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Masterarbeit im Unternehmen schreiben: Als Spezialist einsteigen

von Verena Manhart

Das Potential von Masterabsolventen haben Unternehmen längst erkannt. Immer mehr Firmen bieten Studierenden die Möglichkeit, ihr Fachwissen bereits vor dem Studienabschluss in der Praxis anzuwenden - mit einer Masterarbeit im Unternehmen.

Masterarbeit im Unternehmen schreiben: Als Spezialist einsteigen© kasto - Fotolia.comDie Masterarbeit im Unternehmen bietet die Möglichkeit, das im Studium erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden
Die größte Motivation für ein weiterführendes Masterstudium ist für viele die persönliche Weiterbildung sowie die Verbesserung der Berufschancen. Die eigenen fachlichen Neigungen zu vertiefen und sich zum Experten zu entwickeln, spielen eine große Rolle. Das fachliche Know-how, welches sich Studierende im Masterstudium aneignen, ist für viele Unternehmen attraktiv. Mit rund 90 Prozent ist der Master der beliebteste aller Studienabschlüsse bei deutschen Firmen, so ein Ergebnis der Studie "JobTrends 2013" des Staufenbiel Instituts. Das führt dazu, dass viele Unternehmen bereits gezielt Themen für Masterarbeiten ausschreiben.

Anwendungsorientiert arbeiten

Auch für die Studierenden hat diese Variante der Abschlussarbeit Vorteile. "Wenn man etwas machen will, das Anwendung findet, ist eine Masterarbeit im Unternehmen ideal", sagt Arno Zimmermann, der an der Technischen Universität Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Als er im Masterstudium ein Praktikum bei Bayer in China macht, wird er auf ein interessantes Projekt des Unternehmens aufmerksam, das sich als Thema für seine Masterarbeit anbietet. "Es geht darum, eine Technologie des Unternehmens weiterzuentwickeln, mit der sich CO² in Plastik umwandeln lässt," erklärt der 26-Jährige. "Ein äußerst spannendes und innovatives Thema." Nachdem er eine sehr theoretische Bachelorarbeit an der Universität geschrieben hat, reizt ihn die Herausforderung einer stark praxisorientierten Masterarbeit. "Am Ende kommt immer etwas heraus, das einen Effekt für das Unternehmen hat, das ist sehr zufriedenstellend." Den hohen Praxisbezug und die ergebnisorientierte Mitarbeit in einem Team sind für viele Studierende ein großer Anreiz, die Masterarbeitsphase von immerhin sechs Monaten in einem Unternehmen zu verbringen.

"Bei der Bachelorarbeit habe ich drei Monate in der Bibliothek verbracht. Das wollte ich auf keinen Fall noch mal machen", erzählt Ralf Knudsen. Nach seinem Bachelor in Betriebswissenschaftslehre an der Universität Eichstätt-Ingolstadt zieht es den 27-Jährigen ins Ausland. An der Copenhagen Business School schreibt er sich zum Masterstudium ein, Spezialgebiet Rechnungswesen. Sammelt praktische Erfahrungen als Werkstudent und über eine Praxisarbeit im Unternehmen. Er entschließt sich, auch die Masterarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. "Die Möglichkeit, ein Problem des Berufsalltags so eingehend mit der Theorie zu bearbeiten, bekommt man später kaum noch", gibt Knudsen als einen wichtigen Vorzug der Masterarbeitsphase im Unternehmen an. Seine Wahl fällt auf das Edelmetall- und Technologie-Unternehmen Heraeus, auf das er über die Liste der sogenannten Hidden Champions aufmerksam wird. Das sind besonders erfolgreiche Unternehmen, die trotz ihres Erfolges oft unbekannt sind.

