgen beschäftigt, während zum Beispiel Erlangen noch bis Ende 2012 eine eigene »Bezügestelle« hat. Zugutehalten muss man der LMU auch, dass sie bereits im Sommer mit Problemen gerechnet und eine weitere Stelle ausgeschrieben hat. Den betroffenen Studenten hilft das jedoch wenig: Der neue Sachbearbeiter fängt erst im Januar an.

Immerhin hat die LMU mittlerweile Abhilfe versprochen. Noch im Dezember will sie ihre Schulden »unbürokratisch«, wie es heißt, begleichen - über Abschlagzahlungen. Die genaue Berechnung folgt später. Dennoch ist die Münchner Hiwi-Krise vor allem ein Lehrstück für nicht gelungene Krisenkommunikation: Bis vergangene Woche hatten die Studenten nie ein offizielles Wort der Erklärung bekommen - und keinen Hinweis darauf, wie lange sie noch auf ihr Geld warten müssen. Ein von der StuVe angeregtes Gespräch mit der Uni-Leitung war ebenfalls über Tage nicht zustande gekommen. Und was die versprochenen Abschlagszahlungen angeht: Zwar besteht Mülke darauf, das habe nichts mit der öffentlichen Empörung zu tun, sondern man sei selbst auf die Idee gekommen; doch kam die Sache erst richtig in Gang, nachdem die Misere von der Presse aufgegriffen wurde. Studenten als gleichberechtigte Partner zu behandeln ist mittlerweile ein Gemeinplatz in den Reden deutscher Uni-Präsidenten. Die LMU erlebt gerade, was passiert, wenn man den Reden keine Taten folgen lässt.

Aus DIE ZEIT :: 22.12.2010

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