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So will doch keiner arbeiten!

VON MARTIN SPIEWAK

Warum der beste Nachwuchs die Wissenschaft verlässt.

So will doch keiner arbeiten!© davis - Fotolia.comViele Nachwuchswissenschaftler beenden ihre Karriere in der Forschung bevor sie beginnt
Es gibt Preise, die werden posthum vergeben, nach dem Tode des Geehrten also. Seit Dienstag gibt es eine neue Kategorie: die prähume Preisverleihung, vor dem eigentlichen Leben.

Da ehrte Bundestagspräsident Norbert Lammert die junge Historikerin Sabine Donauer für ihre Dissertation mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung.

Studium in Augsburg, Paris und Oxford, Masterabschluss in Harvard, die Dissertation abgeschlossen mit Bestnote und nun der renommierte Preis - einen besseren Start in eine Wissenschaftlerkarriere kann es kaum geben. Denkt man.

Doch die Geehrte ist für die Wissenschaft längst verloren. Ihr Leben als Forscherin endete, bevor es richtig begann.

Vor einem Jahr schon hat Sabine Donauer außerhalb einer Universität gefunden, was sie dort vergeblich suchte: eine Stelle mit Perspektive, einen Job mit sozialer Mindestabsicherung, einen Beruf, in dem sie nicht alle paar Jahre um Geld betteln muss.

Die Entscheidung der jungen Historikerin (die ausgerechnet über den Sinn von Arbeit promovierte) kann niemand überraschen, der die endlose Diskussion um das Schicksal des wissenschaftlichen Nachwuchses kennt.

Denn viele, wenn nicht die meisten der besten Nachwuchswissenschaftler kehren der Forschung nach ihrer Dissertation den Rücken. Auch die Gründe dafür sind längst in offizielle Zahlen gegossen: Erst mit 41,4 Jahren, dem durchschnittlichen Erstberufungsalter, entscheidet sich in Deutschland, ob man Professur wird und an der Universität bleiben darf.

Der Anteil der Professoren am wissenschaftlichen Personal ist mittlerweile auf unter zehn Prozent gerutscht. Nur noch 7,8 Prozent der wissenschaftlichen Angestellten an Hochschulen dürfen sich über ein normales Arbeitsverhältnis freuen, eine feste Stelle also mit vollem Stundendeputat.

Es gibt niemanden, der diese Zustände rechtfertigt. Das Lamento der Kritiker - Wissenschaftsrat und Hochschulrektorenkonferenz, Gewerkschaften wie Professorenlobby - ist zu einem Dauerchor angeschwollen.

Ebenso zahlreich wie die Kritiker sind Vorschläge, dem Missstand abzuhelfen: Verbot der Kurzeitverträge, mehr Professuren auf Bewährung (tenure track-Stellen), sichere Jobs in Forschung und Lehre auch unterhalb der Professur.

»Nun also, dann fangt doch endlich an!«, will man den Verantwortlichen zurufen. Hört auf zu jammern, und macht euren Job! Selbst die Überschrift für eine gemeinsame Aktion ist schon formuliert: »Nationaler Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs«, finanziert von Bund und Ländern.

Jetzt, wo die Zusammenarbeit nicht mehr verboten ist, steht einer solchen Allianz nichts mehr im Wege. Sollte man in Berlin noch Informationslücken haben, stünde die Körber-Preisträgerin Donauer übrigens auf kurzem Weg zur Verfügung. Ihr Arbeitgeber heißt seit dem 1. Dezember 2013: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Aus DIE ZEIT :: 04.12.2014

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