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Masse mit Klasse

Von Jan-Martin Wiarda

Die Zweifel am Wettbewerb für gute Lehre waren unbegründet.

Masse mit Klasse© madochab - Photocase.comEndlich wird neben exzellenter Forschung auch exzellente Lehre vom Staat monetär gefördert
Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vergangenes Jahr ihren Plan verkündete, nach den Exzellenzmilliarden für die Forschung nun endlich nennenswerte Beträge in einen Wettbewerb für gute Lehre zu stecken, war ihr der Beifall der Hochschulrektoren sicher. Als dann jedoch klar wurde, dass sie nicht ein paar Sieger auszeichnen wollte, sondern Dutzende, ja mehr als hundert gar, begann bei Experten hier und da das Stirnrunzeln: Heißt das Motto etwa »Jeder Antrag gewinnt?« Und führt dieses Gießkannenprinzip nicht die Grundidee ad absurdum, nur wirklich gute Initiativen zu belohnen?

Heute lässt sich sagen: Die Bedenken waren unberechtigt. Vergangene Woche sind die Namen der Siegerhochschulen bekannt geworden, und obwohl es 111 an der Zahl sind, zeigt der Wettbewerb, dass die Förderung von Klasse und von Masse nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen. Zwei Milliarden Euro bis 2020, das ist immer noch ein ordentlicher Batzen Geld pro Hochschule. Hinzu kommt: Das Programm hat eine Kreativität in Sachen guter Lehre offenbart, die vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Die Menge der abgelehnten Anträge mag mit 93 zwar gering erscheinen, doch entscheidend ist, dass überhaupt eine Bewerberauswahl stattfand und es eben nicht reichte, ein paar Formulare auszufüllen. Das schönste Signal aber, dass der Wettbewerb die Wertschätzung der Lehre tatsächlich nach vorne bringt, waren die stürmischen Reaktionen der Siegerhochschulen. Ihre stolzen Pressemitteilungen füllten die Postfächer der Bildungsjournalisten wie sonst nur zu Zeiten der Exzellenzinitiative. All jene Professoren und Dozenten, die sich jahrelang für eine bessere Betreuung ihrer Studenten eingesetzt haben und denen die Anerkennung allzu oft versagt blieb - endlich stehen sie im Rampenlicht. Bitte, liebe Rektoren, lasst sie dort jetzt auch stehen.

Aus DIE ZEIT :: 26.05.2011

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