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Lächelnde Strategin

VON JAN-MARTIN WIARDA

Der DAAD hat eine neue Präsidentin.

Sabine Kunst© Soeren Stache - Pressestelle DAADProf. Dr. Dr. Sabine Kunst, 55, ist die neue Präsidentin des DAAD
Es sind Fragen, die Sabine Kunst inzwischen aus dem Effeff beantwortet. Was sie als gerade gewählte Präsidentin der weltgrößten akademischen Austauschorganisation erreichen will? »Dafür sorgen, dass mindestens 50 Prozent der Studierenden im Laufe ihres Studiums mindestens einmal ins Ausland gehen.« Was sie dafür braucht? »Mehr Geld.«

Das ist der Stil der im äußersten Norden Deutschlands geborenen Ingenieurin: erst exakt die Ziele definieren und sie dann mit einer strategischen Zähigkeit verfolgen, die viele der kleinen Frau auf den ersten Blick nicht zutrauen - wenn nötig in knallharten Verhandlungen, aber immer mit einem Lächeln. Das haben auch die Potsdamer Studenten gelernt, als sie im Winter den größten Hörsaal über Wochen besetzt hielten und Uni-Chefin Kunst ihre Proteste kurzerhand ins Abseits manövrierte, indem sie ein riesiges Partyzelt als Ersatz aufstellen ließ. Beim bislang größten Wettbewerb für exzellente Hochschullehre hat die 55-Jährige ihre Hochschule als einzige Universität Ostdeutschlands zum Erfolg geführt.

Und jetzt also Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD): Ein Ehrenamt, das die Hochschulmanagerin neben dem Potsdamer Job ausüben will. Ihr ambitioniertes 50-Prozent-Ziel kann sie dann gleich von zwei Seiten angehen: Die Quote der Potsdamer Auslandsfahrer ist mit einem Drittel gerade mal deutscher Schnitt. Der Sprung nach oben könne nur gelingen, wenn der DAAD seine Stipendien so flexibel gestalte, dass die Hochschulen ihre Studenten zu jedem Punkt im Studium losschicken könnten, sagt Kunst. Einerseits. »Anderseits müssen die Hochschulen selbst besser werden dabei, ihre Studenten beim Gang ins Ausland zu unterstützen und die Anerkennung ihrer Studienleistung leichter zu machen.«

Letzteres darf man auch als Selbstkritik verstehen. Wenn ihr Plan gelingt, wird die Rechnung für den Staat garantiert teurer, weshalb Kunst ihre Forderung nach Geld nicht fantasielos findet: Nur mit internationaler Zusammenarbeit könnten die globalen Herausforderungen bewältigt werden. »Wir wissen das Engagement des Bundes, auch im internationalen Vergleich, wirklich zu würdigen, aber es kann und muss noch mehr werden.« Eine weitere Mammutaufgabe dürfte werden, sich besser mit anderen wissenschaftlichen Austauschträgern zu koordinieren. Einige Angebote von DAAD, Humboldt-Stiftung und Co. ähneln sich beträchtlich - und jede Organisation verteidigt ihre Pfründen.

Aus DIE ZEIT :: 08.07.2010

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