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Leitbild der CDU/CSU-Wissenschaftsminister

 

Das neue Leitbild der CDU/CSU-Wissenschaftsminister betont sowohl die Gleichwertigkeit der Universitäten und Fachhochschulen, als auch den hohen Wert von "Kooperationsverbünden".

Leitbild der CDU/CSU-WissenschaftsministerKatharina Reiche, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bildung
Die CDU/CSU-Wissenschaftsminister der Länder haben sich für eine Fortführung der Exzellenzinitiative und ihre "strikte Ausrichtung" auf Qualitätskriterien ausgesprochen.

In einem am 7. Juli 2008 in Berlin vorgestellten "Leitbild Wissenschaft und Hochschulen in Deutschland - Wissenschaft schafft Zukunft" betonen die Minister weiter, Universitäten und Fachhochschulen seien "gleichwertige Hochschuleinrichtungen mit unterschiedlicher Funktion".

"Immer weniger kommt es auf die Betonung einer vermeintlichen Hierarchie zwischen den verschiedenen Hochschularten an, immer mehr auf das spezifische Qualitätsprofil einer Hochschule."

Die Zusammenarbeit der Hochschulen untereinander und mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen müsse weiter entwickelt werden. Dasselbe gelte für die Kooperation mit Unternehmen der jeweiligen Region. In den auf diese Weise entstehenden "Kooperationsverbünden" müssten die Hochschulen ihre Stellung als "Innovationszentren und Wachstumskerne" ausbauen.

Gefragt seien neue Formen der Zusammenarbeit bis hin zu einer "möglichen Zusammenführung". Die Minister wollen die Grundlagenforschung sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften "nachhaltig" stärken. Allerdings müsse auch die "Wertschöpfungskette von der Forschung über die Entwicklung bis zur Produktion oder Dienstleistung" geschlossen oder enger geknüpft werden.

Hochschulen brauchen nach Ansicht der Minister Freiräume. Der Staat müsse noch klarer von einer Aufsichtsinstanz zum "strategischen Partner zum Erreichen vereinbarter Ziele" werden. Haushaltsrechtliche Detailsteuerung müsse ersetzt werden durch die Kombination einer qualitäts- und leistungsorientierten Zuweisung staatlicher Mittel.

Die Wissenschaftsminister betonen, dass "das Humboldtsche Universitätskonzept" "Leitlinie" für die deutschen Hochschulen bleibe. Nur in Verbindung mit freier und exzellenter Forschung entfalte sich herausragende Lehre, nur gute Lehre sorge für qualifizierten und motivierten wissenschaftlich ausgebildeten Nachwuchs.

Deshalb müssten an den Universitäten exzellente Forschung und Lehre gestärkt werden. "Dies gilt, dem Hochschultyp entsprechend, auch für Fachhochschulen".



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Hard Times - Der Kommentar von Felix Grigat

"Also, ich will Fakten. Lehre diese Jungen und Mädchen nichts als Fakten. Fakten allein werden im Leben verlangt. Pflanze nichts anderes und reiße alles andere aus. Man kann die Gehirne von vernünftigen Tieren nur formen mit Fakten: Nichts anderes wird ihnen jemals helfen."

So beginnt Charles Dickens Roman "Hard Times" - die wohl anschaulichste Demonstration utilitaristischer Erziehung. Er sei den CDU/CSU-Wissenschaftsministern zur abschreckenden Lektüre empfohlen. Denn in ihren "Leitlinien" kommen sie diesem Ton gefährlich nahe.

Wer davon spricht, dass die "Wertschöpfungskette von der Forschung über die Entwicklung bis zur Produktion oder Dienstleistung geschlossen" werden müsse, wer die Hochschulen bloß als "Wachstumskerne" für Wirtschaft und Gesellschaft wahrnehmen kann, verdient ein Utilitarist reinsten Wassers genannt zu werden.

Zugleich zu behaupten, das "Humboldtsche Universitätskonzept" solle "Leitlinie" für die deutschen Hochschulen bleiben, ist entweder dreist oder beruht auf völliger Unkenntnis.

Die Kant-Schleiermacher- Humboldt-Universität ist ohne ihre dezidierte Utilitarismuskritik nicht zu haben. Sie ist als Ort gedacht, an dem es, in Distanz zur Gesellschaft, um die Wahrheit um ihrer selbst willen und nicht um eines bestimmten Zweckes willen geht. Ohne dies werden Universitäten zu Lehr- und Forschungsfabriken. Man schaue sich nur um!


Autor: Felix Grigat
Felix Grigat, M.A., ist verantwortl. Redakteur von Forschung & Lehre.

Aus Forschung und Lehre :: August 2008

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