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Muss ein Ruf angenommen werden?

Muss ein Ruf angenommen werden?© Lise Gagne - iStockphoto.com

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Die nach Ruferteilung stattfindenden Berufungsverhandlungen werden aus der Perspektive der betroffenen Wissenschaftler nicht immer erfolgreich abgeschlossen. Berufungsverhandlungen sind ergebnisoffene Verhandlungen und können daher letztlich auch scheitern. Vielfach bleiben die Ausstattungszusagen der Universität hinter den Forderungen der Rufinhaber zurück.

Entscheidend für die Frage, ob die Universität ein exponiertes oder doch eher bescheidenes Ausstattungsangebot offeriert, ist neben den finanziellen Zwängen der Fakultät auch das "Standing" des Bewerbers. Klassische Verhandlungssujets im Rahmen von Berufungsverhandlungen sind neben der persönlichen Besoldung Fragen der räumlichen Unterbringung, der Anzahl und Besoldung/ Vergütung wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Mitarbeiter sowie die Höhe der Grundausstattung und laufender investiver Mittel. Es ist hierbei außerordentlich wichtig, verbindliche Zusagen der Universität zu erhalten; reine Bemühenszusagen oder Absichtserklärungen sind nicht nur formal insuffizient, sondern auch rechtlich nicht belastbar.

Für die betroffenen Rufinhaber stellt sich in vielen Fällen die Frage, welche Zusagen noch hinnehmbar sind. Anders herum: Wo verläuft die persönliche Schmerzgrenze? Vieles wird hierbei vom Einzelfall abhängen. Einen Zweit- oder Drittruf nicht anzunehmen gestaltet sich erfahrungsgemäß eher unproblematisch und kann insbesondere unter Rekurs auf den Status quo begründet werden. Anders verhält es sich im Falle von Erstberufungen.

Vielfach existiert gerade bei jüngeren Wissenschaftlern nach wie vor die Befürchtung, dass bei Nichtannahme des ersten Rufs anderweitige Rufe nicht mehr ergehen werden. Empirisch belegen lässt sich diese Annahme nicht. Formaljuristisch ist die Nichtannahme eines Rufs jederzeit möglich. Traditionell gilt aber in der Scientific Community nach wie vor der Grundsatz, demnach Erstrufe - zumindest auf eine Lebenszeitprofessur - zwingend angenommen werden sollten. Insoweit stellt die Nichtannahme des ersten Rufs nach wie vor die große Ausnahme dar, die in jedem Einzelfall wohl überlegt sein sollte.
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