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Mentalitätswechsel! Perspektiven für Lehrbeauftragte

Von Christine Teichmann

In vielen Fachbereichen kann das reguläre Lehrangebot nur durch Lehrbeauftragte garantiert werden. Doch warum geschieht dies zu Dumpingpreisen? Ein Plädoyer für eine veränderte Einstellung zur Lehre.

Mentalitätswechsel! Perspektiven für Lehrbeauftragte© mskowronek - iStockphoto.comSind Lehrbeauftragte unterbezahlt?
Ein Lehrauftrag ist heute gängige Praxis in der akademischen Ausbildung. Ständig wachsende Studierendenzahlen und bestenfalls stagnierende Zahlen an hauptamtlich Lehrenden sowie eine unzureichende Alimentierung der Hochschulen durch den Staat machen dies erforderlich, um die Lehre überhaupt auf einem bestimmten Niveau aufrecht zu erhalten. Dies belegen u.a. Ergebnisse einer DHV-Umfrage vom Herbst 2010. Es ist nicht verwunderlich, dass so manche Lehrbeauftragungen unter dem Verdacht stehen, dass reguläre Lehraufgaben, die eigentlich von Professoren und festangestellten Mitarbeitern zu übernehmen wären, an Lehrbeauftragte delegiert werden - und das für weitaus weniger Geld im Vergleich zu den Gehältern, die lehrende Mitarbeiter in einem Anstellungsverhältnis an der Universität beziehen!

Gegen das "Delegieren von Aufgaben aus Not", da nicht genügend hauptamtliche Lehrkapazität vorhanden ist, ist prinzipiell nichts einzuwenden. ABER: Weshalb geschieht das zu ausgesprochenen "Dumpingpreisen", die in keinem realistischen Verhältnis zur erbrachten Leistung der Lehrbeauftragten stehen? Begründet wird die inadäquate Vergütung mehrheitlich damit, dass der Lehrauftrag ja (nur) eine "Arrondierung des Lehrangebots" sei und es sich nur um eine Nebentätigkeit des Lehrbeauftragten handele, der ja ausreichend Einkünfte aus seiner beruflichen Haupttätigkeit beziehen würde. In der Mehrheit der Fälle entspricht das schon seit langem nicht mehr der Realität. Vor allem in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern sind es nicht beruflich etablierte und anerkannte Fachkräfte, die das grundständige Lehrangebot ergänzen, sondern es sind gut ausgebildete, hochmotivierte junge, aber auch "gestandene" Akademiker ohne festes Anstellungsverhältnis - die meisten ohne ein existenzsicherndes Einkommen. Lehrbeauftragte sorgen in diesen Fächern häufig dafür, dass das reguläre Lehrangebot überhaupt erst garantiert werden kann.

Forschungsbasierte Lehre

Im universitären Alltag ist es nach wie vor so, dass der Forschung gegenüber der Lehre der Vorrang eingeräumt wird. Noch immer ist es so, dass der Mitarbeiter für eine wissenschaftliche Karriere an der Hochschule hart um die Anerkennung der scientific community kämpfen und durch Forschungsleistungen überzeugen muss. Um die Anerkennung der Studenten durch gute Lehre zu kämpfen, ist dagegen etwas, das (bislang) für die akademische Karriere kaum von Bedeutung ist. Und folgerichtig wird Lehre von den wissenschaftlichen Mitarbeitern häufig als "unliebsame Nebenbeschäftigung" gesehen. Dr. Grünewald, Vizepräsident für Lehre und Studium der Universität Potsdam, spricht in diesem Zusammenhang von einem "Reputationsgefälle zwischen Forschung und Lehre". Und dies äußert sich nicht nur darin, dass Lehre von den Mitarbeitern möglichst auf ein Minimum reduziert wird, sondern vor allem auch im Umgang der Universität mit denjenigen, die das grundständige Lehrangebot in vielen Fachbereichen erst ermöglichen - den Lehrbeauftragten.

Das derzeitige Verhältnis der (hauptamtlichen) Hochschulakteure zu den Lehrbeauftragten ist zum einen dem Festhalten an einer längst überholten Auffassung von Lehrbeauftragung geschuldet, die nichts mehr mit einer modernen Universität mit "forschungsbasierter Lehre" zu tun hat. Und zum anderen ist es eine Folge des nach wie vor bestehenden "Reputationsgefälles zwischen Forschung und Lehre". Erst wenn sich diese Situation ändert, wenn es zu einem Mentalitätswechsel an den Hochschulen kommt, d.h. Forschung und Lehre tatsächlich gleichberechtigte Bestandteile einer akademischen Karriere sind, wird sich die Einstellung zur Lehre und damit auch zur Tätigkeit der Lehrbeauftragten ändern! Es bleibt nicht viel Zeit, diesen dringend notwendigen Mentalitätswechsel in Angriff zu nehmen, denn der Wettbewerb um die Studierenden hat längst begonnen und wird primär über die Qualität der Lehre entschieden. Und exzellente Lehre wird auf Dauer und in Zukunft nicht (mehr) zu "Dumpingpreisen" zu realisieren sein!


Über die Autorin
Christine Teichmann ist promovierte Linguistin (Germanistik und Romanistik) und in der international vergleichenden Bildungsforschung tätig. Sie ist Lehrbeauftragte in der Germanistik an der Universität Potsdam.


Aus Forschung und Lehre :: Mai 2011

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