Betreuung und Thema müssen bei der Masterarbeit stimmen

Obwohl er die Möglichkeit hat, in zwei anderen Unternehmen leichtere Themenstellungen zu bearbeiten, entscheidet sich Knudsen für die seiner Meinung nach anspruchsvollste Variante. "Ich hatte bei Heraeus das Gefühl, die größte Unterstützung zu bekommen." Neben der guten fachlichen Betreuung erhält Knudsen während der Masterarbeitsphase auch eine angemessene Vergütung vom Unternehmen. Dass die Finanzierung nicht zu unterschätzen ist, weiß auch Zimmermann, der ebenfalls von der Vergütung des Unternehmens seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Wer seine Arbeit in Vollzeit schreiben will, für den wird es ohne finanzielle Förderung schwierig. Den größten Ausschlag sollte jedoch die Begeisterung für das Thema geben und der Wunsch, sich damit als Experte für den Arbeitsmarkt attraktiv zu machen. Auch Zimmermann ist überzeugt davon, dass man beim Thema für die Masterarbeit keine großen Kompromisse eingehen sollte. "Wenn einen das Thema nicht vom Hocker haut, macht es keinen Spaß, zu schreiben - egal ob im Unternehmen oder in der Hochschule." Zudem betont der Wirtschaftsingenieur, dass man strukturiert und konzentriert vorgehen sollte, um sich nicht zu verzetteln. Auch bei sehr hohen Ansprüchen an sich selbst gilt: man muss das Rad nicht neu erfinden.

Feedbackschleifen und Fristverlängerungen

Für die Masterarbeit ist ein ganzes Semester vorgesehen. Um den roten Faden während dieser sechs Monate nicht zu verlieren, müssen die Studierenden die Spielregeln berücksichtigen. "Man hat drei Spieler: den Professor, den Studenten und den Betreuer aus der Firma. Deren Interessen müssen auf ihre Schnittmengen hin überprüft werden", beschreibt Zimmermann die besondere Herausforderung einer Masterarbeit im Unternehmen. "Feedbackschleifen sind daher unglaublich wichtig. Eine regelmäßige Kommunikation ist zwar mitunter anstrengend, aber unbedingt nötig, um gut voranzukommen." Das gilt besonders, wenn Schwierigkeiten mit dem gewählten Thema auftreten. "Man sollte das Thema so schnell wie möglich eingrenzen", rät Knudsen anderen Studierenden, die ihre Masterarbeit noch vor sich haben. Wegen seines breit angelegten Themas, der Mitarbeit im Unternehmen und einiger Uni-Kurse, die er noch belegen muss, braucht er insgesamt siebeneinhalb Monate. Für seine Kopenhagener Professoren ist das zum Glück kein Problem, in Deutschland sind die Fristen allerdings oft strenger. Das Thema gut zu strukturieren und früh in den Schreibprozess einzutreten, ist wichtig, um zeitlich zurecht zu kommen.

Masterarbeit als Karrierekick

Seit Februar 2013 ist Knudsen in dem zweijährigen Trainee-Programm Finance & Controlling von Heraeus. "Wir haben große Gestaltungsmöglichkeiten und können die einzelnen Stationen mitbestimmen", freut sich der 27-Jährige, der für das Unternehmen gerade mehrere Monate in den USA verbringt. Nach den zwei Jahren hat er gute Chancen auf eine Festanstellung. Zimmermann, der gerade erst seine Masterarbeit abgegeben hat, plant schon den nächsten großen Wurf: Er will in dem gleichen Projekt auch eine Doktorarbeit schreiben. Die Weichen für seine Mitarbeit in dem von der EU geförderten Projekt sind bereits gestellt. Auch wenn während der Masterarbeitsphase sowohl bei Zimmermann als auch bei Knudsen oft der Kopf rauchte, der Schreibprozess stockte und die Verzweiflung groß war - beide würden ihre Masterarbeit jederzeit wieder in einem Unternehmen schreiben. Zu groß sind die spannenden Perspektiven, die sich ihnen dadurch eröffnet haben.

academics :: November 2013