Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Konkurrenzfähige Professoren-Gehälter

von Ulrich Rüdiger

Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zeigt es nun schwarz auf weiß, wie schwierig es für die Universitäten ist, mit der W-Besoldung herausragende Wissenschaftler zu gewinnen und an sich zu binden. Die Universität Konstanz befindet sich seit vergangenem Jahr in einer komfortableren Position, da ihr die Hector-Stiftung drei Millionen Euro zur Verfügung stellt, mit denen sie Gehaltsbestandteile zusätzlich zur W-Besoldung finanzieren kann. Fragen an den Rektor der Universität Konstanz.

Konkurrenzfähige Professoren-Gehälter© Forschung & LehreProfessor Dr. Ulrich Rüdiger ist Rektor der Universität Konstanz

Forschung & Lehre:

Wie schafft es eine kleine deutsche Elite-Universität, mittels W-Besoldung wissenschaftliche Kapazitäten an der Universität zu halten bzw. zu gewinnen?

Ulrich Rüdiger:

Konkurrenzfähige Berufungs- und Bleibeangebote sind maßgeschneiderte Angebote, die nicht nur wissenschaftliche Ausstattungsaspekte, sondern auch familiäre und sehr persönliche Bedürfnisse berücksichtigen müssen. Die Universität Konstanz kann ein sehr gutes wissenschaftliches, forschungs- und familienfreundliches Umfeld bieten.

F&L:

Sie haben drei Millionen Euro von der Hector-Stiftung erhalten, um die Professoren-Gehälter aufzustocken und damit international herausragende Wissenschaftler zu gewinnen. Wie ist das in einem öffentlich-rechtlichen Besoldungssystem möglich?

Ulrich Rüdiger:

Die Besoldungsgesetze von Baden-Württemberg lassen das zu, so dass zeitlich befristet zusätzliche Besoldungskomponenten aus dem Hector- Personalfonds der Universität Konstanz angeboten werden können.


F&L:

Wie werden diese zusätzlichen Mittel verbucht? Wo tauchen sie im Personalhaushalt auf?

Ulrich Rüdiger:

Die Mittel aus der Hector-Stiftung werden als Drittmittel erfasst; je nach Bedarf sind sie als persönliche Gehaltskomponenten oder als Personal-, Sach- oder Investitionsmittel zu verbuchen.

F&L:

Nach welchen Kriterien werden die Mittel vergeben, und wer entscheidet über deren Vergabe?

Ulrich Rüdiger:

Die Kriterien werden durch die Notwendigkeiten von Berufungs- und Bleibeverhandlungen definiert, im Rahmen derer auch die Entscheidung über die Vergabe getroffen wird.

F&L:

Die Hector-Stiftung unterstützt mit ihren Mitteln speziell die sog. Elite- Universitäten. Trifft hier der alte Spruch zu: Wer hat, dem wird gegeben?

Ulrich Rüdiger:

Auch alte Sprüche treffen zuweilen inhaltlich nicht zu.

F&L:

Wie erfährt ein Bewerber, dass es über die W-Besoldung hinaus Mittel gibt, die die Stelle noch attraktiver machen? Sprechen Sie dafür gezielt Wissenschaftler an?

Ulrich Rüdiger:

Das ergibt sich aus der spezifischen Situation einer Berufungsoder Bleibeverhandlung.

F&L:

Nimmt die Hector-Stiftung - abgesehen von dem gewünschten Fokus auf die sog. "MINT-Fächer", die sich aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammensetzen - weitergehenden Einfluss?

Ulrich Rüdiger:

Nein, die Hector-Stiftung übt keinen Einfluss auf Berufungsund Bleibeverhandlungen aus.

F&L:

Erzeugen solche privaten Spenden nicht mittel- und langfristig Unzufriedenheit bei denen, deren Fächer gerade weniger gefragt sind?

Ulrich Rüdiger:

Das kann ich nicht bestätigen. In den verschiedenen Fachdisziplinen sind die individuellen Notwendigkeiten und Fördermöglichkeiten sehr unterschiedlich.

F&L:

Können Sie jetzt häufiger mit der ETH Zürich oder amerikanischen Spitzenhochschulen konkurrieren?

Ulrich Rüdiger:

Das wird sich erst erweisen müssen. Bisher hat sich die Universität Konstanz auch dank der Hector-Mittel gegen nationale und internationale Konkurrenz gut behaupten können.



Aus Forschung & Lehre :: März 2012

Ausgewählte Artikel
Ausgewählte Stellenangebote