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Nach der Promotion ins Ausland?

Nach der Promotion ins Ausland?© Neustockimages - iStockphoto.com

Im Jahre 2007 habe ich mein Studium der Mittelalterlichen Geschichte, der Neueren deutschen Literatur sowie der Italianistik abgeschlossen; und obwohl ich insgesamt weniger als zwei Jahre für das Verfassen meiner Dissertation - und zwar incl. Lektürephase, Schreiben des Exposés etc. - gebraucht habe, stehe ich erst jetzt, fünf Jahre nach Erhalt des Magisterzeugnisses und im 33. Lebensjahr, vor dem Abschluß des Promotionsverfahrens.

Die restlichen drei Jahre habe ich grob gesehen damit zugebracht, einen Betreuer zu suchen, mich für ein Promotionsstipendium zu bewerben, und, als das geglückt war, darauf zu warten, daß der Doktorvater und die anderen am Verfahren Beteiligten Zeit für mich finden - für die Rückmeldung zu der Dissertation, für die Festlegung eines Disputationstermins usw.

Ich kann mit einigem Recht behaupten, die mannigfaltigen Schattenseiten des deutschen Wissenschaftsbetriebs recht genau kennengelernt zu haben. Das hängt neben der chronischen Arbeitsüberlastung der Professoren sicher auch mit meiner besonderen Situation zusammen mit einem außerordentlich interdisziplinären Ansatz promoviert zu haben.

Für mich stellt sich nun die Frage, wie es nach der Promotion weitergehen soll. Auf academics.de las ich jetzt, daß im Ausland die Bedingungen für eine wissenschaftliche Laufbahn ungleich bessere sein sollen als in Deutschland, und da ich wie geschildert eher negative Erfahrungen hierzulande gemacht habe, wäre es vielleicht nicht die schlechteste Lösung, Deutschland einfach zu verlassen. Ich weiß aber momentan noch gar nicht, wohin die Reise gehen soll noch auch, wo und wie ich mich am besten informiere geschweige denn bewerbe.

Gibt es möglicherweise Ansprechpartner, die mir speziell auch im Hinblick auf mein Profil - das ja für sich betrachtet aufgrund seiner vergleichsweise uneindeutigen fachlichen Zuordenbarkeit die Situation zumindest potentiell schon schwieriger macht - individuelle Ratschläge geben können, evtl. sogar in einem persönlichen Gespräch? Der Schritt, ins Ausland zu gehen, will immerhin gut überlegt sein. Wie Sie sehen, bin ich mit diesen Plänen noch ganz am Anfang, würde aber gern noch im Laufe dieses Jahres eine Entscheidung fällen. (Englisch, Französisch und Italienisch spreche ich übrigens fließend.) Was würden Sie mir nun raten?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Zunächst einmal gilt es, sich über die Usancen der wissenschaftlichen Laufbahn an Hochschulen im Ausland eingehend zu informieren. Sodann ist sicherlich ein Überblick über die Stellensituation an ausländischen Hochschulen hilfreich und notwendig. Informationen über die Situation etwa in der Schweiz könnten eingeholt werden über die Vereinigung der Schweizerischen Hochschuldozierenden in Österreich über den Österreichischen Universitätsprofessor-Innenverband UPV. Einen sehr guten Überblick über das Europäische Hochschullehrerdienstrecht bietet zudem Geis, in: Hartmer/Detmer (HRSG.), Hochschulrecht - Ein Handbuch für die Praxis, 2. Auflage 2011, Seite 244 ff.

Bei einem Engagement im Ausland muss sicherlich auch überlegt werden, ob sodann die wissenschaftliche Karriere notwendigerweise auf das jeweilige Land beschränkt bleibt. Nach unserer Erfahrung ist ein Austausch insbesondere zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich durchaus üblich. Mit anderen Ländern ist dies schon eher seltener zu konstatieren.