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Mehr Ehre für die Lehre

Von Alexandra Werdes

Eine neue Exzellenzinitiative kürt die Hochschulen mit den besten Ideen für das Studium. Geld gibt es dafür aber nur wenig.

Mehr Ehre für die Lehre: Exzellenzinitiative© Ruhr Universität Bochum - PressestelleStudenten der Ruhr-Universität Bochum
Welche Hochschulen haben die besten Zukunftsstrategien für die Lehre? Ende des Jahres soll es darauf eine Antwort geben. Seit einer Woche läuft die Ausschreibung für den Wettbewerb "Exzellente Lehre", veranstaltet vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und von der Kultusministerkonferenz. Den zehn Siegern winkt ein Preisgeld von je einer Million Euro. Es ist der Versuch, nach der Exzellenzinitiative in der Forschung die staatlichen Hochschulen nun auch zu Höchstleistungen in der Lehre zu animieren.

Die Ruhr-Universität Bochum könnte ein aussichtsreicher Kandidat sein. "Im Kopf haben wir den Antrag schon fertig", sagt Christina Reinhardt, die dort die Stabsstelle für interne Fortbildung und Beratung leitet. Verraten will Reinhardt nur so viel: "Die Lehrenden und Studierenden wissen am besten, was ihnen nützt, und die Profis in der Personalentwicklung müssen daraus inhaltliche Angebote machen. Wenn man dieses Dreieck in einen guten Einklang bringt, dann kann das einen qualitativen Sprung für die ganze Universität bedeuten."

Als einzige Hochschule in Deutschland hat die Ruhr-Universität vor wenigen Jahren ihre Abteilungen für Personalentwicklung und Hochschuldidaktik fusioniert. Reinhardts Abteilung bietet anstelle von tagelangen Methoden-Seminaren individuelle Beratung und Coaching an. Sie lädt die neuen Juniorprofessoren zum Austausch mit erfahrenen Lehrenden ein. Der jüngste Coup ist ein hochschulinterner Wettbewerb, in dem nicht Lehr-, sondern Lernexperten gesucht werden: Die Studierenden selbst sollen sich bei der Stabsstelle als Berater bewerben.

"Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen", sagt Bettina Jorzik vom Stifterverband. Es gebe bereits viel gute Lehre in Deutschland, doch oft fehle "ein bisschen mehr Fantasie". Die Gutachterkommission habe deshalb bewusst darauf verzichtet, allzu konkrete Anforderungen zu formulieren; die Teilnehmer sollten "sich austoben" können. Jorzik hofft, dass der Wettstreit so in "einen Ideenpool" mündet. Die ausgezeichneten Hochschulen sollen sich zu einem Qualitätszirkel zusammenschließen und eine Charta guter Lehre erarbeiten.

Die Ausgangspositionen sind dabei sehr unterschiedlich; während die einen schon bei der Kür sind, plagen sich die anderen immer noch mit der Pflichtübung, der Umstellung auf Bachelor und Master. Die Ruhr-Universität hat den Bologna- Prozess schon 2003 vollzogen - "so haben wir Zeit gewonnen, uns in dem neuen System einzurichten", meint Reinhardt. Dagegen wird die Berliner Humboldt-Universität erst im Wintersemester die letzten vier Fachbereiche in die neuen Studiengänge überführen. Gleichzeitig zeige sich, dass man die bereits reformierten Curricula "teilweise überstrukturiert" habe, wie Jens Uwe Nagel, Vizepräsident für Studium und Internationales, meint. "Flexibilisierung" und "Studierbarkeit" seien deshalb ein großes Thema für die Uni. "Wir werden versuchen, Lösungen aufzuzeigen für Probleme, die uns besonders bedrücken", sagt Nagel.


