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Mehr Studienabbrecher in Bachelor-Studiengängen

 

Eine neue Studie belegt, dass die Bachelor-Studiengänge die Anzahl der Studienabbrecher nicht minimiert haben. Zudem beklagen Deutsche Unternehmer ein mangelndes Fachwissen der Bachelor- und Master-Absolventen.

Mehr Studienabbrecher in Bachelor-Studiengängen
Die neuen Bachelorstudiengänge produzieren anders als erhofft bislang nicht weniger, sondern mehr Studienabbrecher. Für die Studienanfänger der Jahre 2000 bis 2004 liegt die entsprechende Quote an den Fachhochschulen bei 39 Prozent, an den Universitäten dagegen bei 25 Prozent. Sieht man die Studiengänge insgesamt, so beträgt der Anteil der Studienabbrecher an den Universitäten 20 Prozent, bei den Fachhochschulen 22 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Studie des Hochschulinformationssystems (HIS) hervor. Allerdings bestand der Absolventenjahrgang 2006, den die HIS-Studie in den Blick nimmt, nur zu sieben Prozent aus Studenten mit Bachelortitel. Nach Auskunft von HIS ist der Abbruch des Studiums überdurchschnittlich häufig in Studienbereichen zu finden, die schon bislang durch eine hohe Studienabbrecherrate gekennzeichnet waren.

Es gebe starke Indizien dafür, dass die Anzahl der Studienabbrecher in den Bachelor-Studiengängen der Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften an den Fachhochschulen überdurchschnittlich hoch ausfalle. Dabei könnten nach Ansicht der Hochschulforscher die hohen Abbruchraten "nicht dazu dienen, das Konzept der neuen Studienstrukturen oder sogar den gesamten Bologna- Prozess" in Frage zu stellen. "Vielmehr weisen die fächergruppenspezifischen Differenzen darauf hin, dass der Studienerfolg in den Bachelor- Studiengängen im Zusammenhang zu sehen ist mit der Art und Weise, wie die Bachelor-Master-Strukturen umgesetzt wurden", heißt es bei HIS. Insgesamt zeige die Studie, dass sich der Studienabbruch an den deutschen Hochschulen weiter verringert habe. Von 100 deutschen Studienanfängern der Jahrgänge 1999 bis 2001 hätten 21 ihr Erststudium ohne Examen aufgegeben. Bei der letzten Berechnung, die den Studienanfängern von 1997 bis 1999 galt, habe diese Quote noch bei 22 Prozent gelegen.

Deutsche Unternehmer beklagen ein mangelndes Fachwissen der Bachelor- und Master-Absolventen

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages hat unterdessen ergeben, dass Deutsche Unternehmer Defizite beim Fachwissen als größte Schwäche der Bachelor- und Master-Absolventen benennen. Nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt, sehen 36 Prozent der Firmen bei den Bachelor- und 24 Prozent bei den Master-Absolventen Verbesserungsbedarf. Dies sei ein Zeichen dafür, dass die Neugestaltung der Studiengänge nicht überall gelungen ist. Noch immer würden zu viele alte Studiengänge umetikettiert und nicht anhand der gewünschten Lernergebnisse sinnvoll neu strukturiert. Mehr als 70 Prozent der Unternehmer halten eine stärkere Anwendungsorientierung für die wichtigste Anforderung an die Bachelor und Master-Studiengänge.

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, sagte: "Wir sind jetzt in der Phase der Nachsteuerung, um die Reform zum Erfolg zu führen." Dies betreffe die Anerkennungspraxis an den Hochschulen, die Gestaltung der Prüfungen, den Qualifikationsrahmen für Curricula oder Teilzeitstudiengänge. Auch die Frage, ob die Bologna- Reform die nationale und internationale Mobilität der Studierenden wie angestrebt fördert, müsse geprüft werden. Daraus könne sich unter anderem die Frage ergeben, ob die Konzentration auf den sechssemestrigen Bachelor in Deutschland überall richtig sei. Ein sieben- oder achtsemestriger Bachelor könne u.U. sinnvoller sein, um Praxisanteile oder Auslandssemester zu integrieren oder die Studienpläne zu entzerren.

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Pannenstatistik - Ein Kommentar von Michael Hartmer

Es läuft nicht rund mit BA/MA. Eine Panne jagt die nächste. Diesmal gibt HIS den Hiob: Mehr Abbrecher als in den atavistischen Zeiten ohne studentischen Workload. Das ist schlichtweg desaströs. Schon deshalb folgen die Beschwichtigungen ("alles Kinderkrankheiten") und Schuldzuweisungen (der Staat, der zu wenig investiert; die Hochschulen, die zu viel fordern) auf dem Fuße.

Von den Kernzielen des Bologna-Prozesses, bessere internationale Passfähigkeit, Erhöhung der studentischen Mobilität, Verkürzung der Studienzeiten, Verringerung der Abbrecherquote und Reform der Studieninhalte ist bei Licht besehen nur Letzteres (bislang) uneingeschränkt erreicht. Ein bisschen dünne für eine Jahrhundertreform.

Aus Forschung und Lehre :: März 2008

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