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Mehr Eigensinn! Förderung von Auslandsuniversitäten trotz Geldmangel?

Von Jan-Martin Wiarda

Der Bund investiert Millionen in Unis im Ausland - ohne klare Strategie.

Mehr Eigensinn! Förderung von Auslandsuniversitäten trotz Geldmangel?© Vladimir Liverts - Fotolia.com
Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist begeistert. Ein Konsortium aus 22 deutschen Hochschulen, das die geplante Deutsch-Türkische Universität (DTU) in Istanbul tragen soll, stehe endlich, damit rücke die Gründung der DTU einen entscheidenden Schritt näher. Mittelfristig sollen dort bis zu 5000 einheimische Studenten lernen, das Bundesbildungsministerium will mit 3,5 Millionen Euro zu den jährlichen Kosten beitragen. Angesichts der gewaltigen Unterfinanzierung deutscher Schulen und Hochschulen ist das keine geringe Investition in das Bildungssystem eines anderen Landes. Zumal die DTU mittlerweile schon die vierte deutsche Auslandsuniversität ist, die nach immer demselben Muster gegründet und über Jahre gefördert werden soll, insgesamt unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) derzeit sogar 38 Studienprojekte im Ausland, die Anzahl der Studiengänge liegt bei derzeit 124.

Wer die unbeliebte Frage nach dem Warum stellt, dem begegnen in der Regel zwei Erklärungsmuster. Nummer eins: Die Amerikaner machen es, die Briten auch, die Australier sowieso - nur logisch, dass die Deutschen mit ihren Auslandsuniversitäten nachziehen müssen. Der Verweis auf die internationalen Wettbewerber im Bildungsmarkt unterschlägt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Die Auslandsdependancen britischer oder australischer Universitäten sind meist privatwirtschaftliche Tochterunternehmen, die ohne Staatszuschüsse auskommen müssen und sich über extrem hohe Studiengebühren finanzieren. Ihr Gewinn trägt zur Verbesserung der Studienbedingungen an den Mutterhochschulen bei. Weil im deutschen Fall bis auf wenige Ausnahmen kein Profit, nicht einmal eine Rückzahlung der Gelder vorgesehen ist, wird rasch die zweite Rechtfertigung hinterhergeschoben: Zwischen Deutschland und den Partnerländern (neben der Türkei derzeit Ägypten, Jordanien und Vietnam) bestünden enge kulturelle Bindungen und Wirtschaftskontakte, insofern profitiere Deutschland, und sei es nur ideell, von der Ausbildung dortiger Fachkräfte. Das Problem dieser Begründung ist, dass sie kaum nachprüfbar ist.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Der internationale Austausch in Wissenschaft und Forschung ist immens wichtig. Doch die Erkenntnis, dass sich auch mit deutschen Bildungsangeboten im Ausland Geld verdienen ließe, widerstrebt der immer noch arg idealistischen deutschen Auffassung, Bildung sei kein Wirtschaftsgut. Es wird Zeit, dass sich das ändert: Australiens Bildungssystem etwa generiert jedes Jahr Milliarden über den internationalen Bildungsaustausch - Geld, das größtenteils den einheimischen Studenten zugutekommt. Solche Dimensionen können und sollten deutscher Hochschulen nicht anstreben. Aber ein bisschen mehr Eigensinn könnte sich das deutsche Bildungssystem an dieser Stelle wirklich erlauben. Die anderen, siehe oben, tun es ja auch.

Aus DIE ZEIT :: 02.07.2009

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