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Motivation "Advanced Talents" - die Verantwortung der Universitäten

VON GUDRUN GERSMANN UND DORIS KLEE

Für deutsche Hochschulen stellt sich immer dringender die Frage, wie sie im internationalen Wettbewerb herausragende Nachwuchswissenschaftler gewinnen und an die eigene Universität binden können. Bericht über Maßnahmen an zwei Universitäten, mit denen "Advanced Talents" unterstützt werden.

Motivation "Advanced Talents"© Rohdinho - photocase.deDie Assistentenstelle oder die Habilitation ist längst nicht mehr der Königsweg zur Professur
Derzeit sind an der Universität zu Köln und der RWTH Aachen ca. 140 Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren (mit und ohne Tenure Track), Nachwuchsgruppenleiter und -leiterinnen oder Postdoktoranden und Postdoktorandinnen beschäftigt. Sie sind über das Emmy Noether Programm der DFG, über das Marie-Curie Programm der EU oder ein ERC Starting Grant an die Universität gekommen. Man kann sie mit dem Begriff "Advanced Talents" bezeichnen, doch zeigt dies zugleich, wie unterschiedlich Hochschulkarrieren nach der Promotion heutzutage ausfallen können.

Anders als in früheren Zeiten ist die klassische Assistentenstelle bzw. Habilitation inzwischen längst nicht mehr der "Königsweg zur Professur". Wie im "alten" Universitätssystem werden die Weichen für die Wissenschaftskarriere jedoch nach wie vor noch in der Regel am Ende der ersten Qualifikationsphase, d.h. am Ende der Promotion, gestellt. In der anschließenden zweiten Qualifikationshase, der Post-doc-Phase, sollen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dann die erforderlichen Qualifikationsnachweise und Fähigkeiten in Forschung und Lehre erwerben, um ihr eigentliches Karriereziel erfolgreich erreichen zu können.

Und genau an diesem Punkt werden die Betroffenen nur allzu oft mit der Problematik des (deutschen) Wissenschaftsbetriebs konfrontiert: Einerseits sind die "Advanced Talents" durch ihre intensive Forschungs-, Publikations- und Lehrtätigkeit für die Universitäten zweifellos der "Wechsel auf die Zukunft", sie tragen durch ihre Arbeit ganz wesentlich zum Renommee ihrer Hochschule bei. Andererseits befinden sich aber die meisten von ihnen über viele Jahre in einer mehr als prekären Situation: Im Unterschied zu anderen europäischen Universitätssystemen, in denen junge Wissenschaftler - wie etwa in Frankreich - schon früh in feste Arbeitsverhältnisse eingebunden werden, bleibt der weitere Karriereverlauf des deutschen Universitätsnachwuchses, ob mit oder ohne Tenure Track, gewöhnlich über einen langen Zeitraum hinweg ungewiss, und das ausgerechnet in einer Lebensphase, in der die Frage nach der Familiengründung zu Recht eine wichtige Rolle spielt.

Umfangreiches Beratungs- und Betreuungsprogramm

Auch wenn Einzelinitiativen dieses systemimmanente Problem sicher nicht lösen können, so sehen es Universitäten wie die Universität zu Köln und die RWTH Aachen doch dezidiert als ihre Aufgabe und Verantwortung an, die an ihren Hochschulen beschäftigten "Advanced Talents" auf ihrem Weg und bei ihren individuellen Zielen zu unterstützen, um sie so gut und professionell wie nur möglich auf eine erfolgreiche berufliche Laufbahn vorzubereiten. Können die "Advanced Talents" in Köln und Aachen bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt an unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der jeweiligen Personalentwicklungsprogramme teilnehmen, so haben die beiden rheinischen Universitäten in den vergangenen Monaten zusätzlich ein umfangreiches Beratungs- und Betreuungsprogramm für ihre Postdoktoranden und -doktorandinnen aufgesetzt. Ausgehend von dem gemeinsamen Interesse, sinnvolle Unterstützungsmaßnahmen für die jungen Wissenschaftler und -wissenschaftlerinnen zu entwickeln, bot sich schon in einem frühen Stadium der Überlegungen die enge Zusammenarbeit mit dem DHV an, der als Vertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland auch für die Zielgruppe der "Advanced Talents" zuständig ist.

