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Gehalt Medizin - Was man in Medizinberufen verdient

Von Julia Holzapfel

Zwar gewinnen Ärzte jeden Gehaltsvergleich, dennoch gibt es innerhalb der Branche Medizin und Zahnmedizin deutliche Unterschiede beim Einkommen. Ein Überblick.

Medizin Gehalt - Was man in Medizinberufen verdient © Marie Maerz - Photocase.de Der Studiengang Medizin bietet Absolventen das höchste Gehalt
Sie sind die Spitzenreiter beim Vergleich der Gehälter von Akademikern: Das Gehalt einer Person mit Studienabschluss in Medizin oder Zahnmedizin lag 2016 bei 79.538 Euro brutto pro Jahr - 40 Prozent über dem Durchschnitt aller Fach- und Führungskräfte. Diese Top-Position gilt schon beim Einstiegsgehalt: Mediziner verdienen zu Karrierebeginn 52.036 Euro - mehr als alle anderen Studiengänge.

Gehalt Medizin: Das verdient man in Praxen und Kliniken

Wer als Arzt gerne sein eigener Chef ist, eröffnet oder übernimmt eine Praxis. Immer mehr Jungmediziner scheuen allerdings das unternehmerische Risiko. In Hinblick auf das Gehalt lohnt sich der Sprung in die Selbstständigkeit. Der Reinertrag einer Praxis lag 2011 bei 181.000 Euro für Allgemeinmediziner und sogar bei 297.000 Euro für Augenärzte.

Ärzte in deutschen Kliniken sind zum überwiegenden Teil im Rahmen eines Tarifvertrags angestellt und in eine der Entgeltgruppen Assistenz-, Fach-, Oberarzt oder leitender Oberarzt eingeteilt. Innerhalb dieser Gruppen ist eine Steigerung des Gehalts für Mediziner mit wachsender Berufserfahrung vorgesehen. Ein Facharzt an einem kommunalen Krankenhaus verdient bei Einstellung 5.656,92 Euro brutto pro Monat, bereits nach drei Jahren erhöht sich dieser Betrag auf 6.131,23 Euro.

Neben dem medizinischen Personal sorgen in Krankenhäusern Verwaltungsmitarbeiter für reibungslose Abläufe. Ihre Einkünfte liegen im Schnitt deutlich unter jenen der Ärzte - selbst wenn man den Geschäftsführer mit dem Chefarzt vergleicht: Der durchschnittliche Chefarzt verdient 285.000 Euro brutto pro Jahr, das Topmanagement einer Klinik 194.000 Euro. In vielen Krankenhäusern ist es zudem üblich geworden, einen Teil des Gehalts an Leistungs- und Erfolgsfaktoren zu knüpfen.

Gehalt von Ärzten in Unikliniken

An den 34 Universitätskliniken in Deutschland haben Ärzte einen eigenen Tarifvertrag, der zwar eine höhere Regelarbeitszeit, aber auch einen höheren Verdienst für Hochschulmediziner vorsieht - im Vergleich zu den Kollegen, die nach TdL (Tarifvertrag der Länder) bezahlt werden. Ihren Arbeitsalltag teilen Mediziner an Unikliniken häufig zwischen der Versorgung von Patienten, der Forschung und der Lehre auf. Überwiegt der forschende Teil für länger als zwölf Monate, fallen sie in den TdL. Ein Zustand, den Ärztevertreter seit Jahren anprangern, weil dadurch die Motivation sinke, als Arzt auch zu forschen.

Die Dreiteilung ihrer Tätigkeit bringt den Ärzten mehr Abwechslung und interdisziplinäre Kontakte, dafür opfern sie häufig ihre Freizeit. Laut einer Umfrage arbeiten drei Viertel der Ärzte an Unikliniken mehr als 48 Stunden wöchentlich, 23 Prozent davon kommen auf über 60 Stunden pro Woche.

Gehalt Medizin: Unterschiede zwischen Fachrichtungen

In der Praxis wie in der Klinik hängt das Gehalt von Humanmedizinern stark vom Fachgebiet ab. Während der Durchschnittschirurg mit 103.000 Euro bereits einen sechsstelligen Bruttojahresverdienst vorweisen kann, liegt ein Allgemeinmediziner mit 65.944 Euro fast 40.000 Euro darunter. Die Tarifverträge behandeln zwar alle Fachärzte gleich, doch Zuschläge für Nacht- und Bereitschaftsdienste oder Personalverantwortung erzeugen Gehaltsunterschiede.

Was verdient ein Zahnmediziner?

Bei angehenden Zahnärzten ist seit Jahren der Trend zur Anstellung in einer Praxis erkennbar. Gründung oder Übernahme kommt für viele nicht mehr infrage. Das Gehalt eines angestellten Zahnarztes variiert stark und liegt zwischen 34.500 und 54.200 Euro pro Jahr. Es steigt merklich mit zunehmender Erfahrung, wie der weiterführende Artikel "Gehalt Zahnmedizin" deutlich macht.

Ein unterschätzter Bereich: Medizintechnik

Ihre Arbeit ist in Praxen und Kliniken allgegenwärtig, und dennoch wird sie bei der Betrachtung des Berufsfeldes Medizin oft ausgeklammert: die Medizintechnik. 2016 lag das Jahresgehalt von Ingenieuren der Branche laut einer Umfrage im Mittel bei 65.292 Euro - ganze 8.000 Euro über dem allgemeinen Durchschnittsgehalt von Fach- und Führungskräften. Mit 48.038 Euro unterschreitet ihr Verdienst am Karriereanfang nur knapp das Einstiegsgehalt von Medizinern. Innerhalb des Arbeitsfeldes sind allerdings Differenzen zu bemerken: Große Konzerne bezahlen besser, Frauen verdienen weniger als Männer, und das Gehalt der Medizintechniker in Deutschland fällt von Nord nach Süd ab, wie der Artikel "Gehalt Medizintechnik" im Detail beleuchtet.

academics :: 05.10.2017