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Max-Planck-Gesellschaft will eigenes Promotionsrecht

 

Die Max-Planck-Gesellschaft und Universität Mainz planen die gemeinsame Gründung der "MPG-Research School" - mit Promotionsrecht.

Max-Planck-Gesellschaft will eigenes Promotionsrecht© MPI für Chemie
In Mainz soll eine gemeinsame GmbH von Max- Planck-Gesellschaft und der Universität Mainz mit Promotionsrecht gegründet werden. Dazu soll in einer Novellierung des rheinland-pfälzischen Hochschulgesetzes eine entsprechende Klausel aufgenommen werden. Diese "MPG-Research School" soll aus der Universität ausgegliedert werden.

Nach Informationen von Forschung und Lehre gibt es Überlegungen, das Modell nach einer Pilotphase von zwei Jahren auf andere Projekte auszuweiten. Auch sei es absehbar, dass Universitätsprofessoren als "Fellows" der GmbH von der Lehre freigestellt würden und die Universität dafür einen Geldbetrag überwiesen bekomme. Von diesem Geld müsste sie dann mit Lehraufträgen dafür sorgen, die Lehre aufrechtzuerhalten.

Unterdessen haben die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) eine Ausweitung des Promotionsrechts auf Einrichtungen außerhalb der Universitäten kritisiert - eine Idee, die im Zusammenhang mit der Einführung von Graduate Schools diskutiert wird. "Die Ausweitung des Promotionsrechts würde den Forschungsbetrieb der Universitäten untergraben. Deshalb warnen wir mit Nachdruck davor, dass Graduate Schools aus dem Universitätsverbund herausgelöst und mit eigenem Promotionsrecht ausgestattet werden", betont DPG-Präsident Eberhard Umbach. "Das Recht zur Promotion muss den Universitäten vorbehalten bleiben."

Die KFP, die Vereinigung aller 58 Physik-Fachbereiche an deutschen Universitäten, und die DPG sehen in der Ausweitung des Promotionsrechts auf außeruniversitäre Institutionen einen "massiven Eingriff in das deutsche Wissenschaftssystem zu Lasten der Universitäten". Das Promotionsrecht sei ein Alleinstellungsmerkmal der Universitäten und wesentlicher Bestandteil der universitären Einheit von Lehre und Forschung. Der Forschungsbetrieb an den Universitäten beruhe maßgeblich auf der Arbeit der Doktoranden. Viele dieser Nachwuchswissenschaftler arbeiteten schon jetzt an außeruniversitären Einrichtungen, würden allerdings an den Universitäten promoviert. "Dies ist ein bewährtes Verfahren und Teil einer eingespielten Partnerschaft zwischen Universitäten und außeruniversitären Institutionen," heißt es in der Erklärung. Verlören die Universitäten jedoch das Promotionsrecht als Alleinstellungsmerkmal, dann stehe zu befürchten, dass Doktoranden ganz an außeruniversitäre Einrichtungen abwanderten. Für die Forschungsleistung der Universitäten hätte dies fatale Konsequenzen.

Auch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat für die Zusammenarbeit von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen betont, dass bei Kooperationen die Partner gleichberechtigt sein und zugleich ihre unterschiedlichen Wesensmerkmale und Aufgabenstellungen anerkannt werden sollen.

Zu diesen wesentlichen Unterschieden zählen nach Überzeugung der HRK die auftragsfreie und projektunabhängige interdisziplinäre Verknüpfung von Grundlagenforschung und Lehre der Universitäten mit dem nur dadurch möglichen einheitlichen und kontinuierlichen Auswahl- und Qualifikationssystem (berufsqualifizierende Lehre, Promotion, Berufungsbefähigung). Das Recht, akademische Grade - einschließlich der Promotion - zu verleihen, dürfe "weder unmittelbar noch mittelbar" auf die außeruniversitären Forschungseinrichtungen ausgedehnt werden. In den Promotionsverfahren sei eine enge Zusammenarbeit der Universitäten mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen erwünscht. Vorschläge, die auf eine Herauslösung von Forschungseinheiten aus den Hochschulen und auf die Schaffung neuer Einrichtungen hinausliefen, seien nicht akzeptabel. Eine "Filetierung" von Hochschulen mindere auch die Chancen der Studierenden.



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"Dammbruch" - Ein Kommentar von Michael Hartner zur Forderung der Max-Planck-Gesellschaft nach einem eigenen Promotionsrecht

Geht 2008 in die deutsche Universitätsgeschichte als das Jahr ein, in dem die Universität ihr Promotionsrecht verlor?

Für den Angriff auf das Alleinstellungsmerkmal "Promotionsrecht" gab es Vorboten: Die Gründung außeruniversitärer Graduiertenkollegs, die zweite und dritte Linie der Exzellenzinitiative, der Kannibalisierungs- Vorschlag einer Berliner "Super-Uni". Jetzt scheint die Universität sturmreif, um ihr die besten Stücke zu entreißen.

Die gut finanzierte Spitzenforschung hat sie ohnehin schon weitgehend eingebüßt. Die Universität zu schlachten - das ist (toll)kühn. In jedem Fall ist es ein Spiel mit dem Feuer, das MPG-Präsident Gruss und die rheinland-pfälzische Ministerin Ahnen betreiben. Denn das ist ein Thema mit Empörungspotential. Zudem erzeugt Druck Gegendruck.

Wann fordern die Universitäten, ab sofort keine weiteren außeruniversitären Einrichtungen mehr zu gründen, deren finanzielle Vorzugsstellung zu beenden und die universitäre und außeruniversitäre Forschung unter Federführung der Universitäten stärker zu verklammern?

Keine andere Wissenschaftsnation leistet sich einen so großen außeruniversitären Forschungsanteil. Wo bleibt die internationale Expertenkommission, die Vorschläge unterbreitet, wie die Universität wieder ins Zentrum des deutschen Forschungssystems rückt?

Aus Forschung und Lehre :: Januar 2008

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