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Leeres Versprechen

Von JAN-MARTIN WIARDA

Zehn Prozent für Bildung und Forschung bleiben in weiter Ferne.

Leeres Versprechen© giftgruen - Photocase.comDie Zehn-Prozent-Bildungsrepublik ist unrealistisch wie eh und je
Der deutsche Wirtschaftsboom geht weiter. Sensationelle 3,4 Prozent Wachstum erwartet die Organisation der Industrieländer, die OECD, jetzt für 2011. An sich Grund zur Freude, doch einigen Politikern wird mulmig zumute: Bis 2015 wollen sie ein Zehntel der Wirtschaftsleistung für Bildung und Forschung ausgeben - willkommen, Bildungsrepublik! Rechnen wir nach. 2009 ließ sich der Staat die Bildung (ohne Forschung) 4,1 Prozent des Volkseinkommens kosten.

Ein Rekordwert - allerdings verzerrt durch den krassen Wirtschaftseinbruch. Und selbst 2009 kamen die Ausgaben für Bildung und Forschung insgesamt nicht einmal in die Nähe der zehn Prozent. 2011 wiederum müssten Bund, Länder und Gemeinden wegen des Booms gut 11 Milliarden Euro mehr ausgeben als 2009, allein um den Anteil der Bildungsausgaben stabil zu halten, von der Forschung ganz zu schweigen.

Kleiner Realitäts-Check: Hamburg will bei den Hochschulen sparen, Hessen tut es bereits, die Schuldenbremse zwingt die armen Länder zu Einschnitten, selbst der vermeintlich so spendable Bund kommt für die Bildung allein bestenfalls auf eine Milliarde zusätzlich. Sicher: Mehr Geld für die Bildung - egal, wie viel - ist immer gut. Doch klar ist auch: Die großspurig verheißene Zehn-Prozent-Bildungsrepublik ist unrealistisch wie eh und je.

Aus DIE ZEIT :: 01.06.2011

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