Mentoring und Individual Coaching

Was bieten wir den "Advanced Talents" in Aachen und Köln? Unser Beratungsangebot ruht zunächst auf den zwei Säulen "Mentoring" und "Individual Coaching". Die RWTH Aachen hat bereits umfangreiche Erfahrungen im Bereich "Mentoring" vorzuweisen. Zur Unterstützung und Begleitung der persönlichen Entwicklung und Karriereplanung vermittelt das Aachener Rektorat den Advanced Talents eine erfahrene Professorin oder einen Professor als Mentorin bzw. Mentor. Als Mentoren können amtierende oder emeritierte Professorinnen und Professoren der eigenen Fakultät oder Universität oder einer anderen Fachrichtung oder Hochschuleinrichtung fungieren. Die ersten Reaktionen der Zielgruppe zeigen, dass die Advanced Talents das Mentoring gewöhnlich als sehr hilfreich empfinden, auch wenn ihre Erwartungen - besseres Einleben und Ankommen in der eigenen Fakultät, persönliche Karriereplanung, Vermittlung von fachlichen Kooperationen teilweise über die Grenzen Deutschlands hinaus - häufig diffus oder aber sehr komplex sind. Die Universität zu Köln sieht in ihrer kürzlich verabschiedeten Tenure Track-Ordnung vor, dass jedem Juniorprofessor und jeder Juniorprofessorin mit Tenure Track ein erfahrenener Mentor aus dem eigenen Forschungsbereich zur Seite gestellt wird. Die Mentoren und Mentorinnen geben den Kandidaten und Kandidatinnen kollegiales Feedback, stehen als Ansprechpartner zur Verfügung und sollen die Evaluationen beratend begleiten.

Unter dem Stichwort "Individual Coaching" bieten wir den Aachener und Kölner Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zudem die Möglichkeit, neben "allgemeineren Coaching-Seminaren" auch direkt am renommierten Coaching Programm des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) teilzunehmen. Vertreter des DHV kommen zu diesen Individual Coachings eigens nach Aachen oder Köln, um die jungen Kollegen und Kolleginnen "maßgeschneidert" in rechtlicher, strategischer und taktischer Hinsicht auf deren spezifische Situation hin zu beraten. Konkret findet das Coaching als zweistündiges "one-toone"-Intensiv-Coaching mit einem der DHV-Experten statt, bei dem drängende Fragen und Unklarheiten in vertraulicher Atmosphäre geklärt werden können. Die Palette der hier behandelten Themen reicht von der Optimierung der Bewerbungsunterlagen für Berufungsverfahren über Verhandlungen in Bezug auf Anschlusspositionen oder externe Professuren bis hin zu Details der individuellen Karriereplanung. Diese Coachings wurden erstmalig 2014 an der Universität zu Köln durchgeführt und werden seit 2015 in Kooperation an den beiden Universitäten angeboten. Sie erfreuen sich einer so hohen Nachfrage, dass mittlerweile an die 90 Advanced Talents daran teilgenommen haben.

Als weitere Veranstaltungen und Unterstützungsmaßnahmen seien Seminare innerhalb von unterschiedlichen Programmen, wie z.B. ProLeaders und ProProfs an der RWTH Aachen oder der Junior Faculty Club an der Universität zu Köln, genannt. Als kompaktes Vortrags- und Seminarangebot runden die "Advanced Talents Tage", die künftig wechselweise in Köln und Aachen organisiert werden sollen, das skizzierte Angebot ab. Mit dieser gemeinsamen Initiative im regionalen Verbund möchten wir einen neuen, aus unserer Sicht künftig in der wissenschaftspolitischen Landschaft unverzichtbaren Akzent setzen.


Über die Autorinnen
Gudrun Gersmann lehrt Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität zu Köln und ist dort Prorektorin für Internationales.
Doris Klee ist Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs an der RWTH Aachen.

Aus Forschung & Lehre :: Januar 2016

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