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Masterstudienplätze dringend gesucht

von Felix Grigat

Die Nachfrage nach Masterstudienplätzen wird laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung an den Hochschulen und in den Ländern bislang unterschätzt. Einige Schlaglichter der CHE-Hochrechnung.

Masterstudienplätze dringend gesucht© xy - Fotolia.comDie Kapazitäten an Masterstudienplätzen werden der steigenden Nachfrage nicht gerecht
Für zwei Drittel der Bachelor-Studiengänge gelten laut Süddeutscher Zeitung von diesem Herbst an Zulassungsbeschränkungen. Hohe Hürden gebe es bei Psychologie und Betriebswirtschaftslehre, aber auch für Germanistik. Bei den 20 größten Universitäten ist die Zulassung für 68 Prozent der regulären Bachelorstudiengänge beschränkt, berichtet die Zeitung aufgrund eigener Recherchen.

Unterschätzte Nachfrage nach dem Master

Der Bedarf an Masterstudienplätzen wird einer Modellrechnung des Centrums für Hochschulentwicklung zufolge in den nächsten Jahren dramatisch steigen. Gegenüber den bisher vom Hochschulpakt eingeplanten Masterstudienplätzen könnten allein im Spitzenjahr 2016 rechnerisch 36.000 Bachelorabsolvierende auf den Beginn des Masterstudiums verzichten müssen, sollte das höchste von drei Berechnungsszenarien eintreffen. Selbst bei der vorsichtigen Annahme, dass nur jeder zweite Bachelorabsolvent ein Masterstudium anschließt, sei mit einem deutlich höheren Anstieg der Nachfrage zu rechnen, als es bisher ausfinanzierte Masterstudienplätze gibt.

Die Entwicklung der Nachfrage nach Masterstudienplätzen in den nächsten Jahren werde bisher planerisch an den Hochschulen und hochschulpolitisch in den Ländern laut Studie unterschätzt. Nach Modellrechnungen des CHE werde die Nachfrage nach Masterstudienplätzen kontinuierlich steigen, bis im Jahr 2016 ein Höchstwert erreicht wird, der, je nachdem, welches Szenario betrachtet wird, zwischen 175.000 und 265.000 Masteranfängern liege - falls genügend Masterangebote zur Verfügung stehen werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 gab es 113.737 Masterstudienanfänger. Die berechneten Szenarien zeigen die Dramatik auf, die nun im Masterbereich auf die Hochschulen zukomme, sagen die Autoren der Studie.

Das Hoch der Studienanfänger für das Erststudium bleibe noch länger erhalten. Dazu komme schon bald spürbar die Welle der Bachelorabsolventen, die einen Master anschließen möchten und für die bisher noch nicht ausreichend Plätze geschaffen worden seien.

Die Szenarien, die von CHE Consult berechnet wurden, gelten für Übergangsquoten vom Bachelorabschluss in ein Masterstudium von 50, 69,4 und 85 Prozent. Das Szenario, in dem eine Übertrittsquote von 85 Prozent angenommen wird, sei aktuell am besten geeignet, um die bisherigen Zahlen der Anfänger(innen) im Master zu erklären. Unter dieser Annahme würden allein im Spitzenjahr 2016 rechnerisch 36.000 Bachelor jedoch auf den Beginn des Masterstudiums verzichten müssen, wenn allein die über das Hochschulpaktszenario berechneten Masterstudienplätze bis dahin geschaffen würden.

Die Mittel für den Hochschulpakt hätten laut CHE für etwa zwei von drei Bachelorabsolventen einen Masterplatz mitfinanziert, jedoch hätten die Hochschulen bisher hauptsächlich in Bachelorstudiengänge investiert, was auch sinnvoll gewesen sei. Jetzt gebe es aber deutlich mehr Studierende, als durch den Hochschulpakt abgedeckt werde. Es müsse nun dringend in den Masterbereich investiert werden, und dafür müssten zusätzliche Mittel von der Politik bereit gestellt werden. Der Hochschulpakt 2020 enthalte derzeit jedenfalls kein geeignetes Instrumentarium, um den erforderlichen Ausbau von Masterkapazitäten zu stimulieren.

Master als Regelabschluss

Nach Ansicht des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) muss die Einrichtung von Bachelor- und Master-Studiengängen an Universitäten der universitären Ausbildung durch Wissenschaft gerecht werden. Deshalb müsse nicht mehr der Bachelor, sondern der Master der Regelabschluss des universitären Studiums sein. Um das Regel-Ausnahme-Verhältnis von Bachelor und Master umzukehren, müssten zusätzliche Lehrkapazitäten geschaffen werden. 70 bis 80 Prozent der Studierenden müssten mit einem Master abschließen können.

Aus Forschung & Lehre :: September 2013

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