Überlegungen gingen in die Richtung, wie man Studiengänge so gestaltet, dass auch Studenten mit zeitraubenden Nebenjobs zügig ihren Abschluss machen können. Die Uni habe sich aber "noch nicht auf konkrete Projekte festgelegt". Eine internationalere Ausrichtung liegt Nagel am Herzen, der das schwindende Interesse an Auslandsprogrammen wie Erasmus mit Sorge sieht. Dann sei da noch die grundlegende Frage, wie die Betreuung der Studierenden intensiviert werden kann - auch wenn sich am Verhältnis von einer Professur auf 100 Studenten nicht drehen lässt. "An der Unterfinanzierung der Hochschullehre wird sich nicht viel ändern, und mit dem Preisgeld wird man die prämierten Konzepte auch sicher nicht ausfinanzieren können", sagt Bettina Jorzik. "Der Wettbewerb kann nur vielversprechende Konzepte sichtbar machen und diejenigen belohnen, die sich engagieren und eigene Mittel in die Lehre investieren."

Mit fünf Millionen Euro bringt der Stifterverband die Hälfte des Preisgeldes auf, die andere Hälfte zahlen die Länder, deren Hochschulen ausgezeichnet werden. Insgesamt zehn Millionen Euro - verschwindend wenig im Vergleich zu den 1,9 Milliarden, die Bund und Länder für die Exzellenzinitiative zur Förderung der Spitzenforschung lockergemacht haben.

"Mit der deutlich geringeren Dotierung kann man natürlich assoziieren, dass die Lehre weniger wert sei als die Forschung", sagt Ute von Lojewski, Präsidentin der Fachhochschule Münster. Und trotzdem. "Wir könnten mit dem Gewinn verdammt viel machen", meint sie. "Wir würden in Menschen investieren, die die Ideen weitertragen - um die best practice-Beispiele auch auf andere Fachbereiche auszurollen." Für die Fachhochschulen gelten im Wettbewerb dieselben Anforderungen wie für die Universitäten, nur treten sie nicht in direkte Konkurrenz. Am Ende werden jeweils die fünf Besten prämiert. Die Hochschule Münster hat eigens eine wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Wettbewerb eingestellt, eine fächerübergreifende Arbeitsgruppe bereitet den Antrag vor. Als Stichwörter nennt von Lojewski "aktivierende Lehre" und "Schlüsselqualifikationen": So wie die fachlichen Kompetenzen im Curriculum genau festgelegt seien, könnte auch die Vermittlung der sogenannten Soft Skills für die jeweiligen Fächer und Ausbildungsstufen organisiert werden. "Auf diese Weise werden auch die wichtigsten Elemente in unserem Qualitätsmanagement noch mal geschärft", sagt von Lojewski. "Deshalb lohnt sich schon die Teilnahme am Wettbewerb."

Der Stifterverband macht dennoch keinen Hehl daraus, dass er sich von der Kultusministerkonferenz ein größeres finanzielles Engagement für die Lehre gewünscht hätte. "In der Exzellenzdebatte scheint es, als hätte die Lehre an der Spitzenleistung einer Hochschule und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit keinen Anteil", meint Bettina Jorzik. Ursprünglich hatte der Stifterverband deshalb analog zur Exzellenzinitiative in der Forschung drei Förderlinien angeregt - "Nachwuchsförderung" über Stipendien und Gastdozenturen, "Strukturbildung" durch die Einrichtung von Kompetenzzentren und "Strategieentwicklung" durch einen Exzellenzwettbewerb um Zukunftskonzepte. "Aus unserer Sicht wird nun nur die dritte Förderlinie umgesetzt", sagt Jorzik. "Und der große Unterschied zur Exzellenzinitiative ist, dass eine Million Euro für viele Hochschulen kein finanzieller Anreiz ist."

Stattdessen bleibt nur das Motto der Auftaktveranstaltung des Wettbewerbs: "Mehr Ehre für die Lehre". Doch schon die scheint bitter nötig: "Selbst wenn es nur 100 Euro gäbe, würden wir uns beteiligen", meint Humboldt-Vizepräsident Nagel. "Ruhm und Anerkennung, Beförderungen, Mittelzuweisungen - das ganze Belohnungssystem an den Universitäten läuft nur über die Forschung", sagt er. Als Lehrer könne man allenfalls auf dankbare Studenten hoffen. "Der Wettbewerb rückt das wenigstens ein bisschen zurecht."

Aus DIE ZEIT :: 29.01.2009

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