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Not amused

Von MEIKE FRIES

Britischen Akademikern droht eine Sondersteuer.

Not amused© Peter Memmott - iStockphoto.comKann eine lebenslange Sonderabgabe für Graduierte das Finanzloch an britischen Hochschulen stopfen?
Die britischen Hochschulen sind klamm, die Regierung spart. Tausende Stellen in Lehre, Forschung und Verwaltung sind in Gefahr oder schon gestrichen. Tausende Bewerber werden im kommenden Semester keinen Studienplatz bekommen. Die Hochschulen brauchen dringend Geld.

Der liberale Wirtschaftsminister Vince Cable hat eine Idee: Er will eine lebenslange Sonderabgabe für Graduierte einführen. Von fünf Prozent Steuern auf das Einkommen ist die Rede. Sein Argument: Gerechtigkeit. An der mangele es. Zahlen doch Studenten Gebühren in gleicher Höhe, egal, ob sie später als Top-Anwältin oder Sozialpädagoge arbeiten. Wer später mehr verdient, soll rückwirkend auch mehr für seine Ausbildung bezahlen, findet Cable. Er erhofft sich davon aber wohl vor allem eins: viel mehr Geld.

Die Hochschullehrergewerkschaft UCU hat ausgerechnet, welche Belastungen auf einzelne Berufsgruppen zukommen würden - die seien unverhältnismäßig. Gerade bei Akademikern mit vergleichsweise geringerem Einkommen. Ein Lehrerin etwa müsste bei einem Steuersatz von fünf Prozent in 25 Jahren
46 000 Pfund an den Staat überweisen.

Derzeit zahlen britische Studenten maximal 3225 Pfund Studiengebühren im Jahr. Studenten von der Last der Gebühren zu befreien und Zahlungen ins Berufsleben zu verschieben ist sinnvoll; aber dann doch lieber direkt an die eigene Uni und in nachvollziehbarer Höhe. Wer will mit der Aussicht auf lebenslange Rückzahlungen in dieser Höhe noch begeistert ein Studium aufnehmen?

Es gibt noch einen Haken - man mag Studiengebühren verfechten oder verteufeln, eins lässt sich nicht leugnen: Wer sie entrichtet, ob während oder nach dem Studium, kann Qualität in seiner Ausbildung erwarten und einfordern. Die Hochschulen sind in der Pflicht. Mit einer an den Staat abgeführten Steuer wäre dies passé.

Doch gäbe es auch Profiteure einer Akademikersteuer: Junge Menschen, die auf Zeugnisse nichts geben, könnten in Großbritannien demnächst unbeschwert vor sich hin studieren! Ausländer kämen in Scharen an die oft hervorragenden Hochschulen des Landes, um mit dem Zeugnis in der Hand gleich wieder abzureisen und sich anderswo zu verdingen. Einige Briten kämen sicher gern mit. Arbeiten sie im Ausland, zahlen sie nämlich dort ihre Steuern.

Aus DIE ZEIT :: 19.08.2010

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